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Bologna-Prozess: Deutsches Studentenwerk fordert stärkere Ausrichtung auf Studierende

06.05.2009 - (idw) Deutsches Studentenwerk

Der Bologna-Prozess muss viel stärker auf die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden ausgerichtet werden, fordert das Deutsche Studentenwerk, sonst würden Kernziele der Reform verfehlt, etwa eine höhere studentische Mobilität. Der Typus des vollfinanzierten Studierenden sei eine Fiktion. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) fordert Bund, Länder und die Hochschulen auf, den Bologna-Prozess studierendenfreundlich zu gestalten und bei der Konzeption von Bachelor- und Master-Studiengängen viel stärker die sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Studierenden zu berücksichtigen. Vor den heutigen Beratungen zum Bologna-Prozess im Deutschen Bundestag sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde: "Der Bologna-Prozess muss auf die Studierenden und ihre wirtschaftliche und soziale Lage ausgerichtet werden, nicht umgekehrt."

Meyer auf der Heyde wörtlich: "Die Bachelor-Studiengänge müssen auch für Studierende studierbar sein, die sich über einen Nebenjob finanzieren. Studierende müssen auch in den neuen Studiengängen Zeit finden für politisches, bürgerschaftliches oder kulturelles Engagement. Bachelor/Master müssen die studentische Mobilität spürbar erhöhen, innerhalb Deutschlands wie auch international."

Vieles deute derzeit darauf hin, so Meyer auf der Heyde, dass diese Anforderungen nicht erfüllt werden. "Dann brauchen wir spürbare Nachbesserungen im Bologna-Prozesses mit den Studierenden im Mittelpunkt", mahnt der DSW-Generalsekretär. Er nannte diese Problemlagen für die Studierenden:

· Arbeits- und Zeitbelastung: Viele Bachelor-Studiengänge sind zeitlich so verdichtet und stellen so hohe Arbeits- und zeitliche Anforderungen, dass nur vollfinanzierte Studierende sie erfüllen können. Nur: Der Typus des vollfinanzierten Studenten ist eine Fiktion. Für 40% der Studierenden ist die Studienfinanzierung unsicher. 7% der Studierenden haben ein Kind. 8% der Studierenden sind durch eine gesundheitliche Schädigung beeinträchtigt. Ein Viertel der Studierenden ist faktisch im Teilzeitstudium. Auf diese Gruppen von Studierenden ist der Bologna-Prozess so gut wie gar nicht eingestellt.

· Konflikt Studium/Nebenjob: 63% der Studierenden jobben neben dem Studium, ein Drittel der Studierenden könnte ohne den Nebenjob das Studium nicht finanzieren. Fast jeder vierte Student hatte 2006, als erst 11% der Studierenden in Bachelor-Studiengängen eingeschrieben waren, bereits einen wöchentlichen Zeitaufwand für Studium und Nebenjob von mehr als 50 Stunden. Im Bologna-Prozess droht vielen Studierenden ein scharfer Zeitkonflikt zwischen Studium und Jobben.

· Mehr Beratung: Gerade Bachelor-Studierende benötigen nach Einschätzung des Deutschen Studentenwerks erheblich mehr studienbegleitende Beratung, vor allem zum Zeit-, Selbst- und Stressmanagement sowie zum Umgang mit den zahlreichen Prüfungen, aber auch zur Studienfinanzierung. Die 58 Studentenwerke bauen ihre Beratungsangebote nach Kräften aus, werden aber von Bund und Ländern dabei in keiner Weise unterstützt. Im Gegenteil: Seit den 1990er Jahren kürzen die Länder ihre Zuschüsse an die Studentenwerke und ziehen sich immer stärker aus ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Studierenden zurück.

· Mehr Mobilität? Obwohl die bisher vorliegenden empirischen Befunde widersprüchlich sind, kann zumindest von einem spürbaren Anstieg der studentischen Mobilität dank Bachelor/Master nicht gesprochen werden - weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene. Wenn die finanziellen und studienorganisatorischen Hürden tatsächlich wegen Bachelor/Master noch höher werden, würde ein Kernziel des Bologna-Prozesses verfehlt.


"Ein schnelleres, erfolgreicheres, praxisnäheres, mobileres Studium: Der Bologna-Prozess ist ein großes Versprechen an die Studierenden - in Deutschland, aber auch in den anderen 45 Bologna-Staaten. Die Hochschulpolitik und die Hochschulen müssen alles daran setzen, dieses Versprechen auch wirklich einzulösen", resümierte Meyer auf der Heyde.

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