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Noch ein Erfolg bei europäischer Exzellenzinitiative

06.10.2008 - (idw) Universität Hamburg

Fördermittel für Forschungen zu mittelalterlichen Religionsvorstellungen bewilligt Der Mittelalterhistoriker Prof. Dr. Hans-Werner Goetz erhält Fördermittel des Europäischen Forschungsrats ERC (European Research Council) für Forschungen zur Wahrnehmung fremder Religionen im christlichen Mittelalter. Mit seinem Projektvorschlag "POR: The Perception of Other Religions in the Christian Occident during the Early and Central Middle Ages (5th-12th centuries)" konnte er sich in einem europaweiten Wettbewerb durchsetzen. Aus dem ERC-Förderprogramm "Advanced Grant" für den Forschungsbereich Sozial- und Geisteswissenschaften erhält er rund 600.000 Euro. Insgesamt hatten sich hier 404 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beworben, davon erhielten 44 eine Zusage. 5 der Gewinnerinnen und Gewinner kommen aus Deutschland.
Im August hatte bereits Prof. Roland Wiesendanger den Zuschlag für einen Advanced Grant für den Forschungsbereich Naturwissenschaft und Technik erhalten, bei insgesamt 997 Antragstellern.

Dazu die Präsidentin der Universität Hamburg, Prof. Dr.-Ing. habil. Monika Auweter-Kurtz:

"Ich freue mich sehr, dass nun zwei Wissenschaftler der Universität Hamburg in diesem sehr wettbewerbsorientierten Verfahren erfolgreich waren. Für eine Förderung aus diesem Programm spielt neben der Bedeutung des beantragten Projektes für die Grundlagenforschung die wissenschaftliche Reputation des Antragstellers eine wesentliche Rolle. Dieses gute Ergebnis zeigt, dass wir im internationalen Vergleich sowohl in naturwissenschaftlichen als auch in geisteswissenschaftlichen Forschungsfeldern sehr gut aufgestellt sind. Herrn Professor Goetz gratuliere ich herzlich. Ich bin überzeugt davon, dass er mit seinen Forschungen einen wichtigen Impuls für die Entwicklung der Geschichtswissenschaften an unserer Universität leisten wird."

Das Verhältnis der Religionen zueinander ist ein aktuelles Thema, das wissenschaftlich auch in seinen historischen Dimensionen zu betrachten ist. Mit den ERC-Mitteln wird ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Prof. Goetz in den nächsten drei Jahren untersuchen, wie die christlichen Autoren des frühen und hohen Mittelalters (5.-12. Jahrhundert) andere Religionen wie polytheistische Heiden, monotheistische Juden und Muslime sowie andere christliche Glaubensrichtungen wie Orthodoxe und Häretiker wahrgenommen haben. Bisher gibt es zwar einige Arbeiten zur Wahrnehmung einzelner Religionen, das Forscherteam um Prof. Goetz wird aber das erste sein, das dieses Thema umfassend in europäischer Perspektive, an einer Vielzahl mittelalterlicher Autoren, in sehr unterschiedlichen Quellengattungen und vor allem vergleichend analysiert. Untersuchungsleitende Fragestellungen sind bspw.: Welches Spektrum religiöser Wahrnehmungen lässt sich im Vergleich verschiedener Autoren ausmachen? Welche Denkmuster erweisen sich (überindividuell) als zeitspezifisch? Herrschen Stereotypen vor oder beeinflusst besseres Wissen die religiösen Vorstellungen? Wie fügt sich die Wahrnehmung der anderen Religionen in das christliche Selbstverständnis der Epoche ein?

Das Projekt deckt wesentliche Elemente der spezifisch mittelalterlichen religiösen Vorstellungswelt auf, trägt zu einem besseren Verständnis der mittelalterlichen Denkweise bei, bietet mit einem Vergleich mit der Moderne zugleich aber aktuelle Bezüge für das heutige europäische Weltbild. Drei Nachwuchswissenschaftler(innen) werden direkt aus den ERC-Mitteln finanziert.

Professor Hans-Werner Goetz ist seit 1990 Professor an der Universität Hamburg. Er hat sich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten mit verschiedenen Themen der früh- und hochmittelalterlichen Verfassungs- und Sozialgeschichte einen Namen gemacht. Seine monographischen Arbeiten haben maßgeblich zu Erkenntnissen über die mittelalterliche Alltagsgeschichte wie auch über die Frauen- und Geschlechtergeschichte beigetragen. Sein Buch "Leben im Mittelalter" hat bislang sechs Auflagen erlebt und ist in fünf Sprachen übersetzt worden. Prof. Goetz hat den methodischen Ansatz einer "Vorstellungsgeschichte" (Erforschung der menschlichen Vorstellungswelten) entwickelt und beschäftigt sich seit einiger Zeit vor allem mit den religiösen Vorstellungen im christlichen Abendland. Eine Monographie über dieses Thema ist in Arbeit.


Für Rückfragen:

Prof. Dr. Hans-Werner Goetz
Historisches Seminar
Tel.: 040-428 38-48 37 oder -25 82 (Sekr.)
E-Mail: Hans-Werner.Goetz@uni-hamburg.de

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