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Jahrestagung des GWZO - Mittel- und Osteuropa-Experten ziehen Bilanz

30.06.2009 - (idw) Universität Leipzig

Geisteswissenschaftler aus dem In- und Ausland tauschen vom 8. bis 10. Juli in Leipzig ihre Erfahrung zur Entwicklung der Länder Ost- und Mitteleuropas aus. Unter dem Motto: "In, mit und über Ostmitteleuropa 1989 bis 2009" treffen sie sich zur Jahrestagung des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig. Zu dieser bundesweit einzigen Konferenz, die sich mit diesem Thema befasst, werden mehr als hundert Wissenschaftler erwartet. Wie der stellvertretende Direktor des GWZO, Prof. Dr. Stefan Troebst, sagt, wollen die Kongressteilnehmer 20 Jahre nach der Wende eine Bilanz der verschiedenen Forschungsprojekte des Zentrums in der 2007 abgeschlossenen Förderperiode der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ziehen. Diese hat die wissenschaftliche Arbeit der Ost- und Mitteleuropaexperten aus Leipzig 12 Jahre lang finanziell unterstützt.

Den traditionellen Abendvortrag zum Auftakt der Jahrestagung am 8. Juli wird der Berliner Politik- und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Claus Offe halten. In der Aula der Alten Nikolaischule blickt er zurück auf die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse in den Ländern Mittel- und Osteuropas seit der Wende. "Er hat 1993 das Buch 'Der Tunnel am Ende des Lichts' geschrieben und darin eine düstere Prognose zur Transformation des östlichen Europas abgegeben", sagt Prof. Troebst. In dem Vortrag und der anschließenden Diskussion werde Prof. Offe selbstkritisch der Frage nachgehen, wie es zu seiner damaligen Fehleinschätzung kam.

An den beiden folgenden Kongresstagen am 9. und 10. Juli werden in den Räumen des GWZO in der Luppenstraße 1b insgesamt sieben Projektleiter eine Zwischenbilanz ihrer jeweiligen Forschungsprojekte ziehen. Danach folgt eine kritische Betrachtung ihrer Statements durch zwei externe und unabhängige Kommentatoren. "Ein Projekt hat sich beispielsweise intensiv mit der Exilforschung beschäftigt", erklärt Prof. Troebst. Untersucht wurde die Wirkung, die nach 1945 emigrierte Intellektuelle aus Ost- und Mitteleuropa in ihrem Exilland hatten und deren Wirkung auf ihr Heimatland. Der Schriftsteller Milan Kundera, der 1968 die Tschechoslowakei verließ und nach Frankreich ging, gehöre zu den prominentesten Intellektuellen, deren Leben von den Forschern des GWZO analysiert wurde.

"Zu der Bilanz gehören auch die weißen Flecken - Themen, die noch nicht erforscht wurden", berichtet Prof. Troebst. Eines dieser Themen sei die Rolle des Slawentums in der heutigen Zeit in den ost- und mitteleuropäischen Ländern. Damit werde sich ein Projekt des GWZO im Jahr 2011 befassen. "Ein anderer weißer Fleck ist die Rolle der Armenier in Mittel- und Osteuropa", sagt der Fachmann, der bei der Jahrestagung gemeinsam mit seinen Kollegen auch aktuelle und künftige Projekte vorstellen will. Prof. Troebst beispielsweise befasst sich derzeit mit den Erinnerungskulturen Mittel- und Osteuropas. Er und seine Kollegen erforschen, wie die Länder ihre eigene Vergangenheit reflektieren.

Das Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig wurde 1995 gegründet. Seit 2008 wird es vom Bundesforschungsministerium gefördert, das bis 2019 einen Großteil des Etats für die Forschung des Geisteswissenschaftlichen Zentrums aufbringt. In dem Zentrum sind nach Angaben Prof. Troebsts etwa 45 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt. Etwa 20 Prozent von ihnen kommen aus einem mittel- oder osteuropäischen Land.


Weitere Informationen:

Prof. Dr. phil. Stefan Troebst
Tel.: 0341/9735584
troebst@rz.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/gwzo/b_troeb.htm

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