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26 Millionen Euro für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Niedersachsen

27.11.2009 - (idw) VolkswagenStiftung

33 Forschungsvorhaben im Rahmen des "Niedersächsischen Vorab" heute durch das Kuratorium der VolkswagenStiftung bewilligt -in 2009 rund 56 Millionen Euro im "Vorab" zur Verfügung gestellt Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Niedersachsen können wieder von hohen Förderungen aus dem "Niedersächsischen Vorab" profitieren. Das Kuratorium der VolkswagenStiftung hat am (heutigen) Freitag beschlossen, 33 von der Landesregierung vorgeschlagene Forschungsprojekte zu fördern (weitere Infos zu den Grundlagen des Vorab am Ende des Textes). Niedersächsische Einrichtungen erhalten damit in dieser Bewilligungsrunde rund 26 Millionen Euro.

"Damit setzen wir gezielt auf Forschung in den gerade für Niedersachsen wichtigen und chancenreichen Gebieten wie Energie und Mobilität. Indem wir schwerpunktmäßig unsere Forschungsverbünde fördern, stärken wir unsere Profile und das Zusammenwirken der besten Kräfte", sagte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, anlässlich der Kuratoriumssitzung. "Mit dem Geld fördern wir vor allem interdisziplinäre Projekte, die maßgeblich zur Exzellenz und Innovationskraft der niedersächsischen Forschungslandschaft beitragen", ergänzt der Generalsekretär der VolkswagenStiftung Dr. Wilhelm Krull.

Die interdisziplinär konzipierten Projekte dominieren dabei mit knapp 16 Millionen Euro. Es folgen die Ingenieurwissenschaften mit 4 Millionen Euro und die Natur- und Biowissenschaften mit rund 3,7 Millionen Euro. Auf die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften entfallen Bewilligungen über rund 2,1 Millionen Euro.

Für niedersächsisch-israelische Gemeinschaftsvorhaben werden rund 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Von den rund 26 Millionen Euro, die jetzt insgesamt bewilligt werden, stehen knapp 15 Millionen Euro für neue Vorhaben zur Verfügung. Diese werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Neue Forschungsverbünde und -schwerpunkte:

Mit 2,2 Millionen Euro gefördert wird der Forschungsverbund "Windenergie" der Universitäten Oldenburg und Hannover in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Bremerhaven. Im Fokus des Interesses steht die gesamte "Windenergie-Wandlungskette" - angefangen von der Ressource Wind bis hin zur Einspeisung der regenerativen Energie in das Energienetz. Der Verbund soll dabei die gesamte technologische Breite der Windenergienutzung von der Windphysik über das Bauingenieurwesen und den Maschinenbau bis zur Elektrotechnik abdecken. Letztlich geht es darum, die Forschungsstrukturen in Nordwestdeutschland zu erweitern mit dem Ziel, bis 2015 in dieser Region ein Forschungsnetzwerk für Windenergie von europäischem Rang entstehen zu lassen.

Vorerst zwei Millionen Euro aus dem Niedersächsischen Vorab stehen zur Verfügung für die Einrichtung der neuen Fraunhofer-Projektgruppe "Komponenten- und Systementwicklung von elektrischen Energiespeichern" an der Universität Oldenburg in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen. Neue Speicherformen für Energie werden besonders für die Elektroautos der Zukunft benötigt, aber auch regenerative Energien wie Sonne und Wind bedürfen elektrischer Zwischenspeicher, die eine sichere und zuverlässige Energieversorgung gewährleisten. Die Projektgruppe wird eng mit dem Forschungszentrum Fahrzeugtechnik der Niedersächsisch Technischen Hochschule (NTH) zusammenarbeiten.

