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Johannes Liese: Spezialist für Infektionen und Immundefekte

22.12.2009 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Johannes Liese ist neuer Professor an der Kinderklinik der Universität Würzburg. Als Spezialist für Infektionen hat er zurzeit viel mit der Neuen Grippe zu tun. Immunologie ist sein zweiter Schwerpunkt, in Würzburg will er ein Zentrum für angeborene Immundefekte einrichten. Selbstverständlich ist Johannes Liese geimpft - nicht nur gegen die Schweinegrippe, sondern auch gegen die ganz gewöhnliche saisonale Influenza. Schließlich hat er als Arzt in der Kinderklinik eine besondere Verantwortung: "Als Ärzte sind wir ja potenzielle Überträger auf Hochrisikopatienten", sagt er.

Seit im vergangenen Sommer die ersten Erreger der Schweinegrippe den Sprung nach Europa geschafft hatten, hat sich Liese deshalb stark dafür gemacht, dass sich so viele Mitarbeiter der Klinik wie möglich impfen lassen - mit Erfolg. "Wir haben bei uns in der Kinderklinik eine Impfrate von 70 Prozent beim ärztlichen Personal - ein sehr guter Wert", sagt er.

Schwerpunkt Infektiologie

Als Professor für Pädiatrische Infektiologie und Immunologie hat Liese die Entwicklung der Schweinegrippe natürlich mit besonderem Interesse verfolgt - nicht nur aus Sicht des Wissenschaftlers, sondern auch aus der des Mediziners. Liese ist Oberarzt der Station "Moro" an der Uni-Kinderklinik. Dort werden vor allem Kinder und Jugendliche mit schweren Infektionen behandelt; dazu zählen beispielsweise Lungen- und Hirnhautentzündungen, Magen-Darm-Infektionen - und natürlich auch die Schweinegrippe.

Zwischen zwei und fünf Patienten, die an der Neuen Grippe erkrankt sind, liegen seit dem Ausbruch im Herbst regelmäßig auf "Moro". Es habe sich sehr schnell gezeigt, "dass der Schweregrad gut vergleichbar ist mit dem anderer saisonaler Virusinfektionen, die regelmäßig jedes Jahr auftreten", sagt Liese. Nur vereinzelt habe es schwere Komplikationen gegeben - und "zum Glück keinen Todesfall" in der Uni-Kinderklinik.

Wirksamkeit von Impfungen

Die Diskussionen in den Medien hat er mit Interesse verfolgt: "Sicher, das Echo war enorm groß und teilweise auch durch die Presse hochgepuscht", sagt er. Allerdings habe es eben bisher noch keine klinische Erfahrung mit dem neuen Virus gegeben; das Gefährdungsrisiko sei anfangs nicht absehbar gewesen. Und auch wenn so manche Hysterie geschürt wurde: Allein die Tatsache, dass man sich ausführlich mit den Themen "Infektion" und "Impfung" beschäftigt habe, findet Liese im Sinne einer Vorbereitung auf eine mögliche Pandemie wichtig.

Was Impfungen bewirken, untersucht der Kinderarzt schon seit Langem. Im Rahmen seiner Forschung war und ist er an zahlreichen nationalen und internationalen klinischen Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen beteiligt. Mit Kinderarztpraxen im Raum München hat er das "BaVariPro"- Netzwerk (Bayerisches Varizellen-Projekt) gegründet, das die Wirksamkeit von Impfungen gegen Windpocken erforscht. Momentan ist geplant, dieses Netzwerk auch auf Würzburg auszuweiten.

Schwerpunkt Immundefekte

Klinische Immunologie ist der zweite Schwerpunkt von Johannes Liese. "Das ist der klassische Fall: Eine Mutter kommt in die Kinderarztpraxis, weil ihr Kind andauernd krank ist und häufig Fieber hat", sagt er. Bei der Frage, ob sich dahinter eine normale altersentsprechende Infektionsanfälligkeit verbirgt oder möglicherweise ein Defekt des Abwehrsystems, ist der Immunologe gefragt. Der untersucht die Immunzellen auf ihre Funktionstüchtigkeit und stellt mögliche Störungen fest. Und kümmert sich um die Therapie, sollte sich zeigen, dass tatsächlich ein angeborener genetischer Defekt vorliegt, der eine normale Infektionsabwehr verhindert.

Ein Zentrum für solch angeborene Immundefekte will Liese in Würzburg an der Universitäts-Kinderklinik aufbauen. Dafür plant er, die bisherigen Diagnostikmöglichkeiten deutlich zu erweitern und das Therapieangebot zu vergrößern.

Werdegang von Johannes Liese

Dass er einmal Kinderarzt werden würde, hat Johannes Liese frühzeitig gewusst. "Ich habe schon während meines Zivildienstes mit Kindern gearbeitet und dabei gemerkt, dass mir das gefällt", sagt er. Im Studium sei schnell klar geworden: "Das ist mein Traumberuf".

Johannes Liese wurde in Erlangen geboren. Medizin studierte er in Bologna und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München; schon in seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit angeborenen Immundefekten. An der Universitäts-Kinderklinik der LMU vollzog er seine klinische Ausbildung zum Kinder- und Jugendarzt und war dort mehrere Jahre als Oberarzt tätig. Seit Mai 2009 ist er Professor für Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an der Universitäts-Kinderklinik Würzburg.

Verlockendes Umfeld in Würzburg

Für einen Infektiologen biete Würzburg ein verlockendes Umfeld, sagt Liese. Die direkte Nachbarschaft der Kinderklinik zum Zentrum für Infektionsforschung und zum Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken am Institut für Hygiene und Mikrobiologie mache es möglich, dass man sich hier "infektiologisch gut vernetzen kann", so der Mediziner.

Patienten behandeln, forschen und lehren: Die dreifache Belastung von Ärzten an einer Universitätsklinik kennt auch Johannes Liese zur Genüge. Sein Bild vom "Traumberuf Kinderarzt" hat darunter nicht gelitten. "Ich gehe jeden Tag gerne in die Klinik, weil die Arbeit so vielfältig ist, immer neue Herausforderungen bietet, und man kontinuierlich dazu lernt", sagt er.


Zur Freude an der Arbeit trage allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil auch der Kontakt zu Kindern und Eltern bei, auch dann, wenn nicht jede Krankheit positiv verlaufe oder ausheile. Aber dafür seien Kinder "einfach etwas ganz Besonderes".

Kontakt

Prof. Dr. Johannes Liese, Kinderklinik der Universität Würzburg, T (0931) 201-27725, liese_j@kinderklinik.uni-wuerzburg.de

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