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Jahresvortrag der Gesellschaft zur Förderung des ZMO e.V. - "Vormoderne Globalisierung im Iran" von Prof. Dr.

03.02.2009 - (idw) Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

Prof. Bert Fragner, Direktor des Forschungsinstituts für Iranistik der Österreichen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien, hält am 06.02.09 um 18 Uhr im Zentrum Moderner Orient den Jahresvortrag der Gesellschaft zur Förderung des ZMO. Er spricht in seinem Vortrag über die Rolle der persischen Sprache im Prozess der "Islamisierung" der östlichen Islamischen Welt.

Ort: Zentrum Moderner Orient (ZMO), Kirchweg 33, 14129 Berlin
Zeit: Freitag, den 06.02.09, 18-19.30 Uhr Im Verlauf des historischen Prozesses der "Islamisierung" des "Maschreq" der östlichen Islamischen Welt hat sich ein bemerkenswertes Phänomen herausgebildet. Das Arabische tritt in frühislamischer Zeit zunächst als dominante "islamische" Sprache in Erscheinung, wird
aber spätestens vom 9. Jahrhundert an vom Persischen begleitet. Dieses Persische ist jedoch nicht die unmittelbare Fortsetzung der Sprache des Sasanidenreiches, sondern erscheint in semiotischem Sinne seinerseits als eine weitere "islamisierte" Sprache. Etwa im 13. Jahrhundert dominiert das Persische das gesellschaftliche Leben mehr als das Arabische - keineswegs nur in den iranischen Gebieten im engeren Sinne, sondern in einem Areal, das zeitweilig von Anatolien und vom Kaukasus bis tief nach Zentralasien und bis in den Osten des Indisch-pakistanischen Subkontinents reicht.
Lange Zeit ist dieser Prozess als eine Erscheinungsform frühen iranischen Nationalismus interpretiert worden. Dieser Lesart
standen aber zunehmend widersprüchliche Evidenzen entgegen - etwa die Erkenntnis, dass im größten Teil des Verbreitungsgebietes des Persischen diese Sprache als Zweitsprache, nicht jedoch als Primärsprache ("Muttersprache") verwendet wurde. Indizierte die Verwendung des Persischen tatsächlich Vorformen nationalen Bewusstseins im Kontrast zu den Arabern, wie moderne Nationalisten uns nahezulegen versuchen?
Ich werde versuchen, ein weniger widersprüchliches Gegenmodell vorzustellen, das uns auch erlaubt, der oft vertretenen Konzeption einer als homogen gedachten "Islamischen Welt" zu entrinnen. Dadurch wird nicht zuletzt auch das Phänomen des Nationalismus als ein Element der Moderne interpretiert, durch das sich auch die Funktion von Sprache in den letzten anderthalb Jahrhunderten grundlegend geändert hat.

Prof. Bert Fragner studierte Orientalistik an der Universität Wien und promovierte 1970 in Turkologie und Islamwissenschaft mit einer Arbeit über "Geschichte der Stadt Hamadan in den ersten sechs Jahrhunderten nach der Hijra". In seiner Habilitation beschäftigte er sich mit "Persischer Memoirenliteratur als Quelle zur neueren Geschichte Irans". Bis 2003 hatte er die Professur für Iranistik in Bamberg inne. Derzeit ist er Direktor des Forschungsinstituts für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien.
Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen: Wirtschafts-, Verwaltungs- und Institutionengeschichte Irans in der frühen Neuzeit, Probleme von Modernisierungsprozessen, Nationswerdung in Iran und Zentralasien, kulturelle Prozesse im Vergleich, kollektive Identitäten im Wandel.

Weitere Informationen: http://www.zmo.de/veranstaltungen/2009/EinladungJahrestreffen2009.pdf http://www.zmo.de/zmo-freunde/index.html http://www.oeaw.ac.at/oeaw_servlet/PersonenDetailsGeneric?id=11880
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