720.000 Euro stehen bereit für den neuen Forschungsschwerpunkt "KOMOBAR - Entscheidungsstrategien und Kommunikationsstrukturen für kooperierende mobile Arbeitsmaschinen in der Agrarwirtschaft" an der Fachhochschule Osnabrück. Mit dieser Förderung richtet sich der Blick der Wissenschaft auf neue Entwicklungen in der Agrarwirtschaft. Diese umfassen so unterschiedliche Bereiche wie den Einsatz hochgradig automatisierter Arbeitsmaschinen, die verstärkte Gewinnung nachwachsender Rohstoffe und Energien aus dem Pflanzenbau oder die steigende Nachfrage der Verbraucher nach sogenannten Bioprodukten. Richtet man den Blick auf die eingesetzten Maschinen, auf Technologien und Prozesse und bedenkt man zudem das immer stärkere Ineinandergreifen verschiedener Abläufe - von der Ernte über die Zwischenlagerung bis hin zur komplexen Verarbeitung der Produkte - stellen sich vor allem an die Logistik permanent neue Herausforderungen. Ziel der Osnabrücker Wissenschaftler ist es daher, unter Einbeziehung aller relevanten Akteure wie beispielweise Landwirte, Lohnunternehmen, Genossenschaften oder verarbeitende Betriebe die Logistik-Ketten in der Agrarwirtschaft bestmöglich zu optimieren und weiter zu entwickeln - für das Agrarland Niedersachsen ein überaus wichtiges Vorhaben.

Mit einer Million Euro gefördert wird der neue Forschungsverbund "Monitoring der Nordsee", der vom Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst koordiniert wird. Im Bestreben, Umweltparameter künftig regelmäßiger und genauer erfassen zu können, wollen die Wissenschaftler zu einer flächenhaften Beobachtung und Beurteilung des Systems Nordsee kommen, und zwar auf der Basis eines geeigneten Monitorings. Folgende Fragen sollen die Betrachtungen leiten: Welche Prozesse bestimmen - insbesondere angesichts des Klimawandels - die Entwicklung der Nordsee? Welche Anforderungen bestehen an ein Monitoring, das neue nationale und die EU-weite Gesetzgebung beziehungsweise vorgegebene Richtlinien angemessen berücksichtigt? Und welche Strategien und Synergien ergeben sich? Auf der Grundlage der Erkenntnisse soll es in der Konsequenz dann auch darum gehen, Entscheidungsträger wissenschaftlich fundiert zu beraten. Der Verbund wird auch aus Mitteln des Niedersächsischen Umweltministeriums gefördert.

Neue Forschungsgebiete

Mit einer Förderung von vorerst zwei Millionen Euro für die Universität Oldenburg wird sichergestellt, dass das - auch international renommierte - Forschungsschiff "Sonne" eine Nachfolgerin erhält. Die "Sonne" wird 2013 außer Dienst gestellt. Das neue Schiff ist in absehbarer Zukunft das einzige europäische Forschungsschiff, das permanent im Indischen und Pazifischen Ozean zum Einsatz kommen kann; es ist damit für die weltweite Meeresforschung von besonderer Bedeutung. Auf dem Schiff tätige Wissenschaftler beschäftigen sich vor allen mit den Themen Klimawandel, marine Ressourcen, Tiefsee-Biodiversität sowie Geodynamik und Georisiken. Insgesamt tragen die deutschen Forschungsschiffe schon seit langem maßgeblich dazu bei, dass die hiesige Meeresforschung international eine Spitzenstellung einnimmt.

Eine Million Euro stehen bereit für die Gründung eines interdisziplinären regionalwissenschaftlichen Instituts "Center for Modern Indian Studies" (CeMIS) an der Universität Göttingen. Die beteiligten Forscher untersuchen die wirtschaftliche und politische Entwicklung Indiens in der Moderne. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Manifestationen von Vielfalt und Ungleichheiten in der Wirtschaft, dem politischen System, der Rechtsordnung, der Religion, der Kultur und der Ethnizität. Das Zentrum wird getragen von den fünf Professuren für "Society and Culture of Modern India", "Indian Economic Development", für "Modern Indian History","Indian Religions" und "Indian Politics and Constitutional Law". Geplant ist eine enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für multireligiöse und multiethnische Gesellschaften. Ferner stützt sich das Zentrum auf ausgebaute Beziehungen der Universität Göttingen zu indischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Mit 676.500 Euro gefördert wird darüber hinaus ein Folgeprojekt zur "Wissensproduktion an der Universität Helmstedt", das angesiedelt ist an der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Die neuen Forschungsaktivitäten konzentrieren sich zum einen auf die Erfassung von Hochschulschriften der theologischen, juristischen und medizinischen Fakultät der Jahre 1576-1810, auf die Digitalisierung und Aufbereitung der Matrikel der Universität Helmstedt aus diesem Zeitraum sowie auf die Erschließung der Rechenschaftsberichte der Professoren zwischen 1649 und 1759. Zum anderen sind zwei Monografien geplant: zum Helmstedter Professorenhaushalt (1576-1810) und zur philosophischen Fakultät der Universität Helmstedt in der Spätaufklärung (1740-1810/30).

