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Wissenschaft steht in der Pflicht

20.01.2010 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Neuer Band des CEJ an der Universität Jena zeigt Wege zu alternativen Energien Jena (20.01.10) Energiepolitik ist wohl die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige, die Atomenergie ist nach wie vor äußerst risikoreich und der Umgang mit radioaktivem Müll nicht geklärt. Die Anforderungen sind also klar definiert: Einerseits muss in Zukunft viel nachhaltiger Energie gewonnen werden, um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken und in absehbarer Zeit nicht wieder vor den gleichen Problemen der Ressourcenknappheit zu stehen. Andererseits sollten neue Methoden politischen Konflikten vorbeugen, indem sie keine Abhängigkeiten verursachen. Vor allem die Wissenschaft steht nun in der Pflicht, mit ihren Möglichkeiten aus Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Friedrich-Schiller-Universität Jena stellt sich dieser Aufgabe.

Ein neuer Band aus der Schriftenreihe des Collegium Europaeum Jenense (CEJ) an der Universität Jena widmet sich dem brisanten Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. "Energie für Europa. Die Energieproblematik aus interdisziplinärer Sicht" ist das neue Bändchen überschrieben, das eine Vortragsreihe aus dem Jahre 2007 zusammenfasst.

Herausgeber Martin Hermann - Professor für Angewandte Mathematik in Jena und CEJ-Vorstandsmitglied - macht im Vorwort eindringlich klar, warum die Innovationen für alternative Energiegewinnung von Europa ausgehen sollten: "Im Jahr 2005 lag die Energieabhängigkeitsquote ... der Europäischen Union bei 56 %. Die Europäische Union führte also mehr als die Hälfte der zur Deckung ihres Energiebedarfs notwendigen Ressourcen ein. ... Für das Jahr 2030 prognostiziert die Europäische Kommission, dass 84 % des Erdgasverbrauchs und 93 % des Erdölverbrauchs durch Importe zu decken sind." Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss also auch die Wirtschaft an Energieforschung interessiert sein.

Der bekannte britische Physiker Alexander M. Bradshaw stellt mit der Fusionsenergie eine solche Alternative auf den ersten Seiten des Bandes vor. "Ein Fusionskraftwerk soll aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie gewinnen. Unter irdischen Bedingungen gelingt dies am einfachsten mit den beiden Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium", erklärt Bradshaw. "Ein Gramm Brennstoff könnte in einem Kraftwerk 90.000 Kilowattstunden Energie freisetzen, die Verbrennungswärme von elf Tonnen Kohle." Was wie Zukunftsmusik klingt, nimmt derzeit deutliche Formen an. In Südfrankreich entsteht der Versuchs-Fusionsreaktor ITER (lat. der Weg), der 2014 in Betrieb genommen werden und dann erhebliche Erkenntnisse für die Praxis dieser Methode liefern soll. Bereits 2040 könnten die ersten Fusionskraftwerke entstehen. Die Grundstoffe für diese Art der Energiegewinnung sind auf der Erde ausreichend vorhanden und die Radiotoxizität nimmt schnell ab.

Wer mehr über die physikalischen Prinzipien dieser Prozesse wissen will, findet Antworten im Aufsatz von Professor Eckhart Förster vom Institut für Optik und Quantenelektronik der Universität Jena. Er erklärt anschaulich, dass die Fusion von Wasserstoffatomkernen nichts anderes ist, als die Nutzung von Sonnenenergie und beschreibt, wie man sie herbeiführen kann und was dabei passiert.

Drei Vertreter des Volkswagen-Konzerns öffnen in ihrem Aufsatz ein Fenster zu ganz praktischen Lebenswelten. Fahrzeuge benötigen Energien, die heutzutage fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden. Das muss sich ändern. Welche Möglichkeiten das Unternehmen dafür entwickelt hat, kann der Leser im neuen CEJ-Band erfahren.

Weitaus grundlegendere Gedanken äußert hingegen Professor Dietrich Pelte aus Heidelberg. Das Ziel seines Beitrags "ist eine objektive Darstellung der Probleme, welche bei der Energieversorgung der Welt auftreten, und wie Naturgesetze diese Probleme verursachen. Diese Gesetze geben die physikalischen Rahmenbedingungen vor, innerhalb deren wir unseren Umgang mit der Energie anpassen müssen." Damit liefert er eine wichtige Ergänzung zu den anderen, eher praktisch orientierten Aufsätzen.

Das neue Buch zeigt - vor allem auch durch die reiche Illustration - kompakt und anschaulich Wege auf, die uns energiereich in die Zukunft gehen lassen.


Martin Hermann (Hg.): Energie für Europa. Die Energieproblematik aus interdisziplinärer Sicht, IKS Garamond Verlag, Jena 2009, 80 Seiten, Preis: 9,90 Euro, ISBN 978-3-938203-99-6

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Hermann
Institut für Angewandte Mathematik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946230
E-Mail: hermann[at]mathematik.uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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