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System für die gerechtere Verteilung von Mitteln in der Rehabilitation entwickelt

04.09.2009 - (idw) ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Schweizer Rehabilitationskliniken erhalten von den Versicherungen eine Tagespauschale. Dies führt jedoch zu Ungerechtigkeiten, da die Pauschalen ungeachtet der erbrachten Leistungen vergeben werden. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat deshalb ein neuartiges Patientenklassifikationssystem entwickelt. Es könnte die Grundlage sein für einen Paradigmenwechsel - hin zu leistungsabhängigen Tagespauschalen und somit zu einer sinnvolleren Verteilung der Mittel. Für seine Leistung erhielt das Team am Donnerstag, 3. September 2009 den ZHAW-Anerkennungspreis. Die Behandlungskosten, die den Rehabilitationskliniken entstehen, werden gegenwärtig von Unfall- und Krankenversicherungen in der Schweiz mit einer einheitlichen Tagespauschale beglichen. Für die Höhe der Pauschale ist der Behandlungsaufwand, der einem bestimmten Patienten zukommt, nicht aus-schlaggebend. Dieses System birgt die Gefahr, dass Patienten, die viel zeitliche und finanzielle Zuwendung benötigen, von den Kliniken nicht aufgenommen werden. Das an der ZHAW neu entwickelte Patientenklassifikationssystem (PCS) könnte diese Gefahr beseitigen. Und die Zeit drängt: Im Jahr 2012 werden in den Akutspitälern Fallpauschalen eingeführt. Damit wird sich die Situation nochmals zuspitzen, da zu befürchten ist, dass mehr Schwerkranke früher in die Rehabilitation überwiesen werden.

Praktikabel und kostenneutral

Die Forschenden der ZHAW haben Daten von insgesamt 1671 Patienten aus sieben Rehabilitationskliniken in ihre Untersuchung miteinbezogen. In der Auswertung gelang es ihnen, voneinander abgrenzbare Patientengruppen zu identifizieren. Diese unterschieden sich vor allem bezüglich des Grads der Selbständigkeit der Patienten sowie der Anzahl verschiedener Erkrankungen.

Auf Basis dieser Patientengruppen entwickelte das Team das neue PCS. Die Forscher schufen in der Folge eigenständige Patientenklassifikationssysteme in drei Anwendungsbereichen: eines für die Rehabilitation neurologischer Krankheitsbilder (etwa bei Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall), eines für die Rehabilitation von Krankheiten des Bewegungsapparates (etwa nach einer Rückenoperation oder der Implantation eines künstlichen Kniegelenks) und eines für die Frührehabilitation von Patienten mit beispielsweise schweren Hirnschädigungen.

Das PCS ist im Klinikalltag problemlos einsetzbar und bildet die Grundlage, um ein gerechteres Tarifsystem zu schaffen: "Es wird bezahlt, was geleistet wird", erklärt Dr. Simon Wieser von der ZHAW School of Management and Law. "Dies ist im Sinne der Versicherer, der Kliniken und der Patienten." Wie vom Bund gefordert, könnte so bereits ab 2010 ein nach Schweregrad und Aufwand abgestufter Tarif eingeführt werden.

Interdisziplinäres Kompetenzzentrum ZHAW

Die Studie wurde von der Zentralstelle für Medizinaltarife (ZMT) und dem Verband der Spitäler der Schweiz (H+) in Auftrag gegeben. Das Team rund um Dr. Jan Kool, Leiter F&E (Institut für Physiotherapie, ZHAW Gesundheit) und Prof. Dr. Urs Brügger (Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, ZHAW School of Management and Law) konnte mit dem Institut für Datenanalyse und Prozessdesign der ZHAW School of Engineering einen kompetenten Partner im eigenen Haus gewinnen. Dank dieser Zusammenarbeit konnte Fachwissen aus therapeutischen und pflegerischen Bereichen, der Gesundheitsökonomie sowie Methoden der statistischen Datenanalyse in das Projekt einfliessen.

Die ZHAW möchte sich als Kompetenzstelle im Bereich der Untersuchungen zu aufwandgerechten Leistungsentschädigungen etablieren. Mögliche Folgeprojekte für andere Bereiche der Rehabilitation werden bereits diskutiert: "Wenn sich die Rehabilitationskliniken gesamthaft für das Winterthurer System entscheiden, sehen wir weitere Arbeitsfelder", erklärt Dr. Jan Kool vom Departement Gesundheit der ZHAW. "Dazu gehören etwa die Rehabilitation von Patienten mit Herzkreislauf- oder Lungenkrankheiten."

Die Vergabe des ZHAW Anerkennungspreises in der Höhe von CHF 5000.- für hervorragende Leistungen in interdisziplinärer Forschung und Lehre fand im Rahmen des Hochschultags der ZHAW statt.

Kontakt:

ZHAW Departement Gesundheit, Dr. Jan Kool, Leiter Forschung und Entwicklung des Instituts für Physiotherapie, Telefon 058 934 63 21, jan.kool@zhaw.ch


ZHAW School of Management and Law, Prof. Dr. Urs Brügger, Leiter Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, Telefon 058 934 77 39, urs.bruegger@zhaw.ch
Weitere Informationen: http://www.gesundheit.zhaw.ch/fileadmin/user_upload/gesundheit/forschung/institu... - Schlussbericht des Projekts http://www.gesundheit.zhaw.ch - allgemeine Informationen zum ZHAW Departement Gesundheit
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