Drittmitteleinwerbung und neue Berufungen/Bleibeverhandlungen:

700.000 Euro stehen bereit für den Aufbau eines nationalen gartenbauwissenschaftlichen Netzwerkes am Institut für Gartenbau der Universität Hannover. Ziele sind hier die bundesweite Bündelung von Forschungskompetenzen im Bereich der hochintensiven gartenbaulichen Pflanzenproduktion unter besonderer Berücksichtigung des wissenschaftlichen Nachwuchses und eine standortübergreifende Vernetzung von gartenbauorientierten Lehrkompetenzen - unter Einbeziehung auch außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Hauptförderer ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF); in dem dort ausgeschriebenen Wettbewerb "Kompetenznetzwerke in der Agrar- und Ernährungsforschung" wurde das Gartenbau-Netzwerk mit der Universität Hannover im Zentrum als einer von insgesamt fünf Gewinnern ausgezeichnet. Beteiligt sind an dem Netzwerk auch die Länder Brandenburg und Bayern.

Mit 500.000 Euro wird der Aufbau einer Nachwuchsgruppe "Molekulare Taxonomie mariner Organismen" am Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven, gefördert. Die Wissenschaftler wollen dabei unter anderem Methoden entwickeln zur Fixierung und Extraktion von DNA aus sehr kleinen Individuen der Meiofauna, des Planktons und aus einzelnen Larven und Eiern oder suchen nach den am besten geeigneten Genen und nach morphologischen Merkmalen für die Differenzierung von Arten einer Organismengruppe. Auch die Methoden und Möglichkeiten automatisierter Probensortierung sollen verbessert werden. In dieser Kombination von klassisch morphologisch-taxonomischer und von molekulargenetischer Expertise könnte die Nachwuchsgruppe internationale eine Vorreiterrolle einnehmen.

400.000 Euro werden schließlich bereitgestellt für die Stärkung des neurowissenschaftlichen Schwerpunkts an der Universität Göttingen und dabei explizit für die W3-Professur "Neuroanatomie". 1,2 Millionen Euro stehen zur Verfügung für eine W3-Professur "Mikrobiologie" an der Universität Osnabrück; hier geht es vor allem um eine Stärkung des Fachs Biologie durch zellbiologische und physiologische Expertise - insbesondere soll die "Membranbiologie" besser an der Hochschule verankert werden.

Kontakt

VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

VolkswagenStiftung
Niedersächsisches Vorab
Prof. Dr. Hagen Hof
Telefon: 0511 8381 - 256
E-Mail: hof@volkswagenstiftung.de

Nieders. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Pressestelle
Kurt Neubert
Telefon: 0511 120 - 2604
E-Mail: pressestelle@mwk.niedersachsen.de

Nach § 8 Abs. 2 der Satzung der VolkswagenStiftung setzt sich das "Vorab" aus drei Teilen zusammen: Es umfasst zum einen den Gegenwert der jährlichen Dividende auf nominal 77,3 Millionen Euro VW-Aktien, der der Volkswagen-Stiftung aus der Beteiligung des Landes Niedersachsen an der Volkswagen Aktiengesellschaft zusteht, ferner den Ertrag aus der Anlage von 35,8 Millionen Euro aus einem Vertrag mit dem Land Niedersachsen von 1987 sowie zehn Prozent der übrigen zur Verfügung stehenden Mittel.


Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20091127

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