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Kein Eingriff in die Publikationsfreiheit

25.03.2009 - (idw) Leibniz-Gemeinschaft

Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen: Die Allianz-Initiative "Digitale Information" ist kein Eingriff in die Publikationsfreiheit In der Erklärung "Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte", die von zahlreichen Verlegern und Autoren unterzeichnet wurde, sieht sich die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen mit der inakzeptablen Unterstellung konfrontiert, die Freiheit zur Veröffentlichung in grundgesetzwidriger Weise beschneiden zu wollen. Die Allianz-Initiative "Digitale Information" - auf die sich die Initiatoren der oben genannten Erklärung beziehen - verfolgt im Gegenteil das Ziel, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der bestmöglichen Informationsinfrastruktur auszustatten, die sie für ihre Forschung brauchen. Bezogen auf die erhobenen Vorwürfe hält die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fest:

1. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fordert eine für den Leser entgeltfreie Publikation (Open Access) ausschließlich von Forschungsergebnissen, die durch den Einsatz öffentlicher Mittel und damit zum Nutzen der Forschung und Gesellschaft insgesamt erarbeitet wurden. Keinesfalls fordert die Allianz eine Open-Access-Publikation belletristischer Schriften, aus deren Verwertung Autoren ihren Lebensunterhalt beziehen. Dies zu suggerieren, ist irreführend.

2. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fordert nicht zum Rechtsbruch auf. Die Open-Access-Politik der Allianz greift weder in die Urheberrechte der Autoren ein, noch lässt sie die Verlagsinteressen unberücksichtigt. Im Gegenteil: Die Förderung der Umstellung des wissenschaftlichen Publikationswesens geht mit der Umschichtung von Mitteln einher, die neue, Open-Access-kompatible Geschäftsmodelle ermöglichen. Diese Angebote werden von Verlagen aufgegriffen. Open Access ist für viele ein funktionierendes Geschäftsmodell. Alle Richtlinien, mit welchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland oder in anderen Staaten zu Open-Access-kompatiblem Publizieren aufgefordert werden, verknüpfen das Open-Access-Publizieren mit dem geltenden Urheberrecht. Der Vorwurf einer "Enteignung der Urheber" entbehrt jeder Grundlage, denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bleiben nach wie vor alleinige Urheber ihrer Werke.

3. Die Freiheit der Wissenschaft ist ein hohes und im Grundgesetz verbrieftes Gut, das konstitutives Merkmal der Allianzorganisationen ist. Die bei uns beschäftigten oder von uns geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind frei in der Wahl ihrer primären Publikationsformen. Wir erwarten jedoch, dass die Autoren der Gesellschaft, die ihre Forschung durch Steuermittel möglich macht, einen einfachen Zugang zu ihren Publikationen eröffnen, der zudem die öffentliche Hand möglichst wenig finanziell belastet. Wo dies primär nicht durch die Veröffentlichung in einem Open-Access-Medium geschehen kann, sollen die Autoren ihre Publikationen über Open-Access-Repositorien verfügbar machen, wo immer dies rechtlich möglich ist. Der Großteil gerade der international agierenden Verlage gestattet dies schon heute.

4. Soweit öffentlich geförderte Forschung betroffen ist, bestreiten die Partner der Allianz mit ihrem finanziellen Engagement die gesamte Kette der Wissensverwertung von der Informationsbeschaffung über die erste Lektüre und die ersten Laborversuche bis hin zum Kauf der mit öffentlichen Mitteln erstellten Publikationen. Sofern Verlagsdienstleistungen in Anspruch genommen werden, um primär im Open Access zu publizieren, sind diese selbstverständlich nach wie vor zu vergüten. Genau hierfür stellen die Allianz-Organisationen einen Teil ihres Budgets bereit.

Weitere Informationen unter

http://www.dfg.de/aktuelles_presse/das_neueste/download/pm_allianz_digitale_info...
http://oa.helmholtz.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de/?nid=akroa&nidap=&print=0

Dies ist eine gemeinsame Erklärung der folgenden Wissenschaftsorganisationen

Alexander von Humboldt-Stiftung
Jean-Paul-Straße 12, 53173 Berlin

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Emil-Abderhalden-Straße 37, 06108 Halle/Saale

DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft
Kennedyallee 40, 53175 Bonn

DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst Kennedyallee 50, 53175 Bonn

FhG - Fraunhofer Gesellschaft
Hansastraße 27 C, 80686 München

Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren Anna-Louisa-Karsch-Straße 2, 10178 Berlin

HRK - Hochschulrektorenkonferenz
Ahrstraße 39, 53175 Bonn

MPG - Max-Planck-Gesellschaft
Hofgartenstraße 8, 80539 München

WGL - Leibniz-Gemeinschaft
Eduard-Pflüger-Straße 55, 53113 Bonn

Wissenschaftsrat
Brohler Straße 11, 50968 Köln

Ansprechpartner:
Helmholtz-Gemeinschaft:
Dr. Andreas Hübner
Open Access Koordinationsbüro
Tel: 0331/288-2329
open-access@helmholtz.de
http://oa.helmholtz.de

Josef Zens
Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft
Schützenstraße 6a
10117 Berlin
030 / 20 60 49-42
zens@leibniz-gemeinschaft.de

Hintergrund

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören seit 1. Januar 2009 86 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Infrastruktureinrichtungen für die Wissenschaft sowie drei assoziierte Mitglieder. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Institute beschäftigen mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie werden gemeinsam von Bund und Ländern finanziert. Ihr Gesamtetat beträgt etwa 1,1 Milliarden Euro, wovon ca. 230 Millionen Euro aus Drittmitteln stammen.


www.leibniz-gemeinschaft.de
Weitere Informationen: http://www.leibniz-gemeinschaft.de/?nid=akroa&nidap=&print=0 - Informationen und Ansprechpartner aus der Leibniz-Gemeinschaft zum Thema Open Access
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