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Appell des TU9 Präsidenten anlässlich der KMK-Sitzung am 10.12.2009

08.12.2009 - (idw) TU9 German Institutes of Technology

++ Universitäten müssen flexibel, autonom und qualitätsorientiert handeln können ++ Angesichts der berechtigten Forderungen der Studierenden nach Verbesserung kann sich niemand seiner Verantwortung entziehen: nicht die Universitäten, nicht die Politik und auch nicht die Wirtschaft ++ TU9 Universitäten nehmen ihre Verantwortung wahr und legen sehr konkrete Verbesserungsvorschläge vor ++ "Man muss den ernsthaft protestierenden Studierenden dankbar dafür sein, dass sie allen verantwortlichen Akteuren zeigen, wo die Schwächen des Bologna-Prozesses liegen und der Verbesserung dieser Reform von der Basis aus einen neuen Impuls geben.

2010 sollte der europäische Hochschulraum der Bologna-Deklaration zufolge geschaffen sein. Nun ist es allerhöchste Zeit, dass wir die Fehler, die gemacht worden sind, korrigieren.

Darauf haben TU9 und die Universitäten der ARGE TU/TH frühzeitig, zuletzt anlässlich der Löwen-Konferenz im April diesen Jahres, hingewiesen.

Angesichts der berechtigten Forderungen der jungen Leute nach Verbesserung kann sich niemand seiner Verantwortung entziehen: nicht die Universitäten, nicht die Politik und auch nicht die Wirtschaft.

Die Wirtschaft muss nun einsehen, dass es nicht nur darum gehen kann, junge Menschen möglichst schnell durch ein verschultes Universitätsstudium zu schleusen. Bildung ist keine Ware. Sie ist ein meritorisches Gut, mit dem man sehr sorgsam umgehen muss. Bildung heißt, dass man im Rahmen seines Studiums auch mal nach links und rechts schauen können muss.

Die Politik hat hoffentlich verstanden, welchen Belastungen die Studierenden und auch die Lehrenden an den Universitäten ausgesetzt sind. Die Behauptung, dass bei der Reform der Studiengänge 'alter Wein in neue Schläuche' gegossen worden ist, wie man heute häufiger hört, ist sehr pauschal und schiebt den schwarzen Peter den Universitäten zu. Dies hilft nicht weiter und wird den Menschen an den Universitäten, die die Umsetzung der Reform zusätzlich zu Forschung und Lehrbetrieb geschultert haben, nicht gerecht. Die Universitäten sind den Vorgaben der KMK und denen der Akkreditierungsagenturen ausgesetzt. Die Zwangsjacke der Akkreditierung lässt uns nun zu wenig Luft zum Atmen.

Die TU9 Universitäten nehmen ihre Verantwortung wahr und haben bereits vor den aktuellen Protesten eine Schwachstellen-Analyse vereinbart. Sie werden rechtzeitig zum Bildungsgipfel im April 2010 sehr konkrete Verbesserungsvorschläge vorlegen.

Um die bestehenden Probleme schnell zu lösen, aber keine neuen zu schaffen, setzen wir auf eine abgestimmte, einheitliche und bewährte Vorgehensweise.

TU9 hat sich manchmal kritisch, aber stets konstruktiv in den Bologna-Prozess eingebracht:

Vor über fünf Jahren haben die TU9 die gegenseitige Anerkennung ihrer Bachelor- und Master-Abschlüsse vereinbart, weil es absehbar war, dass mit dem Flickenteppich, der sich in der Folge über die Hochschullandschaft gelegt hat, ein Wert riskiert wurde: Das Vertrauen in die Qualität der Abschlüsse. Mit der gegenseitigen Anerkennung haben wir zumindest unseren Studierenden eine Sicherheit geben können, welche ihre Kommilitonen von anderen Universitäten zu Recht vermissen.

Innerhalb der TU9 ist ein Studienortwechsel heutzutage oft einfacher als von einer Universität zur anderen in derselben Stadt.

Eine weitere zentrale Forderung der Studierenden, dass sie eine faire Chance auf den Zugang zum Master haben, hat TU9 frühzeitig postuliert und wiederholt diese heute wieder: Der Master muss als Regelabschluss für Karrieren in Wissenschaft und Wirtschaft gelten.

Gerade die Wirtschaftskrise, die wir immer noch durchschreiten, zeigt, dass die beste Investition junger Leute die in die eigene Ausbildung und Qualifikation ist.

Für unseren Kernbereich, die Ingenieurwissenschaften, ist leider immer noch festzustellen, dass die Abschaffung des Abschlusses 'Diplom-Ingenieur' ein schwerer Fehler war. Der 'Dipl.-Ing.' ist weltweit ein Qualitätslabel, eine wertvolle Marke.

