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Schonender Herzklappenersatz für Risikopatienten - Innovatives Verfahren am Tübinger Uniklinikum

30.03.2009 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

Durch die gestiegene Lebenserwartung nimmt die Zahl der älteren Patienten zu, deren Lebensqualität durch eine hochgradige Verengung (Stenose) der Aortenherzklappe deutlich eingeschränkt ist. Kommen bei diesen Patienten noch schwere Begleiterkrankungen dazu, ist die klassische Herzklappen-Ersatz-Operation zu riskant.
Inzwischen wurden Klappen-tragende Gerüst-Prothesen entwickelt, die mit einem wesentlich kleineren Eingriff über einen Katheter implantiert werden können. Die Herzspezialisten des Universitätsklinikums Tübingen bieten die neue Methode, die bisher weltweit bei rund 500 Patienten erprobt wurde, seit kurzem auch in Tübingen für bisher nicht operable Patientinnen und Patienten an. Luftnot und Erstickungsanfälle prägen den Alltag der betroffenen, oft betagten Patienten. Häufig steht eine Notfalleinweisung ins Uniklinikum am Ende des Leidensweges. Dabei ist die Diagnose einfach zu stellen und meist schon bekannt: Beim Abhören zeigt sich ein typisches Herzgeräusch, ein deutlicher Hinweis auf die Verengung durch die versteifte und verkalkte Herzklappe. Dieser Verdacht kann dann durch eine Ultraschalluntersuchung und - falls nötig - eine begleitende Herzkatheteruntersuchung genauer abgeklärt werden. Erleichterung für die Patienten bringt aber nur der Ersatz der betroffenen Herzklappe. Die lebensrettende Operation, bei der ein röhrenförmiges Drahtgeflecht (Stent) mit der neuen Herzklappe von der Leiste über die Beinarterien direkt ins Herz geschoben wird, dauert eine gute Stunde (transfemorale Implantation). Dabei wird die alte Klappe "zur Seite gedrängt", die neue Klappe mit einem Flüssigkeits-gefüllten Ballon sanft entfaltet. Im Anschluss wird der korrekte Sitz der neuen Klappe via Ultraschall überprüft. Nach einigen Tagen zur Beobachtung - je nach Gesundheitszustand - darf der Patient nach Hause.

Mit moderner Operationstechnik konnte Patienten zwar auch bisher schon geholfen werden. Die neue Herzklappe wurde dabei entweder konventionell, d.h. durch Öffnen des Brustkorbes an der Herz-Lungen-Maschine oder minimal-invasiv, d.h. über einen kleinen chirurgischen Eingriff im Bereich der Herzspitze eingesetzt (transapikale Implantation). Durch die gestiegene Lebenserwartung hat die Zahl der Patienten jedoch deutlich zugenommen, denen eine solche Operation wegen des hohen Risikos nicht mehr empfohlen werden konnte. Begleiterkrankungen der Lunge, Niere oder Schlaganfallpatienten schlossen einen so schwerwiegenden Eingriff samt der dazugehörigen Narkose aus.

Bei dem innovativen Verfahren, das nur an großen Kliniken mit entsprechenden Spezialabteilungen angeboten werden kann, werden erstmals Techniken aus der interventionellen Kardiologie und der Herzchirurgie kombiniert, um den Eingriff so wenig belastend wie möglich zu machen. Am Tübinger Uniklinikum arbeiten dazu die Expertenteams der Kardiologie (Ärztlicher Direktor Prof. Meinrad Gawaz) und der Herzchirurgie (Ärztlicher Direktor Prof. Gerhard Ziemer) eng zusammen, um die für den jeweiligen Patienten beste Behandlungsform auszuwählen.

Informationen für Patienten und niedergelassene Ärzte
Patienten und niedergelassenen Ärzten stehen für Fragen zu diesem neuen Therapieverfahren Prof. Meinrad Gawaz und Prof. Dr. Christian Herdeg unter der Telefonnummer 07071/29 8 31 60 und 07071/29 8 44 56 gerne zur Verfügung.


Ansprechpartner für die Presse

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Kardiologie und Kreislauferkrankungen
Prof. Dr. Meinrad Gawaz, Ärztlicher Direktor
Tel. 0 70 71 / 29-8 36 88

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Ziemer, Ärztlicher Direktor
Tel. 0 70 71 / 29-8 66 38

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