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Hertha Nathorff-Preis für TU-Absolventinnen und -Absolventen

03.05.2003 - (idw) Technische Universität Berlin

Feierliche Verabschiedung der Absolventen/innen des Aufbaustudienganges Public Health / Einladung

Bereits seit 1995 belohnt die Ärztekammer Berlin die besten Magisterarbeiten des TU-Ergänzungsstudiengangs Berlin mit dem Hertha-Nathorff-Preis. Der mit insgesamt 2.500 Euro dotierte Preis ist nach der jüdischen Ärztin Hertha Nathorff benannt. In diesem Jahr werden zwei Ärztinnen und ein Arzt mit dem Preis ausgezeichnet.
Die Preisvergabe findet im Rahmen der Absolventenverabschiedung des Postgraduierten-Studiengangs Public Health statt.

Wir möchten Sie hiermit herzlich zur Verabschiedung der Absolventen und zur Preisverleihung einladen:

Zeit: am Freitag, dem 9. Mai 2003, 16.00 Uhr
Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Raum H 1028, 10623 Berlin


Zum Preisträger und den Preisträgerinnen:

1. Preis: Dr. Stefan Poloczek, MPH (Preisgeld 1.200 Euro)

Mehr Notfalleinsätze in sozial benachteiligten Wohngegenden

In seiner Magisterarbeit hat sich Stefan Poloczek mit der Einsatzhäufigkeit von Notfallrettungen in unterschiedlichen Wohngegenden beschäftigt. In seiner täglichen Praxis als Unfallmediziner entstand die Vermutung, dass Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status die Notfallrettung häufiger in Anspruch nehmen. Diese These konnte der promovierte Mediziner Stefan Poloczek durch die Auswertung von über 310.000 Einsätze der Berliner Feuerwehr bestätigen.
Für 298 Wohnviertel wurde die Einsatzhäufigkeit berechnet und mit einem Sozialindex verglichen, welcher verschiedene Sozialstrukturen wie die Arbeitslosenquote repräsentiert. Für die Inanspruchnahme der Notfallrettung zeigt sich ein deutlicher sozialer Gradient. Erklärungsmodelle lassen vermuten, dass dieser Unterschied einer erhöhten Morbidität, fehlenden sozialen Netzen und mangelnden psychosozialen Ressourcen zuzuschreiben ist. Die Auswertung von Einsatzdaten könnten in Zukunft dazu benutzt werden, Lücken im psychosozialen und medizinischen Versorgungssystem aufzudecken.
Dr. Stefan Poloczek arbeitete als Facharzt für Anästhesiologie/Rettungsmedizin im Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin und wird zukünftig als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Gesundheitswissenschaften/Public Health an der TU Berlin tätig sein.


2. Preis: Dr. med. Almut Dannemann, MPH (Preisgeld: 800 Euro)
Anwendung der neuen deutschen Referenzwerte für den Body Mass Index (BMI) bei Kindern der Multizentrischen Allergiestudie (MAS) unter besonderer Berücksichtigung der übergewichtigen und adipösen Kinder

Dr. med. Almut Dannemann beschäftigte sich mit der Früherkennung von Übergewicht bei Kindern. Sie nutzte Daten aus einer seit 1990 laufenden Studie ("Multizentrische Allergiestudie") und untersuchte daraus 1314 Kinder auf ihren Body-Mass-Index (dieser Kennwert setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Größe und kann damit Übergewicht anzeigen). Dabei verglich sie verschiedene Messsysteme; ein vor zwölf Jahren von Rolland-Cachera et a. (1991) empfohlenes mit einem neueren von Komeyer-Hausschild et al. (2001). Die Vergleiche zeigen, dass das ältere Messsystem von Rolland-Cachera genauer ist, da es übergewichtige Kinder früher erfasst; nämlich bereits im Vorschul- und frühen Schulalter (5 bis 7 Jahre). Damit gibt dieses System früher die Möglichkeit zum Gegensteuern.

