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Lungenklinik Amsee stockt Weaning-Kapazitäten auf und durchläuft bundesweit erstes Zertifizierungsverfahren

14.09.2009 - (idw) BioCon Valley Initiative

Beatmungszentrum erfolgreich etabliert und stark ausgelastet

Im Sommer 2005 wurde in der Lungenklinik Amsee die erste stationäre Weaning-Station in einem Akutkrankenhaus des Landes in Betrieb genommen. In sieben Einzelzimmern werden seitdem Patienten, die nicht mehr selbständig atmen können, schrittweise von der künstlichen Beatmung entwöhnt. "Aufgrund des nach wie vor steigenden Bedarfes wurde jetzt ein achter hoch spezialisierter Weaning-Platz eingerichtet", informierte Geschäftsführerin Dorothea Konrad. "Die Klinik hat dafür rund 65.000 investiert."

Die Lungenklinik hat sich mit ihrem Beatmungszentrum erfolgreich in einem stark nachgefragten Bereich der Spitzenmedizin etabliert und ist bundesweit gefragt. Die Patienten kommen teilweise aus ganz Deutschland, wobei das Haupteinzugsgebiet im Nordosten sowie in Brandenburg und Berlin liegt. Der weiteste Patient kam aus Aachen.

Als Weaning (englisch to wean = "abstillen") bezeichnet man die Phase der Entwöhnung eines Patienten vom Beatmungsgerät, also einer maschinellen Atemunterstützung. Nach invasiver Langzeitbeatmung mittels Luftröhrenschnitt bei schweren Erkrankungen oder Verletzungen stellt sich die Entwöhnungsphase des Patienten oft als äußerst schwierig dar. Teilweise benötigt es sehr lange Zeit, im Einzelfall bis zu mehreren Wochen und Monaten, bis die Atemarbeit im Idealfall wieder selbst übernommen werden kann. Die Hightech-Technologie ermöglicht inzwischen sogar eine unterschiedliche Beatmungsfrequenz in den beiden Lungenflügeln.

"Die durchschnittliche Liegezeit in Amsee beträgt 30 Tage", erläuterte Oberarzt Matthias Lutze, der die 17-köpfige Spezialstation komplett aufgebaut hat und leitet. Allerdings sei die Warener Einrichtung oftmals die letzte Station nach mehreren Krankenhausaufenthalten. Mit einer Auslastung von 98 Prozent bei etwa 120 bis 140 Patienten jährlich und einer Entwöhnungsquote von 50 Prozent stehe die Klinik ausgezeichnet da. "Jeder zweite Patient verlässt unsere Weaning-Abteilung unabhängig von Beamtungsgeräten", so der Facharzt für Intensivmedizin und Anästhesiologie. Lutze verwies auf die enorme psychische und emotionale Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen, wenn jemand plötzlich nur noch mit künstlicher Beatmung weiterleben kann und auf unbestimmte Zeit ans Bett gefesselt ist. "Das ist ein äußerst ernster Ausnahmezustand, der nicht selten mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen verbunden ist." Der ganzheitliche Ansatz in Amsee umfasse deshalb nicht nur die Beatmung, sondern die Einbeziehung aller gesundheitlichen Probleme und auch die psychologische und physiotherapeutische Betreuung, die Ernährungsberatung und aktive Lebenshilfe für Patienten und ihre Familien. Darüber hinaus spiele die persönliche Atmosphäre auf der Weaning-Station eine große Rolle. "Soweit möglich, holen wir ein Stück Normalität in den langwierigen Heilungsprozess und Krankenhausalltag."

Die Klinik Amsee beteiligt sich seit letztem Jahr an dem im Juni 2008 gestarteten ersten Zertifizierungsverfahren zur Qualitätssicherung auf Weaning-Stationen bundesweit. Dazu werden die Patientendaten anonymisiert in eine Onlinedatenbank des Institutes für Lungenforschung* eingegeben. "Die professionelle Beatmungsentwöhnung wird erst seit wenigen Jahren in deutschen Kliniken betrieben", unterstrich Lutze. "Das jetzt entstehende neue Weaning-Register und die immer bessere Technik werden die noch recht junge Fachspezialisierung weiter voranbringen und stärken."

