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Wissenslücken in der Anwendung: KKS-Netzwerk plädiert für mehr versorgungsnahe klinische Studien nach der Zulassung

19.10.2009 - (idw) Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e.V. (TMF)

Der Nutzen einer therapeutischen Intervention, beispielsweise eines Medikaments oder eines Medizinproduktes, ist nach der Zulassung und Markteinführung in der Regel nur unvollständig bekannt. Ärzten fehlen oft Vergleichsdaten für Behandlungsalternativen sowie das Wissen über Wirksamkeit und Nutzen in der breiten medizinischen Anwendung. Diese Wissenslücke betrifft nicht nur Behandlungen seltener Erkrankungen, sondern auch von Volkskrankheiten wie z. B. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Verdauungssystems, chronische Schmerzzustände, Depressionen etc. Infolge der Unkenntnis unterbleibt oft die optimale Behandlung, oder es werden unnötige Risiken eingegangen. Eine Verbesserung der Kenntnislage ist nur durch eine Stärkung der versorgungsnahen klinischen Studienforschung zu erreichen.

Wissenslücken beeinflussen nicht nur die individuelle medizinische Therapieentscheidung durch den behandelnden Arzt, sondern spielen auch für das Gesundheitswesen eine wesentliche Rolle. Folge können Fehlbehandlungen bis hin zu lebensgefährlichen Neben- und Wechselwirkungen für den Patienten sein. Um ein patientengerechtes und effizientes Versorgungssystem zu gewährleisten, sollten klinische Studien, die den Versorgungsalltag abbilden, sowohl für Patienten, Ärzte und Krankenkassen, aber auch für die Gesundheitspolitik und Forschung von größtem Interesse sein. Dennoch werden in Deutschland solche Studien kaum durchgeführt. Die wenigen Studien zur vergleichenden Wirksamkeit einzelner Therapien bzw. von Therapieschemata nach der Zulassung werden in der Regel durch die akademische Forschung initiiert. Das Dilemma: Hier mangelt es erheblich an den notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen.

Das Netzwerk der Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS-Netzwerk) hält daher ein Umdenken in der klinischen Forschungskultur für erforderlich und appelliert an Politik, Gesundheitswirtschaft und Wissenschaft, für die Schließung dieser Lücken einzutreten und die finanziellen, regulatorischen und logistischen Voraussetzungen für eine solche dringend gebotene Versorgungsforschung zu schaffen. "Versorgungsnahe Studien sind für eine wesentliche Verbesserung der Erkenntnislage, die Sicherheit der Therapie und eine gesundheits-ökonomische Optimierung der Behandlung unverzichtbar. Ohne Daten aus solchen Studien lässt sich nicht garantieren, dass in Deutschland Patienten mit dem notwendigen Wissen über den Nutzen der therapeutischen Intervention behandelt werden", so Prof. Markus Löffler, Sprecher des Vorstands im KKS-Netzwerk. "Aufbauend auf den für die Zulassung bzw. Markteinführung erhobenen Daten an ausgewählten Patientengruppen müssen dringend weitere klinische Studien mit einer viel breiter gefassten Patientenpopulation erhoben werden. Allerdings lassen sich diese mit der derzeitigen öffentlichen Projektförderung nur in Bruchteilen realisieren. Deshalb ist es wichtig, alle Partner im Gesundheitssystem in die Pflicht zu nehmen. Sehr viel wäre schon zu erreichen, wenn pro Krankenversichertem 1 Euro pro Jahr in diese Versorgungsforschung gelenkt werden könnte."

Am 8./9.10.2009 hat das KKS-Netzwerk in Freiburg das Thema "Versorgungsnahe klinische Studien nach der Zulassung" im Rahmen des 3. KKSN-Symposiums mit mehr als 200 Experten engagiert diskutiert. Wissenschaftler, Kliniker und niedergelassene Ärzte berichteten aus ihrer Forschungs- und Behandlungspraxis, Vertreter aus Politik und Förderorganisationen sowie Institutionen der Krankenversorgung suchten nach Lösungswegen für eine verbesserte Versorgung im Gesundheitswesen. Gerade weil versorgungsnahe klinische Studien aufwendig und damit teuer sind und oftmals länderübergreifend gestaltet werden müssen, bildete der Finanzierungsaspekt einen zentralen Punkt innerhalb der Diskussion. Als mögliche Lösung wurde unter anderem eine Art Forschungsfonds mit Beiträgen aus der öffentlichen Forschungsförderung sowie Beiträgen der Industrie und Krankenkassen angesehen.

Das KKS-Netzwerk ist in den letzten zehn Jahren aus einer Förderinitiaive des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hervorgegangen und verfügt mit Zentren an 16 universitären Standorten, fast 500 Mitarbeitern und derzeit über 1000 laufenden klinischen Studien über eine leistungsfähige Plattform für die Durchführung solcher versorgungsnaher prospektiver Head-to-Head-Vergleichsstudien. Das Netzwerk ist mit wichtigen klinischen Partnern wie den Kompetenznetzen in der Medizin verknüpft und arbeitet mit der Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF e.V.) zusammen.


Das Netzwerk der Koordinierungszentren bietet ferner ein breites Spektrum an Fort- und Weiterbildungsangeboten an, das bereits von einigen tausend Teilnehmern besucht wurde.
Weitere Informationen: http://www.kks-netzwerk.de - Website des KKS-Netzwerks http://kks-netzwerk.de/media//dokumente/PM_KKSN_091019_Versorgungsnahe_klin_Stud... - Pressemitteilung des KKSN als PDF-Datei
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