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"Roads Not Taken" - Literatur als ungelebtes Leben

24.07.2009 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Literaturwissenschaftliches Symposium der Universität Tübingen in Freudenstadt Vom 2. bis 6. August 2009 findet im Gästehaus der Universität Tübingen, dem Waldhotel Zollernblick in Freudenstadt, ein internationales literaturwissenschaftliches Symposium unter dem Titel "Roads Not Taken" statt. 25 Literaturwissenschaftler aus 10 verschiedenen Ländern werden dort sich auf Einladung der Fachzeitschrift "Connotations: A Journal for Critical Debate" austauschen.

Was wir in einem Roman oder einem Gedicht lesen, auf der Bühne oder im Film hören und sehen, ist normalerweise fiktive Wirklichkeit. Bei diesem Symposium geht es aber um die Frage: Wie kann die Literatur etwas darstellen, das keine Wirklichkeit geworden ist? Also z. B. den Lebensweg, den man nicht eingeschlagen, die Karriere, auf die man verzichtet, die Beziehung, auf die man sich nicht eingelassen, das Unheil, das man womöglich unverdientermaßen vermieden hat. Im Mittelpunkt der Tagung steht das Motiv des ungelebten Lebens, das im tatsächlich gelebten Leben präsent bleibt - als utopischer Gegenentwurf, als nostalgische oder abschreckende Vision oder als Gedankenexperiment.

Die Teilnehmer interessiert zum Beispiel, was es für einen literarischen Charakter bedeutet, wenn er der nicht verwirklichten Lebensalternative nachsinnt oder nachtrauert. Kann es, im positiven Sinne, dazu führen, dass er das gelebte Leben aus kritischer Distanz betrachtet und zur Selbsterkenntnis findet? Oder wird die Fixierung auf die unverwirklichte Alternative zu einer Lebenslüge, einer lähmenden Illusion, die Selbsterkenntnis verhindert? Eine weitere Frage, die sich bei der Analyse des ungelebten Lebens stellt, betrifft die Form der Darstellung. Wie gibt man etwas wieder, das eigentlich nicht existiert, das nicht mehr als eine Möglichkeit oder Hypothese ist? Und schließlich geht es um die literaturtheoretischen und philosophischen Perspektiven des Themas. Ein Beispiel: Wenn Literatur nicht das wiedergibt, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen könnte, dann kann die Reflexion einer Lebensalternative ein Gleichnis für die Dichtung schlechthin sein.

Weitere Informationen Programm: http://www.uni-tuebingen.de/connotations/symposium09ca.htm

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Bauer
Englisches Seminar, Wilhelmstr. 50, 72074 Tübingen
07071 29-78469 oder 07071 29-78459 (Sekretariat)
http://m.bauer[at]uni-tuebingen.de

EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit · Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 · 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 · 29 · 7 67 89 · Fax: 0 70 71 · 29 · 5566
E-Mail: http://presse1[at]verwaltung.uni-tuebingen.de
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