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Das ganz normale Chaos in der Pubertät

21.12.2009 - (idw) Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

Bereits zum fünften Mal kamen am 9. Dezember 2009 Eltern, Pädagogen und Interessierte im Rahmen der "Bildungsreise durch die kindliche Lebenswelt" zusammen. Im AudiMax auf dem Wernigeröder Hochschulcampus versetzten sich die Zuhörer in die Gefühlswelt eines Jugendlichen. Der renommierte Familientherapeut und Autor Frank Natho referierte über "Pubertät, das Ende der Kindheit".

Mit 10 Jahren geht es los. Die Vorpubertät setzt ein und das nächste Jahrzehnt ist gekennzeichnet von vielfältigen Fragen. Bis zum Alter von 21 Jahren befindet sich der Mensch in einer Zeit der Verwirrung und Veränderung. Es findet eine familiäre Ablösung statt, um das eigene Wertesystem zu stabilisieren, gleichaltrige Freunde gewinnen an Bedeutung. Zu den Anpassungsprozessen gehört die zentrale Frage: Wer bin ich bzw. wer möchte ich sein? "Der Jugendliche testet aus, welche Rolle zu ihm passt. Es geht nicht mehr darum, wie als Kind einfach ein Drachentöter zu sein", erklärte Referent Frank Natho. Die Jugendlichen suchen sich Vorbilder, befinden sich auf der Suche nach ihrer Identität. Besonders anschaulich präsentierte der Familientherapeut die neurobiologischen Veränderungen. Die Natur will es so, dass erst mit Ausreifung einer bestimmten Hirnregion vorausplanendes Handeln möglich wird. Die Jugendlichen sind also biologisch gar nicht in der Lage, die Konsequenzen ihres Verhaltens richtig einzuschätzen. Jedoch können abgesehen vom alltäglichen Chaos auch ernsthafte Störungen auftreten, Ursache dafür ist die besondere Anfälligkeit der Jugendlichen in dieser instabilen Phase. Pubertäts-Magersucht, depressive Verhaltensweisen, gesteigertes Risikoverhalten, Alkohol- und Drogenkonsum sind keine Seltenheit. Es ist kaum verwunderlich, dass Kinder und Eltern in dieser Zeit immer wieder aneinander geraten und das Familienleben von Konflikten beherrscht wird. Unterschiedliche Denkweisen und Ziele trennen beide Parteien. "Das jugendliche Gehirn braucht einfache Informationen, also benutzen sie auch einfache Sätze", riet Frank Natho. Anklagen oder gar der Lieblingssatz "Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst..." sind nicht empfehlenswert. Als Elternteil sollte man in dieser Zeit Prioritäten setzen, denn "manche Dinge lassen sich einfach nicht ändern". Einen guten Tipp gab der Fachmann am Ende mit auf den Weg: "Machen sie als Eltern den Anfang zur Versöhnung, legen sie ihren Stolz ab, denn Pubertierende können es nicht".

Der nächste Halt der Bildungsreise - veranstaltet vom Förderverein der Kinderklinik Wernigerode mit Unterstützung durch die Hochschule Harz (FH) und die Praxis Alltagspause - ist am 9. April 2010. Jan-Uwe Rogge, der bekannte Verhaltens- und Sozialwissenschaftler sowie mehrfacher Bestsellerautor, wird dann um 19:30 Uhr im AudiMax der Hochschule Harz referieren.
Weitere Informationen: http://www.hs-harz.de
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