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Multimedia-Vorkurs Mathematik an der Universität Kassel erleichtert Studienanfängern den Einstieg in MINT-Fächer

18.01.2010 - (idw) Universität Kassel

Kassel. Studienanfängern der Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik oder Technik (MINT) erleichert ein Multimedia-Vorkurs Mathematik an der Universität Kassel mit ausgeklügeltem didaktischen Konzept den Einstieg in ihre mathematikintensiven Studiengänge. So können schulische Wissenslücken gefüllt und Fehlstarts in den ersten beiden Semestern vermieden werden. Seit dem Wintersemester 2002 bietet der Fachbereich Mathematik der Universität Kassel vor Beginn des ersten Semesters damals zwei-, inzwischen vier- und sechswöchige Auffrischungskurse an, um Studienanfängern den Einstieg beispielsweise in ein Studium der Elektrotechnik oder anderer Ingenieurwissenschaften zu erleichtern. Von den rund 1700 Studienanfängern des Wintersemesters 2009/2010 in mathematikintensiven Studiengängen haben über 1000 dieses Angebot genutzt. In fünf verschiedenen Vorkursen können Abiturienten und Fachoberschüler ihre Wissenslücken in der Mathematik füllen und sich einen Überblick über den Lehrstoff der ersten zwei Semester verschaffen. Seit 2004 hat sich die TU Darmstadt dem Vorkursprojekt angeschlossen. Seit 2009 ist auch die Universität Paderborn mit im Boot.

Im Rahmen des Vorkurssystems hat der Fachbereich Mathematik seit 2003 auch ein multimediales Lernprogramm für angehende Studenten entwickelt, die aus Zeitgründen nicht an den Präsenz-Kursen teilnehmen können: Das Virtuelle Eingangstutorium Mathematik (VEMA) ermöglicht es den Studienanfängern, Rechengesetze, Potenzen, elementare Funktionen, Elemente der Differential- und Integral- sowie Vektorrechnung oder mathematisches Argumentieren mithilfe einer CD-ROM im Heimstudium zu wiederholen, und so gut vorbereitet in die Einführungsvorlesungen zu gehen. "Der elektronische Kurs ist ein großer Erfolg, denn er ermöglicht es beispielsweise zuziehenden Studierenden, die noch nicht in Kassel wohnen, sich am Vorkurs zu beteiligen", sagt Professor Dr. Wolfram Koepf. Die Teilnehmer werden von Uni-Mitarbeitern online betreut und mit den vorhandenen diagnostischen Tests lernen sie, ihre Leistungen selbst einzuschätzen. Die CD-ROM wird konzeptionell auch in den Präsenzkursen eingesetzt.

Das Mathematik-Lernprogramm haben Professor Dr. Wolfram Koepf, Dr. Walter Strampp und Dr. Reinhard Hochmuth, PD Dr. Bernd Billhardt und Prof. Dr. Rolf Biehler (bis Februar 2009 Uni Kassel, seitdem Universität Paderborn) entwickelt. Letzterer zeichnet vor allem für das didaktische Konzept verantwortlich: Mathematische Lösungen werden mit Bildern, Filmen, vielfältigen Visualisierungen und grafischen Interaktionen veranschaulicht. So kann der angehende Student überprüfen, ob seine Lösung richtig ist und ob er das mathematische Problem wirklich verstanden hat. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem schulischen Lehrstoff der Mittelstufe (Sekundarstufe I) und ist in verschiedene Themen-Blöcke gegliedert, zwischen denen man hin und her springen kann. "Der angehende Student kann auf diese Weise schnell herausfinden, auf welchem Gebiet seine Schwächen liegen und die Themen fokussieren, die für ihn relevant sind", sagt Professor Koepf. Ein Abschlusstest gibt Aufschluss darüber, ob der Studienanfänger in voller Breite für die ersten Mathematik-Vorlesungen gewappnet ist.

Noch ist dieses Vorkurs-Angebot freiwillig, ebenso wie der abschließende Test. Doch Professor Koepf hält es für wünschenswert, die Kurse verbindlich einzuführen. Denn vor allem Fachoberschüler, die im Vergleich zu den Gymnasiasten ein Jahr weniger Unterricht zum Studium mitbringen und in den Ingenieurwissenschaften etwa die Hälfte der Studenten stellen, hätten häufig erhebliche Wissenslücken in der Mathematik. Das gelte besonders für den Stoff der Sekundarstufe I. "Viele Studenten haben das Bruchrechnen verlernt. Hier scheint es ein Nachhaltigkeitsproblem in den Schulen zu geben", sagt Koepf und ergänzt "Solche Studenten werden in den Vorlesungen schnell abgehängt."

Die Folge solcher Wissenslücken seien häufig hohe Durchfallquoten in den ersten Mathe-Klausuren. Bei den Informatikern sei das besonders auffällig, sagt Koepf.

Der Probelauf für verbindliche Vorkurse in Mathematik könnte im Fachbereich Elektrotechnik starten: Dort werde geprüft, ob ab dem nächsten Wintersemester die Mathe-Kurse zur Pflicht für Elektrotechnik- und Informatik-Studenten gemacht werden können, berichtet Koepf.

Die Universität investiere viel Geld in das Vorkurssystem, wie Koepf betont. Ein Viertel der an den Fachbereich Mathematik fließenden Landesmittel zur Qualitätssicherung von Studium und Lehre (QSL-Mittel) fließe in dieses Projekt. Die Vorkurse wurden außerdem von der eLearning-Projektförderung der Universität Kassel, der Multimedia-Kommission Kassel, dem Förderungsprogramm E-Learning an Hessischen Hochschulen, dem Fachbereich Mathematik und den Ingenieurfachbereichen unterstützt. Ein weiterer Sponsor war die Gesellschaft des technischen und kaufmännischen Führungsnachwuchses in Nordhessen (GFF).


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Info
Prof. Dr. Wolfram Koepf
tel: (0561) 804 4207
e-mail: vorkurs@mathematik.uni-kassel.de
Universität Kassel
Fachbereich Mathematik
Weitere Informationen: http://www.mathematik.uni-kassel.de/~vorkurs/Willkommen1.html - Multimedia-Vorkurs Mathematik
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