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"Sport ohne Doping hat es nie gegeben"

02.02.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Sportökonom der Universität Jena veröffentlicht Buch zur Ökonomie des Dopings Jena (02.02.09) Leichtathleten tun es, Skispringer auch, Radrennfahrer sowieso und selbst Springreiter scheinen immer mehr Gefallen daran zu finden - offenbar gibt es kaum eine Sportart, in der nicht gedopt wird. Ständig werden neue Fälle von Sportlern bekannt, die mit der Einnahme von unerlaubten Substanzen versucht haben oder haben sollen, ihre sportliche Leistung zu steigern. Und: "Das Doping-Phänomen ist längst nicht auf den Spitzensport beschränkt", sagt Prof. Dr. Frank Daumann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Für den Sportökonom ist Doping ein typisches Begleitphänomen des Sports. "Sport ohne Doping hat es nie gegeben", so Daumann. "Die Frage ist nur, wie man damit umgeht."

"In der öffentlichen Debatte dominierten bislang ethische, juristische, medizinische und sportpolitische Aspekte", so Daumann. "Wirtschaftliche Gesichtspunkte wurden in dem Zusammenhang dagegen kaum diskutiert, obwohl sie wertvolle Erkenntnisse liefern." In seinem neuen Buch "Die Ökonomie des Dopings" beleuchtet Frank Daumann das Thema aus wirtschaftlicher Sicht. So erläutert er nach einleitender Klärung des Doping-Begriffs den Doping-Markt und benennt dessen Akteure, sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite.

Eine individuelle Kosten-Nutzen-Analyse ist für Daumann die Antwort auf die zentrale Frage "Warum dopen Sportler?". Demnach werden verbotene Substanzen eingenommen, wenn der dadurch erzielte Nutzen, also erhöhte Siegchancen bei steigenden Preisgeldern und Einnahmen aus Werbeverträgen, die Kosten, wie etwa Beschaffungskosten oder gesundheitliche Folgeschäden, übertrifft. Letztere sieht Prof. Daumann als sehr problematisch an. Viele Athleten unterschätzen seiner Meinung nach die Höhe der Schäden und die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens.

"Zur wirksamen Doping-Bekämpfung halte ich die in der derzeitigen Verbotspraxis verwendeten Negativlisten eher für ungünstig", so Daumann. Nach dem Motto "Alles was auf der Liste steht, ist verboten" würden die Sportler auf nicht indizierte Substanzen und Verfahren ausweichen. "Diese Praxis wiederum begünstigt die Entwicklung neuer Dopingsubstanzen, die nicht auf der Liste stehen." Für sinnvoller hält der Jenaer Sportökonom die Einführung eines sogenannten Innovationsbonus, welcher an denjenigen ausgezahlt wird, der eine Doping-Innovation, also ein neues wirksames Dopingmittel, anmeldet - unabhängig davon, ob er es selbst entdeckt hat. Dadurch würde die Negativliste schneller aktualisiert und der Anreiz zur Entwicklung neuer Substanzen gemindert werden. Daumann weiß jedoch, dass auch dieses Instrument Schwachstellen hat. "Eine optimale Lösung bei der Doping-Bekämpfung gibt es nicht."

Bei der Frage, wer als Träger der Anti-Doping-Maßnahmen fungieren soll, hält Frank Daumann ein staatliches Eingreifen nicht für notwendig. "Den Spitzensportverbänden stehen ausreichend wirksame Instrumente zur Doping-Bekämpfung zur Verfügung", so der Jenaer Professor für Sportökonomie. "Eine Übertragung der Kosten auf den Steuerzahler wäre nicht zu rechtfertigen."

Den leise anklingenden Ruf nach einer Legalisierung des Dopings für volljährige Sportler sieht Daumann eher unproblematisch - "solange die Jugendschutz-Vorgaben eingehalten werden". Die Gesundheit der Athleten würde dadurch nach seiner Auffassung eher verbessert werden.


Frank Daumann: Die Ökonomie des Dopings, Merus Verlag Hamburg 2008, 17,90 Euro, ISBN 978-3-939519-54-6

Kontakt:
Prof. Dr. Frank Daumann
Institut für Sportwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Seidelstr. 20, 07749 Jena
Tel.: 03641/945641
E-Mail: frank.daumann[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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