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Annäherungen an die nationalsozialistischen Vernichtungslager: Symposium in der RUB, Ausstellung und Abendvortrag

27.11.2009 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die Transformation der Orte

Mit einem fachübergreifenden Symposium, einer begleitenden Ausstellung und einem öffentlichen Abendvortrag versuchen Nachwuchswissenschaftlerinnen aus Bochum, Cottbus und Warschau eine Annäherung an die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Unter dem Titel "Die Transformation der Orte" bringen Alexandra Klei (Architektur, BTU Cottbus), Katrin Stoll (Geschichte, DHI Warschau) und Annika Wienert (Kunstgeschichte, RUB) vom 3. bis 5. Dezember junge Forscher verschiedener Disziplinen und Künstler aus Europa zusammen. Die Tagung findet im Veranstaltungszentrum der RUB im Mensagebäude statt; die Medien sind herzlich willkommen.

"Jenseits und diesseits des Lagerzauns"

Teil des Symposiums ist ein öffentlicher Abendvortrag am 4.12. von Dr. Karola Fings, Köln, zum Thema "Jenseits und diesseits des Lagerzauns. Wechselwirkungen zwischen Lager und Umgebungsgesellschaft am Beispiel der KZ-Außenlager im Ruhrgebiet und im Rheinland" (20 Uhr, Christuskirche Bochum). Die Referentin ist stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und forscht seit vielen Jahren zum Nationalsozialismus mit den Schwerpunkten Konzentrationslager, Zwangsarbeit, Remigration und Erinnerungspolitik. Als eine der ersten Historikerinnen beschäftigte sie sich mit den als "Zigeuner" verfolgten Opfern des Nationalsozialismus.

"Niemands Orte"

Parallel zur Tagung ist vom 4. bis 8. Dezember die Ausstellung "Niemands Orte" in der Galerie ROTTSTR5 zu sehen (Rottstr. 5, 44793 Bochum). Die Bildinstallation ist ein Teil des Langzeitprojekts des Berliner Fotografen Christian Herrnbeck. Er dokumentiert die ehemaligen Orte des nationalsozialistischen Terrors in ganz Europa in ihrem heutigen Zustand. "Dabei handelt es sich um ein unabgeschlossenes und unabschließbares Projekt, an dem der Künstler kontinuierlich weiterarbeitet", so Annika Wienert. Insgesamt 1.200 Fotografien aus dem Projekt sind in Bochum zu sehen, sie werden in einem sich stündlich wiederholenden Durchlauf auf drei Projektionsflächen abgebildet. Dabei handelt es sich um Aufnahmen aus 40 Orten vormaliger Konzentrationshauptlager, T4-Mordanstalten und Vernichtungslager.

Der Ort als Referenz

Die nationalsozialistischen Lager existierten an vielen Orten im deutschen Herrschaftsbereich als Mittel von Ausgrenzung, Unterdrückung, Ausbeutung, Zwang und massenhaftem Mord. Ort und Ereignis stehen dabei in einem komplexen Verhältnis, indem sie sich wechselseitig beeinflussen. Jede Forschung zur Geschichte der Lager, jede Form einer Gedenkpraxis und jeder Beitrag künstlerischer Auseinandersetzung nimmt implizit oder explizit auf den jeweiligen Ort Bezug. Die Veranstalter der Tagung wählen ihn - den Ort - daher zum Referenz- und Ausgangspunkt: Im Blickpunkt steht die Wandlung des Ortes zum Lager, der Ort des Lagers selbst und die Wandlung der Orte der Verbrechen zu Orten der Erinnerung oder des Vergessens. Die Tagung in Kooperation mit dem Kunstgeschichtlichen Institut der RUB wird gefördert von der Ruhr-University Research School und von vier Stiftungen - der Fondation pour la Mémoire de la Shoah, der Gerda Henkel Stiftung, der FAZIT-Stiftung und der Dr. Hildegard Hansche Stiftung.

Weitere Informationen

Annika Wienert, Ruhr-University Research School, E-Mail: transformation@rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

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