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Vom Umgang mit der Vergangenheit

06.05.2009 - (idw) Fachhochschule Potsdam

Historische Bildungsarbeit und Erinnerungskultur in Brandenburg Konzepte zur Historischen Bildungsarbeit präsentierten Dr. Susanne Freund, Professorin für Archivwissenschaft am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam, und Dr. Petra Haustein, Grundsatzreferentin für Kultur und Zeitgeschichte des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, am 21. April d. J. in der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Berlin. Anlass war ein Studien- und Informationsprogramm für unabhängige Journalistinnen und Journalisten aus der Republik Belarus, die - auf Einladung der Stiftung - Stätten der Erinnerungskultur in Berlin und Brandenburg besuchten und sich über Bildungsprogramme zur Vergangenheitsbewältigung informierten.

Für die Identitätsbildung und -entwicklung einer Nation ist es wichtig, wie sie mit der eigenen Vergangenheit umgeht. Denn eine offene und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist ein wichtiger Baustein einer funktionierenden Demokratie. In Deutschland wird in diesem Jahr an mehrere historische Daten erinnert. Im Mittelpunkt steht das Gedenken an den Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren. Susanne Freund erläuterte in diesem Zusammenhang von ihr initiierte Studierendenprojekte zu zeithistorischen Themen sowie ihr generelles Lehrkonzept zur Historischen Bildungsarbeit von Archiven, die als Institutionen der Geschichtskultur einen Bildungsauftrag zu erfüllen haben. Susanne Freund ist davon überzeugt, dass junge Menschen durch die quellenkritische Arbeit anhand von authentischen Quellen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes historisches Urteil zu bilden. Damit Archive wirklich Stätten der Erinnerung werden, müssen sie sich aktiv an der Vermittlung von Geschichte beteiligen. Eine besondere Rolle spielen dabei die Medien, die über Schülerprojektarbeiten oder Zeitzeugenbefragungen informieren. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass ein breites Publikum auf archivische Bildungsprogramme aufmerksam wird. So hat zum Beispiel das Projekt "Stolpersteine" von Gunther Demnig durch die Medien eine enorme Resonanz erfahren. Beteiligt sind hieran i. d. R. Schulklassen, die mit Hilfe der Archive Biographien recherchieren, Patenschaften übernehmen und so in vielen Städten die Verlegung von Stolpersteinen in Erinnerung an die Opfer des Holocaust ermöglichen.

Das Stolperstein-Projekt ist auch ein Element des Konzepts zur Erinnerungskultur 1933 bis 1990 in Brandenburg, das von der Landesregierung jetzt vorgelegt wurde. Petra Haustein erläuterte die Intention der Landesregierung, auf diese Weise die Diskussion um klare moralische, gesellschaftlich verhandelte Leitlinien für eine demokratische Erinnerungskultur zu fördern. Kulturministerin Professor Dr. Johanna Wanka bezeichnete die "Aufarbeitung unserer Vergangenheit" jüngst als "gemeinsame Aufgabe von Gesellschaft, Kommunen und Land". Das Konzept "Geschichte vor Ort" umfasst eine erste Bestandsaufnahme. Petra Haustein illustrierte in ihrem Vortrag die inhaltlichen Schwerpunkte und zeigte thematische Bezüge zwischen Erinnerungsorten bzw. Ausstellungsvorhaben, Archiven und zeitgeschichtlichen Museen auf.
Mit dem Konzept zur Erinnerungskultur will die Landesregierung "blinde Flecken" im Zeitraum 1933 bis 1990 aufarbeiten und interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten, Archiven und Museen im Hinblick auf diese offenen Fragen anregen, sich zu engagieren und mit zu diskutieren.

Die Kurzreferate von Prof. Dr. Susanne Freund und Dr. Petra Haustein stießen auf großes Interesse der insgesamt 15 belarussischen Journalistinnen und Journalisten und führten zu einer angeregten Diskussion über die Vermittlung von Informationen und die Rolle und Funktion der Medien bei der Gestaltung der Erinnerungskultur. Fragen nach der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlich-sozialen Entwicklung in Deutschland nach der Wiedervereinigung wurden ebenso diskutiert wie die besondere Bedeutung von Denkmälern als Geschichtsträger. Zentraler Punkt waren die Gegensätze zwischen Deutschland und Belarus bei der Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte im eigenen Land.


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