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Wie Musik mitreißt: Buchveröffentlichung aus interdisziplinärem Projekt an der RUB

21.12.2009 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Der Vorstellung einer im Körper verankerten Musik und der daraus resultierenden spezifischen Qualität von Igor Strawinskys Kompositionen widmete sich ein Forschungsprojekt unter Leitung der Bochumer Theaterwissenschaftlerin PD Dr. Monika Woitas (Theaterwissenschaftliches Institut der RUB), dessen Ergebnisse nun in einem Sammelband vorgestellt werden. Neurowissenschaftler aus London und Bielefeld, den USA und Kanada haben hierzu ebenso beigetragen wie Theater- und Musikwissenschaftler aus London, München, Berlin und Leipzig. Bochum, 21.12.2009
Nr. 425

Powerful motor drive: wie Musik mitreißt
Theaterwissenschaft analysiert Strawinsky unter Einbeziehung neuro- und kulturwissenschaftlicher Ansätze
Buchveröffentlichung aus interdisziplinärem Projekt an der RUB

"Wenn man Musik in ihrem vollen Umfange begreifen will, ist es notwendig, auch die Gesten und Bewegungen des menschlichen Körpers zu sehen, durch die sie hervorgebracht wird", sagte Igor Strawinsky über seine Musik. Der aus diesem Zitat sprechenden Vorstellung einer im Körper verankerten Musik und der daraus resultierenden spezifischen Qualität von Strawinskys Kompositionen widmete sich ein Forschungsprojekt unter Leitung der Bochumer Theaterwissenschaftlerin PD Dr. Monika Woitas (Theaterwissenschaftliches Institut der RUB), dessen Ergebnisse nun in einem Sammelband vorgestellt werden. Neurowissenschaftler aus London und Bielefeld, den USA und Kanada haben hierzu ebenso beigetragen wie Theater- und Musikwissenschaftler aus London, München, Berlin und Leipzig. Neben der Wahrnehmung von Musik und Bewegung werden dabei auch die Einflüsse der veränderten Lebenswelt am Anfang des 20. Jahrhunderts analysiert.

Neuer Blick auf scheinbar Altbekanntes

Als "powerful motor drive" charakterisierte der berühmte Choreograph George Balanchine die spezifische Qualität in der Musik Igor Strawinskys - eine Kraft, die mitreißt, im doppelten Wortsinn bewegt und zahllose Choreographen zu immer neuen Deutungen inspiriert hat. Motion und Emotion scheinen dabei ebenso unmittelbar aufeinander bezogen wie Körper und Klang, die der Komponist als Einheit begreift. Das Auge wird zum Kontrollorgan des Ohres, dessen Wahrnehmungen das Gehörte jederzeit als 'gemacht' ausweisen: Musik nicht als Traumspiel sondern als Artefakt. Doch wo liegen die Wurzeln dieser "Körper-Musik", die Descartes' "Cogito ergo sum" und der seitdem vorherrschenden Trennung von Körper, Geist und Seele eine strikte Absage erteilt? Die Einbeziehung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse einerseits, Fragen nach der sich rasant verändernden Lebenswelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts andererseits könnten Antworten geben und damit einen neuen Blick auf (scheinbar) Altbekanntes eröffnen.

Sciences & Humanities

Das von Oktober 2005 bis September 2008 vom Rektorat der Ruhr-Universität Bochum geförderte Forschungsprojekt hat diese (und weitere) Fragen von zwei Seiten her in Angriff genommen: Zum einen sollte die "innere Motorik" dieser Musik näher definiert werden, zum anderen galt es, die "äußere Motorik" einer zunehmend kinetisch geprägten Lebenswelt als (notwendigen) Kontext dieser Neuorientierung zu erkennen und Spuren in den Kompositionen nachzuweisen. Der nun vorliegende, von Monika Woitas und der Projektmitarbeiterin Annette Hartmann herausgegebene Sammelband versteht sich als eine Art Zwischenbilanz, in der Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Fachrichtungen diesen Fragen nachgehen. Beiträge international renommierter Neuro- und Kognitionswissenschaftler stehen kulturhistorisch fundierten Untersuchungen von Musik-, Theater- und Tanzwissenschaftlern gegenüber. Diese Integration von "sciences & humanities", in den USA bereits seit einigen Jahren durchaus gängige Praxis, stellt in Europa immer noch eher die Ausnahme dar - zumindest was die Einbeziehung konkreter tanz- und musikwissenschaftlicher Fragestellungen angeht.

Zwischen Futurismus, Jugendkult und Industrialisierung

Während die Beiträge des ersten Teils neurowissenschaftliche Ansätze zur Perzeption von Musik und Bewegung darlegen, fokussiert der zweite Teil die sich verändernde Lebenswelt um 1900, in der Futurismus und Jugendkult, Vitalismus und Industrialisierung, Varieté und Inszenierungen des Konsums in Warenhäusern und Mode aufeinander treffen. Im abschließenden dritten Teil werden diese Aspekte an ausgewählten Werken Strawinskys (Petruschka, Histoire du Soldat, Le Sacre du Printemps, Les Noces, Apollon Musagète, Agon) überprüft und analytisch fruchtbar gemacht.


Titelaufnahme

Monika Woitas und Annette Hartmann (Hg.): Strawinskys "Motor Drive". epodium: München 2010

Weitere Informationen

PD Dr. Monika Woitas, Institut für Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25106, E-Mail: Monika.Woitas@t-online.de

Redaktion: Meike Drießen

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