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Lebenswerk vollbracht: Lexikon zur Geschichte der romanischen Sprachen fertig gestellt

11.02.2009 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Über 300 Autoren haben an ihm mitgewirkt; nun wurde das Lexikon der Romanischen Sprachgeschichte abgeschlossen - dreizehn Jahre nach den ersten Planungen. Einer seiner Herausgeber ist der Romanist Professor Dr. Christian Schmitt. Der Wissenschaftler der Universität Bonn hat so seine Erfahrungen mit langwierigen Projekten: Er war bereits Mitherausgeber des "Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL)" - eines Mammutwerks mit fast 20jähriger Entstehungsgeschichte. Weit mehr als sein halbes Forscherleben hat Schmitt sich mit der Entwicklung und dem heutigen Stand der Romanischen Sprachen beschäftigt. Sein jüngstes Werk ist gerade noch rechtzeitig fertig geworden: Der Romanist, der insgesamt acht Sprachen spricht, ist inzwischen 64 - im nächsten Jahr wird er pensioniert. "Ich hatte zwischenzeitlich fast selbst nicht mehr geglaubt, dass es noch klappt", sagt er mit einem Augenzwinkern. Allerdings ist Schmitt nicht der alleinige Herausgeber der drei Bände. Geteilt hat er sich die schwierige Koordinierungsarbeit mit dem Regensburger Romanisten Gerhard Ernst, Martin-Dietrich Gleßgen von der Uni Zürich und Wolfgang Schweickert aus Saarbrücken.

Die zehn heutigen romanischen Sprachen wurzeln im Lateinischen. Zur Blütezeit des römischen Reiches sprach ein guter Teil der damals bekannten Welt Latein oder "protoromanisch" - auch damals schon in unterschiedlichen Varietäten. Selbst in Nordafrika wurde bis ins 7. Jahrhundert romanisch gesprochen. An der Mosel wurde das Romanische erst im 8. Jahrhundert verdrängt. Noch heute finden sich gerade in der Winzersprache viele sprachliche Zeichen lateinischen Ursprungs.

Rund 300 Autoren haben in 263 Artikeln auf insgesamt knapp 3.500 Seiten den heutigen Wissensstand zur Geschichte der Romanischen Sprachen zusammengefasst. Das Lexikon der Romanistischen Sprachgeschichte handelt Evolution und Verwandschaft ebenso ab wie ihre Beeinflussung durch den Kontakt mit anderen Sprachgruppen. So lassen sich beispielsweise im südamerikanischen Spanisch oder Portugiesisch Spuren längst untergegangener Sprachen der Ureinwohner nachweisen.

Und auch manche regionale Bräuche wurzeln letztlich in der Sprachgeschichte. "So gilt mancherorts an der Mosel bis heute das Tabu, dass ein Mann seine Braut nicht unter einem Nussbaum küssen darf", erzählt Professor Schmitt. "Dieses Verbot gründet sich wahrscheinlich in der Ähnlichkeit der lateinischen Wörter nux = Nuss, im Akkusativ nocem, und nocere = schaden."

Kontakt:
Professor Dr. Christian Schmitt
Romanisches Seminar der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7413 oder 0228/214285
E-Mail: ch.schmitt@uni-bonn.de

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