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Der Dichter und der Ökonom - Schiller liest Adam Smith

22.10.2009 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Dr. Klaus Neuhoff, Leiter des Instituts Stiftung und Gemeinwohl, konfrontiert zwei Jubilare in der Bürgeruniversität am 26. Oktober 2009 Vor 250 Jahren wurde der deutsche Dichter Friedrich Schiller geboren und diesem Gedenkjahr widmet sich die Reihe der Bürgeruniversität in diesem Winter. Die Veranstaltung von Volkshochschule und Universität Witten/Herdecke am 26. Oktober in der Universität Witten/Herdecke
beginnt um 20 Uhr: Dr. Klaus Neuhoff erinnert an Schiller, aber auch an Adam Smith. Denn im Geburtsjahr Schillers 1759 veröffentliche Adam Smith, der große schottische Moral-Philosoph und Begründer der liberalen Ökonomie, sein damals in ganz Europa als bahnbrechend empfundenes Werk The Theory of Moral Sentiments (dt. erstmals 1770: Theorie der moralischen Empfindungen). Schiller hat Smith mehrmals gelesen und sich offensichtlich von den logischen Schlussfolgerungen des Schotten beeinflussen lassen. Smith ist im 20. Jahrhundert insbesondere durch seine heute als wichtigstes Werk geltende Abhandlung über den 'Reichtum der Nationen' (An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations/1776) bekannt geworden.

In diesen beiden Werken kommt - jeweils nur einmal - die berühmte Metapher von der 'unsichtbaren Hand' vor, die Smith auch über die Kreise von Ökonomen hinaus bekannt gemacht hat. Ja, sie ist sogar so etwas wie ein allgemein gebräuchliches Schlagwort im öffentlichen Diskurs geworden: Die unsichtbare Hand wird's schon richten. Diese kommt auch bei Schiller vor, und zwar in gleichen Zusammenhängen wie bei Smith. Dem geht Dr. Neuhoff in seinem Vortrag nach und fragt sich, ob Schiller sich hier nicht von Smith inspirieren ließ. Das liegt auf den ersten Blick nahe, wenn man nämlich weiß, dass Schillers Onkel, der längere Zeit in London gelebt hat und sogar mit Adam Smith befreundet war, das heute so berühmte Werk von Smith über den 'Reichtum der Nationen' übersetzt hat. Diesem Sachverhalt, dem bislang keine Beachtung geschenkt wurde, wird hier erstmals nachgegangen. Erstaunen muss auch, dass im selben Jahr, da in London das Buch veröffentlicht wird, auch schon der erste Band (von dreien) der deutschen Übersetzung vorliegt. Und Friedrich Schiller wusste von des Onkels Wirken in London (z.B. durch Übersetzungen englischer politischer Schriften ins Deutsche), erhoffte sich sogar eine Empfehlung des Älteren für London, wo er sich als Dramatiker Erfolge auf der Bühne versprach.

In dem Vortrag geht Neuhoff auf Smith und sein Werk über die moralischen Empfindungen ein. Schillers Übernahme der Metapher von der 'unsichtbaren Hand' beweist für Neuhoff eine innere geistige Verwandtschaft, Schiller gilt ihm insofern als ein Schüler des schottischen Moralphilosophen. Will Adam Smith den Mitmenschen mit seiner 'Theorie' eine Handreichung für erfolgreiche Lebensführung übergeben, besonders bei Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, so will Schiller als Dramatiker die Menschen bewegen, will sie nachdenklich machen, sie also läutern.

Weitere Informationen bei Dr. Klaus Neuhoff, Klaus.Neuhoff@uni-wh.de - Tel. 02302/926-171

Die weiteren Termine:
9.11.2009, Prof. Dr. Wolfgang Schad: Schiller im Blick Goethes
30.11.2009, Dr. Angela Martini: Schillers letzte Tragödie (Demetrius)

Alle Veranstaltungen: Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50, Großer Hörsaal, 20 Uhr, Eintritt 5,- (erm. 3,-) Euro

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