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Sprachheilpädagogik - eine Pädagogik der Vielfalt?! Kongress an der PH Heidelberg

20.10.2009 - (idw) Pädagogische Hochschule Heidelberg

Sprachheilpädagogik - eine Pädagogik der Vielfalt?! Unter dieser Thematik fand an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg die diesjährige Konferenz der Professorinnen und Professoren sowie der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sprachheilpädagogik deutschsprachiger Länder statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie zukünftig sprachliche Förderung für Menschen mit sprachlichen Beeinträchtigungen in den Bildungskontexten Kindergarten, Schule und Berufsschule Förderung so organisiert werden kann, dass diese Menschen in vollem Umfang an den Bildungsangeboten teilhaben können. An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg wurde die praxisnahe Ausbildung der Sprachheilpädagogen kürzlich ausgebaut und verbessert: Prof. Dr. Christian Glück und Dr. Margit Berg haben eine sprachheilpädagogische Ambulanz für Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Kommunikationsstörungen gegründet, die als therapeutische Einrichtung in die Forschung, Lehre und Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule eingebunden ist. Derzeit laufende Forschungsprojekte beschäftigen sich u.a. mit spezifischen Aspekten der Grammatikförderung mehrsprachiger Kinder und mit den Möglichkeiten der technisch unterstützten Verbesserung der Sprechflüssigkeit bei stotternden Menschen (TURS).

Dr. Karin Terfloth, Geistig- und Mehrfachbehindertenpädagogin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, unterstrich auf dem Kongress das Konzept einer sich verändernden Schule: Eine so genannte inklusive Schule nimmt alle Kinder ihres Einzugsbereiches auf, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, Religionszugehörigkeit oder vorliegender Behinderungen. Die damit verbundenen Veränderungen in der sonderpädagogischen Unterstützung wurden differenziert vom Ministerialreferenten für die Sonderschulen am Kultusministerium in Baden-Württemberg, Sönke Asmussen, angesprochen. Gerade für sprachbehinderte Kinder, die nur übergangsweise besondere Bildungseinrichtungen wie Schulkindergarten oder Sprachheilschule besuchen, stelle sich die Frage nach den ungünstigen Folgen einer nicht-inklusiven Beschulung nicht in so ausgeprägter Weise. Frühe und intensive Unterstützung bei Sprachbehinderungen könne nachweislich den Anteil von Kindern und Jugendlichen verringern, die später Lernschwierigkeiten haben und Schulabbrecher werden, so Asmussen mit Verweis auf Statistiken des Kultusministeriums und die PISA-Ergebnisse. So werden in Baden-Württemberg auch weiterhin Experten für die Organisation von Bildungsprozessen bei Kindern mit Sprachbehinderungen sowie für die Arbeit in sonderpädagogischen Beratungsstellen, Frühförderstellen, Kindergärten und Schulen dringend benötigt. Wie diese Arbeit empirisch im Rahmen der so genannten evi-denzbasierten Praxis abzusichern ist, dazu hat Prof. Dr. Jürgen Cholewa, der als Sprachwissenschaftler an der Hochschule lehrt, Anregungen vermittelt.
Diskutiert wurden auch die bundesweiten Standards der Ausbildung dieser sonderpädagogischen Sprachexperten. Dabei wurde eine an die Arbeitsgruppe "Sonderpädagogik" des Kultusministeriums gerichtete Stellungnahme verfasst, die aktuellen Tendenzen einer Deprofessionalisierung durch Rücknahme fachspezifischer Studienanteile zugunsten nicht-spezifischer Anteile eine deutliche Absage erteilt.

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