Der Weaning-Experte machte deutlich, dass längst nicht alle Patienten eine moderne Entwöhnungsbehandlung erhalten. "Oftmals werden Intensivpatienten aus Kapazitätsgründen viel zu schnell mit Heimbeatmungsgeräten nach Hause entlassen. Etwa die Hälfte dieser Patienten könnten aber von ihrem Sauerstoffgerät befreit werden, was auf Dauer enorme Kosten sparen und für die Menschen einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität bringen würde. Nur auf Weaning-Stationen können Patienten mit komplexen Atmungsproblemen fachgerecht und entsprechend ihrer körperlichen Verfassung individuell betreut werden."

Nach Ansicht des 43-Jährigen wird der Bedarf an Weaning-Plätzen aufgrund der demografischen Entwicklung weiter anwachsen. Einerseits nehmen schwere chronische Lungenerkrankungen rapide zu, andererseits leiden hoch betagte Patienten häufig unter mehreren Krankheiten. Hauptrisikopatienten sind Übergewichtige, starke Raucher, chronisch Kranke, aber auch Menschen mit neurologischen Erkrankungen, schweren Infektionen und Allergien. Unfälle, Infarkte und Schlaganfälle können ebenso zur Lungenstörung führen. "Für schwerstkranke Patienten verbessert sich mit der Weaning-Therapie deutlich die Chance, wieder ein von Beatmungsapparaten unabhängiges und eigenständiges Leben führen zu können."


*Projekt Weaning des Institutes für Lungenforschung (ILF) Berlin (http://www.lungenforschung.org)

Das Projekt Weaning zur Versorgungsforschung umfasst die Entwöhnung vom Respirator (Beatmungsgerät) bei langzeitbeatmeten Patienten. Dieses Projekt wird durch das ILF verantwortlich in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. durchgeführt. Das zentrale Ziel ist die Entwicklung und Bereitstellung einer spezifischen Datenbank, um Parameter zur Beatmungsentwöhnung zu erfassen.

Dazu werden alle relevanten Daten zum Weaning aus den klinischen Zentren gesammelt, welche Beatmungsentwöhnung durchführen und an dem Projekt teilnehmen. Neben der Erfassung und Pflege der Daten ist ein besonderer Schwerpunkt auch die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der gewonnenen Daten. Ein Teil dieser Daten soll so geartet sein, dass sie als Basis für eine strukturierter Qualitätssicherung in der Zukunft dienen können. Gleichzeitig liefern sie Informationen über die bundesweite Versorgung von Weaning-Patienten, da in dem Register Daten zum Aufnahme- und Entlassungsmanagement enthalten sind. Die Daten werden zentral beim ILF zusammengeführt und in verschlüsselter Form gespeichert, verarbeitet und genutzt.

Die Lungenklinik Amsee ist Mitglied im BioCon-Valley-Verbund.

BioCon Valley GmbH
Dr. Heinrich Cuypers
Walther-Rathenau-Straße 49 a
17489 Greifswald
T +49 3834-515 108
F +49 3834-515 102
E hc@bcv.org
http://www.bcv.org

Ansprechpartner Lungenklinik Amsee
IMC-Weaning-Station
Leiter: Oberarzt Matthias Lutze
Facharzt für Intensivmedizin, Anästhesiologie und Rettungsmedizin
T +49 3991-158 290
E mlutze@klinikamsee.de

Geschäftsführerin: Dorothea Konrad
Amsee 6, 17192 Waren/Müritz T +49 3991-158 172
E dkonrad@klinikamsee.de
http://www.lungenklinikamsee.de

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