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Neue Erkenntnisse zum Leben von Sandro Botticelli: RUB-Kunsthistoriker veröffentlicht Biographie

04.09.2009 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Prominente Künstlerpersönlichkeit statt sonderlicher Einzelgänger

Sandro Botticelli (1445 - 1510) zählt zu den wichtigsten Künstlern der italienischen Frührenaissance. Biographische Informationen des Florentinischen Malers entstammen bisher hauptsächlich einer Veröffentlichung von Giorgio Vasari aus dem Jahr 1568, der Botticelli als einen sonderlichen Einzelgänger mit geringem künstlerischen Einfluss beschrieb. Mit der ersten echten Biographie über Botticelli widerlegt der Bochumer Kunsthistoriker Prof. Dr. Ulrich Rehm dieses Bild und zeigt, dass der Maler im Florenz der Frührenaissance in Kunstkreisen, aber auch in Gesellschaft und Politik hohes Ansehen genoss. Neuer Schwerpunkt bei der Auswahl der Quellen

Für seine biographische Darstellung unterzog der Bochumer Kunsthistoriker die zeitgenössischen Quellen einer kritischen Prüfung. Anders als in bisherigen Werken über die Kunst Botticellis lag das Hauptaugenmerk dabei nicht auf Giorgio Vasaris Vita. "Diese Textquelle, die als Teil der umfangreichen Sammlung von Künstler-Viten zunächst 1550 und in einer zweiten, erheblich überarbeiteten 1568 erschien, hat sich im Laufe der Arbeit am vorliegenden Buch als hochgradig manipulativ erwiesen", erklärt Ulrich Rehm. Stattdessen stehen in der Biographie - neben einer Auswahl der künstlerischen Werke Botticellis - Aufzeichnungen des Florentinischen Kaufleute Antonio Billi und Luca Landucci, Notizen eines anonymen Kunsthistoriographen und nicht zuletzt überlieferte Aussagen von Botticellis Bruder Simone im Vordergrund. Auf Basis dieser und weiterer Quellen zeigt Ulrich Rehm Botticelli als eine prominente Persönlichkeit angesehenen Ranges in der Florentinischen Gesellschaft.

Erste echte Botticelli-Biographie

"Bücher über die Kunst Sandro Botticellis gibt es viele, eine regelrechte Biographie des Malers hingegen ist bis heute nicht verfasst worden", erklärt Prof. Rehm im Nachwort seines Buches. "Dies ist umso erstaunlicher, als das Werk kaum eines zweiten Malers der italienischen Frührenaissance so eng mit prominenten Auftraggebern sowie den politischen und religiösen Entwicklungen seiner Zeit in Verbindung gebracht wird." Mit seinen Gemälden spiegelte Botticelli die Ansprüche, Ideale und Wünsche der wirtschaftlichen und kulturellen Elite seiner Zeit wider. Besonders der Familie Medici, durch ein Bank- und Handelsimperium einst die reichste Familie der Welt, hat sich Botticelli in seinen Arbeiten angenommen. In den vierzig Jahren als Leiter einer der bedeutendsten Werkstätten Italiens hat Sandro Botticelli die Malerei in weiten Bereichen entscheidend weiterentwickelt. Er war Mitbegründer der großformatigen Allegorie, revolutionierte das Portrait, entwickelte neue Konzepte für das Altar- und Andachtsbild und schuf eine eigene Dramatik der Bilderzählung.

Kaum Abbilder des Künstlers vorhanden

Sandro Botticelli gestaltete in seiner Schaffensperiode viele Portraits zeitgenössischer Persönlichkeiten, vom Künstler selbst gibt es dagegen kaum Abbilder. Eine interessante Randnotiz für den Bochumer Kunsthistoriker, der sich im Rahmen seiner Forschung an der Ruhr-Universität Bochum mit der bildlichen Darstellung von Künstlern im Mittelalter beschäftigt. Zudem untersucht Ulrich Rehm den Anteil der Bilder an der mittelalterlichen Memorialkultur, die bildliche Rezeption antiker Formen und Themen, insbesondere aus der klassischen Mythologie, sowie Transformierungsprozesse bei der mittelalterlichen Rezeption von Bilderzyklen.


Titelaufnahme

Ulrich Rehm: Botticelli. Der Maler und die Medici. Eine Biographie. Stuttgart. 2009. ISBN 978-3-15-010716-4

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ulrich Rehm, Kunstgeschichtliches Institut, Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB, GA 03/150, 44780 Bochum, Tel. 0234-32-27930, E-Mail: ulrich.rehm@rub.de

Redaktion: Eike Strunk

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