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Simulationsexperte Professor Hermann Riedel wurde 65

18.01.2010 - (idw) Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM

Prof. Dr. Hermann Riedel, international anerkannt für Werkstoffmodellierung und Simulation, ist am 3. Januar 2010 65 Jahre alt geworden. Er arbeitet seit 1986 am Freiburger Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM und ist Mitglied der Institutsleitung. Mit seiner Expertise, physikalische Vorgänge in Werkstoffen grundlegend zu entschlüsseln und diese Erkenntnisse nutzbringend zur Entwicklung und Verbesserung von Bauteilen und Verfahren in der Industrie anzuwenden, hat er das Profil des Fraunhofer IWM maßgeblich beeinflusst in den Bereichen Simulation und Modellierung in der Pulvertechnologie, der Formgebung von Metallen und dem Verhalten von Bauteilen bei hohen Temperaturen. Ihm zu Ehren veranstaltet das Institut am 20. Januar das Festkolloquium "Mit Werkstoffsimulation zu mehr Leistung und Wirtschaftlichkeit" und am 21. Januar ein Fachkolloquium zur Simulation von Prozessketten, bei denen wissenschaftliche Weggefährten, Projektpartner sowie aktuelle und ehemalige Kolleginnen und Kollegen den Jubilar feiern.

Hermann Riedel war 1991 der erste Fraunhofer-Forscher, der den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG erhielt. Nebenbei war er damals auch der erste Wissenschaftler ohne Professorentitel, der diese Auszeichnung in Händen hielt. Das Preisgeld investierte er in ein bis dato stiefmütterlich behandeltes Forschungsgebiet, die Simulation von pulvertechnologischen Herstellungsverfahren wie Pressen und Sintern. Bis heute nutzt die Industrie seine profunden Lösungen, um Formverzüge beim Sintern zu vermeiden und den gesamten Herstellungsprozess von Sinterprodukten zu optimieren. Für seine Leistungen auf diesem Terrain erhielt er 2008 seinen jüngsten Preis, die Skaupy-Ehrung des Gemeinschaftsausschusses Pulvertechnologie. Darüber hinaus erhielt Hermann Riedel den Masing-Gedächtnispreis, den Dechema-Preis sowie die Tammann-Gedenkmünze.

Viele seiner Simulationsmodelle sind das Herzstück für Vorhersagen zum Verhalten von Werkstoffen in der Fertigung und im Einsatz. Jüngst gelang ihm mit seinem Team die Entwicklung neuer hoch präziser Modelle zur Simulation hochfeste TWIP-Stähle, einer neuen Materialklasse für den Bau leichterer Automobile.

Prof. Hermann Riedel, heute außerplanmäßiger Professor am Karlsruher Institut für Technologie KIT veröffentlichte seine Erkenntnisse auch in rund zweihundert Beiträgen in Fachzeitschriften und mehreren Büchern, beispielsweise dem umfassenden Werk "Fracture at High Temperatures". Seine dort dargestellten Resultate inspirieren bis heute das gesamte Feld der Hochtemperaturmechanik. Bei der Vorhersage der Lebensdauer hochtemperaturbelasteter Bauteile wie zum Beispiel Abgaskrümmern oder Kraftwerkskomponenten ist das Fraunhofer IWM weltweit führend.

Die Fähigkeit, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der Industrie gewinnbringend zur Verfügung zu stellen, hat Hermann Riedel zu einem idealen und in vielen Industriezweigen geschätzten Fraunhofer-Forscher gemacht. Seine Geschäftspartner kommen aus so unterschiedlichen Bereichen wie der Stahlherstellung, der Mikroelektronik oder der Automobilindustrie.

Den Beginn seiner Karriere widmete er der Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart, wo er seine Doktorarbeit in Physik erstellte. Danach forschte er am Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf und an der Brown-Universität in Providence, USA zusammen mit den führenden Wissenschaftlern der Bruchforschung.

Institutsleiter Professor Peter Gumbsch schätzt Riedel als einen Kollegen und Wissenschaftler, der erst dann richtig in Fahrt kommt, wenn werkstofftechnische Probleme schier unlösbar zu sein scheinen. "Dafür ist er bei den zahllosen Projektpartnen aus der Industrie und den wissenschaftlichen Kollegen aus aller Welt sehr geschätzt. Hermann Riedel wird nicht zu ersetzen sein, deshalb freue ich mich, ihn auch noch nach seinem Eintritt in den Ruhestand als Berater zur Seite zu haben", so Peter Gumbsch.

Weitere Informationen: http://www.iwm.fraunhofer.de/presse-und-publikationen/presse/details/id/87/ - Pressemitteilung mit Flyern der Kolloquien
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