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Antikem "Ghostwriter" auf der Spur

05.05.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Humboldt-Stipendiat forscht am Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena Jena (05.05.09) Die anfängliche politische Karriere mit vielen verantwortungsvollen Ämtern, die anschließende Gründung eines Klosters sowie ein Gott und den heiligen Schriften geweihtes Leben - dass sind die zwei Seiten des Cassiodors. Die Lebenswandlung des um 485 bis 580 n. Chr. lebenden spätantiken römischen Staatsmannes, Gelehrten und Schriftstellers ist es, die den Philologen Dr. Paolo Pieroni fasziniert. Der Italiener hat eines der renommierten Stipendien der Alexander von Humboldt-Stiftung erhalten und das Institut für Altertumswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena für seinen frei wählbaren Forschungsaufenthalt ausgesucht. Pieroni wird hier bis September 2010 Briefe und Erlässe Cassiodors, die er unter dem Titel "Variae" herausgab, untersuchen.

"Das Jenaer Institut hat sich auf die Spätantike spezialisiert, da passt mein Thema hervorragend", so Pieroni, der an der Università di Pisa bis 1996 Klassische Philologie studierte und 2001 an der Universität Hamburg über das enzyklopädische Lexikon des Marcus Verrius Flaccus, eines Gelehrten augusteischer Zeit, in Lateinischer Philologie promoviert wurde.

"Cassiodor war eine Art 'Ghostwriter' der Antike", weiß Pieroni. "Er verfasste für viele ostgotische Herrscher, einige von ihnen waren des Lateins nicht mächtig, Briefe und Erlässe." Pieroni, der schon mehrfach zu Forschungsaufenthalten in Deutschland weilte, beschäftigte sich an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München (2001-04) mit dem "Thesaurus Linguae Latinae", dem ersten umfassenden wissenschaftlichen Wörterbuch der antiken Latinität von den Anfängen bis 600 n. Chr. Wieder an die Universität in Pisa zurückgekehrt (2004), erregte die Briefsammlung Cassiodors das Interesse des Humboldt-Stipendiaten.

Es sind die Digressionen, also Abschweifungen vom eigentlichen Thema, die Dr. Paolo Pieroni in den spätlateinischen Dokumenten Cassiodors untersuchen möchte. "Ich will den Beweis dafür erbringen, dass die zahlreich vorzufindenden Digressionen ein funktionales Verhältnis zum jeweiligen Kontext haben", erklärt der Philologe. Den Beweisen auf der Spur, verbringt Pieroni die meiste Zeit in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) Jena, in der einige Editionen und Sekundärliteratur zu Cassiodor vorhanden sind. Die Schriften dieses Autors sind im Latein des 6. Jh.s verfasst, das Pieroni ebenso perfekt beherrscht wie die deutsche Sprache.

Dass Pieroni gerade die Universität Jena für seinen Forschungsaufenthalt wählte, ist sowohl dem "hervorragenden Ruf des Instituts für Altertumswissenschaften" geschuldet als auch Pieronis Neugier auf die neuen Bundesländer. "Bisher habe ich lediglich den westlichen Teil Deutschlands kennen gelernt und will nun mein Deutschlandbild vervollständigen", erklärt der 37-Jährige. Jena erinnert ihn an seine Heimatstadt Pisa. Nicht nur, dass in beiden Städten ein markanter Turm steht, sondern auch die ähnliche Bevölkerungsstruktur und die Rolle der Universität in der Stadt tragen dazu bei, dass sich Pieroni in Jena wie zu Hause fühlt.

Kontakt:
Dr. Paolo Pieroni
Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944836
E-Mail: paolo.pieroni[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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