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Wenn Staatsdiener mehr als nur dem Staate dienen

02.09.2009 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Historiker der Universität Jena belegen die Bedeutung der deutschen Zollbeamten im 19. Jahrhundert Jena (02.09.09) Erst Fürstendiener, später Staatsdiener - bis heute ist die wichtigste Pflicht eines jeden Beamten, hoheitliche Aufgaben unparteiisch im Sinne seines Dienstherrn zu erledigen. Nicht immer so genau nahmen das wohl die Beamten des Deutschen Zollvereins, der im Jahr 1834 zwischen verschiedenen souveränen deutschen Einzelstaaten begründet wurde. Zur Wahrung überstaatlicher Vereinsinteressen wurden die politischen Vorgaben der einzelnen Regierungen gelegentlich zurückgestellt. "Unter den Beamten der verschiedenen Mitgliedstaaten, die an den Zollverein abgeordnet waren, hat sich eine regelrechte überstaatliche Elite herausgebildet", sagt Dr. Marko Kreutzmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Dadurch wurden integrative Prozesse begünstigt, die auch über politische Krisen hinweg das Bestehen des Zollvereins ermöglicht haben", nennt der Historiker eine wichtige Erkenntnis der Jenaer Forschungsarbeit. Diese wurde in den letzten zwei Jahren durch die Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert. Erste Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der renommierten "Historischen Zeitschrift" veröffentlicht. "Wir freuen uns sehr, dass die Stiftung den Antrag jetzt für ein weiteres Jahr bewilligt hat", sagt Projektleiter Prof. Dr. Hans-Werner Hahn vom Lehrstuhl für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Universität Jena.

Die Historiker wollen damit ihre bisherigen Untersuchungen fortführen und weiteres Archivmaterial analysieren. "Über die höheren Zollbeamten Preußens, Bayerns sowie der hessischen und thüringischen Kleinstaaten haben wir uns bereits einen soliden Überblick verschafft", so Kreutzmann. "Jetzt sollen weitere Staaten wie Sachsen, Baden und Württemberg folgen." Daneben wollen sie auch die mittleren Beamten des Zollvereins genauer unter die Lupe nehmen. "Wir gehen davon aus, dass gerade auf der Arbeitsebene, also unter den Beamten in den Grenzämtern vor Ort, ein reger Informationsaustausch stattgefunden hat", so Kreutzmann. Durch die gemeinsame Arbeit seien viele Verwaltungsabläufe schon auf niedriger Ebene harmonisiert worden, so dass auch diese Beamten einen Einfluss auf die überstaatliche Integration hatten.

Die Bedeutung der Zollvereinsbeamten darf nach Ansicht der Historiker der Universität Jena nicht unterschätzt werden. "Tatsächlich wurden die Beamten mit jedem beigetretenen Staat immer wichtiger", so Kreutzmann. "Oft überblickten nur sie dieses Vereinsgebilde, das sich durch die Fülle der einzelstaatlichen Verträge höchst komplex darstellte." Die Regierungen der einzelnen Länder verließen sich in der Regel auf die Gutachten ihrer Beamten. Diese handelten jedoch zunehmend im Interesse des Zollvereins, statt ausschließlich im Sinne der eigenen Regierungspolitik.

Welche Kommunikation unter den Zollbeamten zu einer derartigen überstaatlichen Identität führte und wie besonders die Klein- und Mittelstaaten das Zusammenwachsen der Mitgliedstaaten beeinflussten, will Marko Kreutzmann in den nächsten Monaten herausfinden. Die Ergebnisse des Projekts sollen schließlich auf einer Tagung in Jena Anfang 2010 in einem größeren Kreis von ausgewiesenen Fachwissenschaftlern diskutiert werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Hans-Werner Hahn / Dr. Marko Kreutzmann
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944430
E-Mail: marko_kreutzmann[at]hotmail.com
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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