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Brandaktuelles Thema entfacht energische Diskussionen: Der Energietag der TFH Georg Agricola

12.02.2009 - (idw) Technische Fachhochschule Georg Agricola

Das Thema Energie steht im Zentrum einer ganzen Reihe existentieller Herausforderungen, die unsere wirtschaftliche und ökologische Zukunft betreffen. Auf dem Energietag der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola, der am 6. Februar 2009 im Deutschen Bergbau-Museum Bochum stattfand, beleuchteten renommierte Experten aus Wissenschaft, Verbänden, Politik und Unternehmen vielseitige "Perspektiven der Energie- und Stromwirtschaft" (so der Untertitel der Tagung). Der Energietag wurde gemeinsam von der Technischen Fachhochschule Georg Agricola und dem Gesamtverband Steinkohle veranstaltet. In seiner Eröffnungsrede beschrieb Professor Dr. Jürgen Kretschmann, Präsident der TFH Georg Agricola, die Zielrichtung des Energietags: "Diese Tagung soll dazu beitragen, Lösungen für eine wirtschaftliche, sichere und umweltverträgliche Energieversorgung zu entwickeln. Als älteste noch aktive Einrichtung des Ruhrbergbaus hat die TFH in ihrer fast zweihundertjährigen Geschichte immer schon wichtige wissenschaftliche Beiträge zum Thema Energie liefern können. Ich freue mich heute auf einen konstruktiv-kritischen Dialog und bin gespannt auf neue Erkenntnisse."

Professor Dr. Franz-Josef Wodopia, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Gesamtverband Steinkohle und Honorarprofessor der TFH, leitete als Moderator den ersten Vortragsteil der Tagung. Er führte in das Thema ein, indem er u. a. mit Blick auf den jüngsten Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine auf die Bedeutung der Sicherung unserer Energieversorgung hinwies.

Dr. Heinz Baues, Leitender Ministerialrat im Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte in seiner Darstellung der energiepolitischen Strategie der Landesregierung den hohen Stellenwert, den die heimischen Kohlekraftwerke - auch mit Blick auf den Klimaschutz - einnähmen: "Der Ersatz alter fossil befeuerter Kraftwerke durch neue hocheffiziente Technologien zur Kohleverstromung ist der wichtigste landesspezifische Beitrag, den NRW zum Klimaschutz leisten kann. Hier können wir bis zu 30 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen einsparen." Die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien, die Entwicklung elektrisch angetriebener Automobile und verstärkten Anstrengungen bei der Energieeinsparung nannte Baues als weitere tragende Elemente des integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts der Landesregierung.

Für eine Energiepolitik mit Augenmaß, die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen berücksichtige, plädierte Jürgen Eikhoff, Mitglied des Vorstands der RAG Aktiengesellschaft in seinem Vortrag über die Rolle der Steinkohle für die Energieversorgung: "Deutschland ist abhängig von dem, was weltweit am Energiemarkt passiert, und diese Abhängigkeit wird zunehmen. Deshalb müssen wir auf einen breiten Energiemix setzen, bei dem sicherlich die so genannten regenerativen Energien eine zunehmende Rolle spielen werden. Wir sollten aber aus keinem Energieträger aussteigen, solange wir nicht wissen, womit wir ihn verlässlich, bezahlbar und ökologisch vertretbar ersetzen könnten. Dabei dürfen wir weder Kernenergie noch Kohle gegen erneuerbare Energien ausspielen. Wir brauchen sie alle."

Ganz im Sinne dieses Plädoyers erkundeten die weiteren Vortragenden nahezu die gesamte Vielfalt zur Verfügung stehender Energietechnologien und ihrer wirtschafts- und umweltpolitischen Konsequenzen. Methoden zur Abscheidung und unterirdische Lagerung von CO2 aus Kraftwerken (CCS - Carbon Dioxide Capture and Strorage) standen dabei ebenso auf dem Prüfstand wie eine mögliche Renaissance der Atomenergie, aber auch Photovoltaische Solarenergie oder die Verwendung nachwachsender Rohstoffe oder Geothermie zur Wärmeerzeugung.
Nicht zuletzt die teils sehr kontrovers, dabei immer mit hohem Sachverstand geführten Diskussionen bewiesen, dass das Thema Energieversorgung die Fachwelt noch lange in Atem halten wird.

Für TFH-Vizepräsident Professor Dr. Alexander Dohmen, der Ende Februar in den Ruhestand eintritt, war es die letzte einer Reihe bedeutender Tagungen, die unter seiner Leitung an der TFH in den letzten Jahren stattfanden. Dohmen bewies mit dem Energietag einmal mehr sein Gespür für aktuelle Fragestellungen am Schnittpunkt von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Viele der Vortragenden, die Dohmens Wirken über die letzten Jahre begleitet hatten, gaben ihm die besten Wünsche für seinen künftigen Ruhestand mit auf dem Weg. "Für mich war es heute die letzte Schicht. Ich hoffe, den Förderkorb noch einmal gut gefüllt zu haben.", verabschiedete sich Dohmen standesgemäße mit einem Bild aus dem Bergbau. Sein abschließender Dank galt nicht zuletzt Professor Dr. Christoph Dauber, der die Veranstaltung mit organisiert hatte und der Dohmens Nachfolge als Vizepräsident antreten wird.


Die Vorträge des Energietags der TFH werden in den nächsten Ausgaben der "bergbau. Zeitschrift für Rohstoffgewinnung, Energie, Umwelt" veröffentlicht.

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