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Vom Rassismus zum Hautfarbenrassismus

30.10.2008 - (idw) Universität Augsburg

Sind die Menschenrecht dem Kampf um die Bürgerrechte oder dem Kampf gegen die Sklaverei entsprungen? Diese Frage stellt der Rostocker Althistoriker E. Flaig am 3.11. im ersten Colloquium Augustanum des Wintersemesters.
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"Vom Rassismus zum Hautfarbenrassismus. Wo und wie wurde eine diskursive Konstruktion plausibel?" Mit der Erörterung dieser Frage eröffnet am 3.11. um 18.15 Uhr Prof. Dr. Egon Flaig (Rostock) im HS III des Großen Hörsaalzentrums (Universitätsstr. 10) das Colloquium Augustanum. Die Gastvorlesungsreihe des Augsburger Instituts für Europäische Kulturgeschichte wird im laufenden Wintersemester am 15.12.08 und am 2.2.09 noch zwei weitere Vorträge bieten. Jede Kultur, so sagte der große Lévi-Strauss, müsse sich selber affirmieren und sei darum notwendigerweise xenophob. Zudem sei es unvermeidbar, dass Menschengruppen einander gegenseitig abwerten und sogar einander das gleichwertige Menschsein absprechen. Doch wann führt eine solche Abwertung zur Vorstellung, die "Anderen" seien von Natur aus minderwertig? Also zu einem kohärenten Rassismus? Warum taucht dieser fast immer in sklavistischen Gesellschaften auf? Und warum hat Rassismus meistens nichts zu tun mit der Hautfarbe?

So umreißt Prof. Dr. Egon Flaig, die Fragestellung seines Vortrags, mit dem er am 3. November 2008 das "Colloquium Augustanum" des Instituts für Europäische Kulturgeschichte im laufenden Wintersemester eröffnen wird.

Erst im 8./9. Jahrhundert, so Flaig weiter, komme als arabische Erfindung die Theorie auf, wonach schwarze Menschen - aus klimatheoretischen Gründen - minderwertig seien. Ebenso werde die biblische Begründung, aus Noahs Fluch über Ham rühre die Sklaverei, erstmals im islamischen Raum systematisch auf die Schwarzen bezogen. Wie lässt sich dieser Umstand erklären? Wie lässt sich zudem erklären, dass in Europa bis zum 16. Jahrhundert kein Hautfarbenrassismus auftauchte bzw. dass dieser direkt von den arabischen Autoren übernommen wurde? Sind die Gründe in der Besonderheit des größten Sklavensystems der Weltgeschichte zu suchen? Denn die islamische Expansion habe den schwarzafrikanischen Kontinent zum größten Sklavenlieferanten des Globus transformiert und zur Verschleppung von 17 Millionen versklavten Schwarzafrikanern in die Kernländer des Islam geführt. Veränderte diese Deportation die Diskurse? Hatte sie vielleicht spätantike Vorläufer?

Die europäische Kolonialsklaverei kommt jedenfalls erst 800 Jahre später und wird von den permanenten moslemischen Versklavungskriegen in Afrika beliefert. Ob dieser Zusammenhang plausibel ist und dementsprechend dann die Menschenrechte nicht dem liberalen Kampf um die Bürgerrechte, sondern dem Kampf gegen die Sklaverei entspringen, will Flaig in seinem Vortrag diskutieren.

Zum Referenten

Prof. Dr. Egon Flaig, Jahrgang 1949, war von 1997 bis 2008 Ordinarius für Alte Geschichte an der Universität Greifswald und hat seit dem Sommersemester 2008 den Lehrstuhl für Alte Geschichte am Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock inne.

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen: Angeschaute Geschichte. Zu Jacob Burckhardts "Griechische Kulturgeschichte", Rheinfelden 1987 / Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Frankfurt 1992 / Ödipus. Tragischer Vatermord im klassischen Athen, München 1998 / Ritualisierte Politik. Gesten, Zeichen und Herrschaft im Alten Rom, Göttingen 2003.

Flaig ist Träger des Hans-Reimer-Preises der Aby Warburg-Stiftung. 2003/04 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Weitere Vorträge am 15. Dezember und am 2. Februar

Der Vortrag beginnt am Montag, dem 3. November 2008, um 18.15 Uhr im Hörsaal III des Großen Hörsaalzentrums der Universität Augsburg (Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg). Um dieselbe Uhrzeit am selben Ort finden im Laufe des Wintersemesters zwei weitere Colloqiua Augustana statt: Am 15. Dezember referiert Prof. Dr. Dr. h c. Udo Bermbach (Hamburg). Der Titel seines Vortrags lautet "Bayreuther Festspiele! Idee und Wirklichkeit". Und am 2. Februar 2009 erörtert Privatdozent Dr. Michael Sikora aus Münster unter der Überschrift "Mausdreck mit Pfeffer" das Problem der ungleichen Heiraten im deutschen Hochadel der Frühen Neuzeit.


Die Vorträge im Colloquium Augustanum sind öffentlich. Alle kulturhistorisch Interessierten sind bei freiem Eintritt herzlich zur Teilnahme eingeladen.
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Ansprechpartner:

Dr. Stefan Paulus
Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5843
stefan.paulus@iek.uni-augsburg.de

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