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Malaysias Elite studiert an der Hochschule Esslingen

20.01.2010 - (idw) Hochschule Esslingen

Die Hochschule Esslingen betreut seit 1999 malaysische Studierende. Zwei Studenten der Fahrzeugtechnik sind nun im sechsten Semester und blicken auf die letzten Jahre in Deutschland zurück. Seit zehn Jahren besteht das Abkommen zwischen dem baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums und Malaysia, das eine Kooperation vorsieht, in der jährlich maximal 50 malaysische Abiturienten ihr komplettes Studium in Baden-Württemberg absolvieren. An der Hochschule Esslingen sind es seit 1999 insgesamt 36 Studierende, die hier ihren Abschluss gemacht haben oder im Moment studieren, landesweit sind es bisher rund 450. Das Beispiel zweier Studenten, die sich momentan im sechsten Semester ihres Bachelor-Studiums der Fahrzeugtechnik befinden, zeigt wie ausgewählt die malaysischen Studierenden sind, die zum Studieren an die Hochschule Esslingen kommen.

Wen Tak Ho und Brian Tet Kong Chiao haben es geschafft. Sie sind 2007 nach dem Abitur mit einem malaysischen Staatsstipendium ausgestattet worden und durften anschließend nach Deutschland reisen, um dort ihr Studium der Fahrzeugtechnik zu absolvieren. Jährlich schafft es nur ein geringer Prozentsatz der Anwärter, diese finanzielle Unterstützung für ein Studium im Ausland zu erhalten. Es sind ausschließlich Abiturienten mit exzellenten Noten, Malaysias Elite, die außerdem bereits in der Schule die deutsche Sprachegelernt haben. Acht Stunden pro Woche hatten Wen und Brian jeweils Deutschunterricht, insgesamt mehr als 600 Stunden, was sich bei ihrer Ankunft in Konstanz ausgezahlt hat. "Dort sind wir zu Beginn einen Monat lang auf die deutsche Kultur vorbereitet worden", erzählt der 23 Jahre alte Brian. Anschließend haben die beiden gleichaltrigen Malaysier in Reutlingen einen Lehrgang in "technischem Deutsch" besucht.

"Die Vorbereitung der Studierenden, bis sie zu uns kommen, ist exzellent. Und diejenigen, die es hierher schaffen, sind handverlesen", sagt Professor Rolf Scherzer. Mit seinem Namen ist das Kooperationsprojekt an der Esslinger Hochschule untrennbar verbunden. Prof. Scherzer ist der Tutor für die Studenten im Bereich Fahrzeugtechnik. Mindestens einmal zu Beginn des Semesters trifft er sich mit allen Malaysiern der verschiedenen Semester, um über Probleme, Fortschritte und die Zukunft zu sprechen.

Am Anfang standen Wen und Brian vor mancher Hürde: Die gemeinsame Wohnungssuche gestaltete sich als schwierig, und als sie eine geeignete gefunden hatten, war in dem Altbau trotzdem viel zu renovieren. Prof. Scherzer hat den Neuangekommenen unter die Arme gegriffen, wie er es bei allen "Frischlingen" macht, und sogar beim Kauf einer geeigneten Küche geholfen. Brian und Wen konnten sich nun aufs Leben und Studieren konzentrieren. Der erste Eindruck von Deutschland? "Kartoffelpüree", erinnert sich Wen mit einem breiten Grinsen. "Die Sprache", ergänzt sein Kommilitone Brian. Hochdeutsch beherrschten die beiden ganz gut, aber an den schwäbischen Dialekt mussten sie sich erst noch gewöhnen. Nach einigen Jahren geht das aber schon wesentlich besser, und nebenbei haben die zwei Stipendiaten nicht nur die Umgangssprache gelernt und ihren Führerschein gemacht, sie haben sich sogar der unbekannten Materie Schnee angenähert und gelernt, Ski zu fahren.
Mit dem Studium geht es bei Wen und Brian bestens voran, und auch mit den deutschen Kommilitonen haben die beiden immer besseren Kontakt gefunden. "Alles ist ok, nur das Wetter ist noch ungewohnt", sagt Wen, der mittlerweile seinen dritten Winter in Deutschland erlebt. Er hat zwischendurch ein Semester an der Esslinger Partneruniversität in Kettering, USA, verbracht. Und im Jahr 2009 hat er sogar den Preis für außergewöhnliches soziales und fachliches Engagement des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhalten.

Bis Mitte Januar waren Wen und Brian in ihrem Praxissemester beim Reifenhersteller Continental in Regensburg. Was jetzt für die beiden noch ansteht ist das letzte Semester und das Schreiben ihrer Bachelor-Arbeit. Danach könnten sie ein Masterstudium anhängen. Und wer weiß, vielleicht bleiben sie wie manche ihrer Vorgänger für längere Zeit auch nach dem Studium in Deutschland, um in ihren Beruf als Ingenieur einzusteigen. Wobei auch ihr Heimatland Malaysia es kaum erwarten kann, die Absolventen wieder zu Hause zu haben. "Der technische Standard, der in Deutschland gilt, ist gerade in Industriebetrieben in Malaysia hoch angesehen", erklärt Prof. Scherzer.

Allein die vielen Beispiele von malaysischen Studierenden für ein erfolgreiches Studium im Ausland sieht Beate Maleska, Leiterin des Akademischen Auslandsamts an der Hochschule Esslingen, als großen Anreiz auch für deutsche Studierende: "Daran erkennt man, wie wichtig der Karrierebaustein Auslandsstudium ist." Sie appelliert deshalb an die deutschen Studierenden, zumindest ein Semester in der Fremde zu verbringen. Dass den Studierenden ein mehr oder weniger langer Auslandsaufenthalt hilft, bestätigt Wen Tak Ho: "Wir sind dadurch sehr gut vorbereitet für unsere spätere Arbeit und selbständig geworden." Und Brian Tet Kong Chia spricht allen Unentschlossenen Mut zu: "Alles ist möglich, wenn man weiß, was man will."

Weitere Informationen: http://www.hs-esslingen.de/aaa
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