Almut Dannemanns Untersuchung bestätigte zudem besondere Risikofaktoren für Übergewicht bei kleinen Kindern. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Mutter selbst übergewichtig ist, die nur kurz gestillt wurden, deren Familie einen niedrigen Sozialstatus hat, deren Mutter eine niedrige Schuldbildung mitbringt, die Mädchen sind und einen TV-und Computerkonsum von mehr als einer Stunde täglich haben. Die Arbeit belegt erneut, wie wichtig es ist, bereits bei sehr kleinen Kindern mit Präventionsstrategien gegen das Übergewicht vorzugehen.
Dr. med. Almut Dannemann, Mutter von drei Kindern, arbeitete zuletzt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kinderklinik und ist zur Zeit auf der Suche nach einer Tätigkeit im Bereich Pädiatrie und Public Health.

3. Preis: Angela Neumeyer-Gromen, MPH (Preisgeld: 500 Euro)
Disease Management für Depressionen - Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien

Bei der Depression handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen in der Bevölkerung und hausärztlichen Versorgung. Trotz effektiver Behandlungsmöglichkeiten finden sich eklatante Versorgungsdefizite verbunden mit erheblichen Krankheitskosten insbesondere durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Dies wirft die Public Health relevante Frage nach der Implementierung innovativer evidenzbasierter Versorgungsmodelle auf und steht im Kontext mit der Einführung von Disease (Krankheit) Management Programmen (DMP) in Deutschland.

Das Ziel der Magisterarbeit von Angela Neumeyer-Gromen war die Evaluation der klinischen Effektivität und Kosten-Effektivität von DMP für Depression gegenüber herkömmlicher primärärztlicher Versorgung. Angela Neumeyer-Gromen kommt in ihrer Arbeit zu dem Ergebnis, dass mit DMP eine effektive Versorgung für Menschen mit Depressionen erzielt werden kann. Die Kosten sind mit denen international akzeptierter Maßnahmen im Gesundheitswesen vergleichbar. Dies ist für Deutschland von besonderer gesundheitspolitischer Aktualität, gerade weil die Depression bislang nicht als Erkrankung für DMP berücksichtigt wird.

Angela Neumeyer-Gromen arbeitete vor ihrem Public Health-Studium als Ärztin für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin. Zur Zeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Robert-Koch-Instituts tätig.

Hertha Nathorff, die Namensgeberin des Preises

Mit dem Hertha Nathorff-Preis wird eine Ärztin geehrt, die in den 20er und 30er Jahren engagiert im öffentlichen Gesundheitswesen Berlins tätig war. Hertha Nathorff, geborene Einstein, wurde 1895 als Kind einer bekannten, wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Sie kam in den zwanziger Jahren nach Berlin. Hier wurde sie 1923 leitende Ärztin eines DRK-Entbindungs- und Säuglingsheims, das sich in Charlottenburg befand. Parallel zu dieser Tätigkeit baute sie sich eine eigene Praxis auf. Unter der Nazi-Diktatur in den dreißiger Jahren musste sie als jüdische Ärztin ihren Beruf aufgeben. 1939 gelang ihr mit ihrem Mann, der ebenfalls Arzt war, die Flucht nach Amerika. Ihr Leben konnte sie somit retten, verloren hat sie jedoch ihre berufliche Aufgabe. Zwar war sie karikativ tätig und arbeitete später als Psychotherapeutin, aber als mittellose Einwanderin konnte sie sich in ihrem Arztberuf in Amerika nicht etablieren und litt unter dem Verlust des Berufes. Für ihr soziales Engagement in Deutschland und den USA erhielt sie 1967 das Bundesverdienstkreuz am Bande, jedoch kehrte sie nie wieder nach Deutschland zurück. Sie starb 1993.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dipl.-Math. Gerd Kallischnigg vom Institut für Gesundheitswissenschaften der TU Berlin, Tel.: 030/314-79423/-23744, Fax: -26025, E-Mail: gkg@saturn.a.tu-berlin.de und Sybille Golkowski, Ärztekammer Berlin, Tel.: 030/40806-124/-125, Fax: -164, E-Mail: presse@aerztekammer.berlin.de

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