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Mehr ältere Menschen, weniger Fachkräfte: Telemedizin wird für die Patientenversorgung immer wichtiger

10.06.2009 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Uniklinikum eröffnet Integrierten Funktionsbereich Telemedizin

Am Uniklinikum Greifswald wurde heute am Institut für Community Medicine der neue Integrierte Funktionsbereich Telemedizin (IFT) eröffnet. Das bislang im Nordosten einzigartige Kompetenzzentrum soll gezielt dazu beitragen, telemedizinische Lösungen in der alltäglichen Krankenversorgung zu etablieren. Das Projekt wird vom Ministerium für Soziales und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern mit 462.000 Euro unterstützt. Geleitet wird das Zentrum von Prof. Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine.

"Mit dem Telemedizincenter wollen wir eine Brücke von der Forschung und Praxiserprobung in die Flächenversorgung schlagen", betonte der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Greifswald, Gunter Gotal. "Ein Team aus erfahrenen Wissenschaftlern, Technikern und Pflegekräften steht für Klinikärzte, Haus- und Fachmediziner bereit, die die neuen technischen Möglichkeiten in der Patientenbetreuung einsetzen möchten."

Künftig werde die Telemedizin aus der Patientenbetreuung nicht mehr wegzudenken sein. "Als telemedizinische Modellregion sind wir bestrebt, weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung innovativer Technologien einzunehmen. Dabei geht es auch darum, Hemmschwellen abzubauen und die notwendige Umstellung auf neue Versorgungsformen möglichst frühzeitig einzuleiten", unterstrich der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Prof. Marek Zygmunt.

Das IFT startet mit zwei konkreten Projekten (s. Hintergrund). Während sich das eine Vorhaben mit der Überwachung von Patienten mit chronischer Herzschwäche befasst, stellt das zweite die Betreuung von schwer erkrankten Menschen in den Mittelpunkt. Das dafür erforderlich Know-how und die technische Ausstattung können über das neue Zentrum bezogen werden. Die Mitarbeiter des IFT beraten die kooperierenden Ärzte und unterstützen die Patienten und Angehörigen bei der richtigen Anwendung der Geräte. Das IFT-Team stellt jedoch nicht nur die telemedizinischen Systeme bereit, sondern übernimmt auch die Einstellung, Wartung und Pflege. Alle telemedizinisch erhobenen Daten werden anschließend zentral aufbereitet und weitergeleitet. "Die Anwendung und Analyse telemedizinischer Systeme bei unterschiedlichen Patientengruppen sind die Kernaufgaben des IFT", erklärte Prof. Wolfgang Hoffmann. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass immer mehr ältere Menschen von immer weniger Fachkräften versorgt werden. Ein Schlüssel zu einer flexiblen Gesundheitsversorgung in hoher Qualität liegt in der Telemedizin." Die Zahl der Projekte und Studien soll kontinuierlich ausgebaut werden.

Hintergrund

Teilprojekte im Integrierten Funktionsbereich Telemedizin (IFT)

1. Telemedizinische Überwachung von Herzinsuffizienzpatienten

Das Projekt "Telemedizinische Überwachung von Herzinsuffizienzpatienten" wird in Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B des Universitätsklinikums Greifswald durchgeführt. Ziel ist der Vergleich einer telemedizinisch betreuten Patientengruppe mit Hauptdiagnose Herzinsuffizienz (Herzschwäche) mit einer Vergleichsgruppe von Patienten ohne telemedizinische Überwachung. Wichtige Parameter bei der Analyse sind z. B. die Entwicklung von Symptomen und Beeinträchtigungen, der Medikamentenverbrauch, die Entwicklung der Lebensqualität und die Anzahl der Krankenhausaufnahmen sowie Verweildauer.

Bei den Patienten mit zusätzlicher telemedizinischer Überwachung wird ein telemedizinisches System eingesetzt, das eine digitale Waage, ein Blutdruckmessgerät und eine individuell einstellbare Erinnerungsfunktion für die Arzneimittel (Medikamententimer) umfasst. Mit diesem System werden täglich Gewicht und Blutdruckwerte erhoben. Zusätzlich wird der Patient automatisch an die Medikamenteneinnahme erinnert. Es wurde für dieses Projekt in Abstimmung mit Kardiologen des Universitätsklinikums und internationalen Leitlinien für Herzinsuffizienz ein abgestuftes Interventions- und Alarmschema entwickelt, das in Absprache mit dem behandelnden Hausarzt für die jeweiligen Patienten individuell angepasst werden kann.

2. Entwicklung der Gesundheitssituation und Lebensqualität von Schmerzpatienten
bei einer zusätzlichen Betreuung durch speziell qualifizierte Pflegekräfte

Das Projekt "Entwicklung der Gesundheitssituation und Lebensqualität von Schmerzpatienten bei einer zusätzlichen Betreuung durch speziell qualifizierte Pflegekräfte" wird in Kooperation mit der Schmerzambulanz der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Greifswald durchgeführt. Projektziel ist der Vergleich zwischen Schmerzpatienten, die eine zusätzliche Betreuung mit telefonischen Kontakten und Hausbesuchen bekommen und einer Vergleichsgruppe von Schmerzpatienten mit einer üblichen Betreuung. Wichtige Parameter bei der Analyse sind z. B. die Entwicklung von Schmerz, Symptomen und Beeinträchtigungen, der Medikamentenverbrauch, die Entwicklung der Lebensqualität und die Anzahl der Krankenhausaufnahmen sowie Verweildauer.

Bei diesem Projekt besteht der telemedizinische Ansatz aus regelmäßigen telefonischen Kontakten durch speziell ausgebildete Pflegekräfte. Falls notwendig, werden auch Hausbesuche durchgeführt. Die Betreuung wird zusammen mit dem Schmerztherapeut im Klinikum und dem behandelnden Hausarzt individuell abgestimmt. Bei den Telefonaten und Hausbesuchen werden Parameter wie z. B. Schmerzen,Medikamenten-Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen ermittelt. Diese engmaschige Betreuung ermöglicht eine passgenaue Medikationseinstellung und eine bedarfsgerechte Ermittlung von weiteren Heil- und Hilfsmitteln. Die Verantwortung für die Behandlung bleibt zu jedem Zeitpunkt bei dem behandelnden Arzt.

Universitätsklinikum Greifswald

Institut für Community Medicine/Integrierter Funktionsbereich Telemedizin (IFT)
Walther-Rathenau-Straße 46, 17475 Greifswald
Leiter: Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann, MPH
T +49 3834 86-77 50
E wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de

Stellv. Leiterin: Dr. rer. med. Neeltje van den Berg
T +49 3834 86-77 71/8
E neeltje.vandenberg@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/icm
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

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