Internationale Vertreter von Wirtschaft und Hochschulen verstehen nicht, wieso der 'Dipl.-Ing.' im Zuge von Bologna einfach über Bord geworfen worden ist. In der Bologna-Erklärung steht an keiner Stelle geschrieben, dass alle Abschlüsse Bachelor oder Master heißen müssen. Diesen Fehler könnte die Politik sehr einfach korrigieren und den 'Diplom-Ingenieur' als Abschluss des zweiten Studienzyklus', also auf der Masterebene, wieder ermöglichen.

Grundsätzlich gilt, dass Universitäten flexibel, autonom und qualitätsorientiert handeln können müssen. Das ist der Geist, den die Bologna-Deklaration verströmen sollte."

GEMEINSAME STELLUNGNAHME

Zehn Jahre "Bologna"-Erklärung

Eine Bilanz der deutschen Technischen Universitäten und Technischen Hochschulen in TU9 und ARGE TU/TH mit Empfehlungen für "Bologna 2020"

Zusammenfassung

Der 1999 gestartete "Bologna-Prozess" hat zu einer Modernisierung der deutschen Hochschulen beigetragen. Die deutschen Technischen Universitäten in ARGE TU/TH und TU9 haben den "Bologna-Prozess" stets als Chance betrachtet, im Rahmen der Studienreform die Qualität ihrer Studienangebote zu verbessern, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Absolventen weiter zu vergrößern und die Studiendauer zu verkürzen.

Das zehnjährige Bestehen der "Bologna-Erklärung" ist auch ein Anlass zu prüfen, ob die gesetzten Ziele mit den gewählten Maßnahmen erreicht werden konnten.
Die deutschen Technischen Universitäten in TU9 und der ARGE TU/TH ziehen Bilanz und sprechen Empfehlungen aus, wie die Schaffung eines Europäischen Hochschulraums bis 2020 erreicht werden kann:

Die Universitäten in TU9 und ARGE TU/TH würden es begrüßen, wenn in Deutschland für an Ingenieur-Studiengängen Interessierte fakultative Pre-engineering schools eingeführt werden, die der Studienvorbereitung dienen. Diese sollten in der Phase zwischen Abitur und Studienbeginn stattfinden. Damit könnten die Studieninteressierten auf die anspruchsvollen Aufgaben des Ingenieurstudiums vorbereitet werden und mögliche Lücken schon vor Studienbeginn ausgleichen.

Die Universitäten bekräftigen ihren Standpunkt, dass es keine staatliche Quotierung für den Übergang vom Bachelor zum Master geben darf. Der Zugang zum Master-Studium muss ausschließlich nach Qualitätskriterien in der fachlichen Kompetenz der Hochschulen geregelt werden. Universitäten müssen frei und autonom darüber entscheiden können.

Die deutschen Technischen Universitäten begrüßen eine Weiterentwicklung der Promotion in Richtung einer strukturierten Doktorandenausbildung und vollziehen diese bereits aktiv. Zugleich muss es weiterhin eine Vielfalt der Wege zur Verleihung des Doktorgrades geben.

Zu einer "Verschulung" des Doktorats insbesondere im Bereich der Ingenieur- sowie der Naturwissenschaften darf es nicht kommen.

Die Bologna-Reform hat viele positive Impulse gesetzt, teilweise aber auch erhebliche neue Probleme erzeugt. In vielen Bereichen muss sie noch besser umgesetzt werden. Nachdem zentrale Ziele - beispielsweise die Steigerung der Mobilität der Studierenden - bislang noch nicht erreicht werden konnten, kommt es nun darauf an, nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben.

Die Mitglieder von ARGE TU/TH und TU9 fordern daher nachdrücklich, dass der 'Bologna-Prozess' zielgerichtet und effektiv fortgesetzt wird.

++ Pressekontakt ++

Venio Piero Quinque (TU9 Geschäftsführer)
E-Mail: presse@tu9.de
Telefon: 030/386-39003

++ Über TU9 ++

TU9 ist der Verband der neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Leibniz Universität Hannover, Karlsruhe Institute of Technology, TU München, Universität Stuttgart.

An TU9 Universitäten sind 197.000 Studierende immatrikuliert, das sind rund 10 Prozent aller deutschen Studierenden.

In Deutschland stammen 47 Prozent der Universitäts-Absolventen in den Ingenieurwissenschaften von TU9 Universitäten. Rund 57 Prozent der Promotionen in den Ingenieurwissenschaften werden an TU9 Universitäten durchgeführt.

Der TU9 Präsident, Professor Dr. Horst Hippler, Präsident des KIT, ist zugleich Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Universitäten und Technischen Hochschulen (ARGE [TU/TH]). In der Runde der ARGE TU/TH tagen 25 Universitäten mit einem Schwerpunkt in Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Weitere Informationen: http://www.tu9.de/media/docs/tu9/Pressemitteilung_TU9_ARGETUTH_Zehn_Jahre_Bologna.pdf (Zehn Jahre "Bologna"-Erklärung - Eine Bilanz der deutschen Technischen Universitäten und Technischen Hochschulen in TU9 und ARGE TU/TH mit Empfehlungen für "Bologna 2020")
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