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Essener Bürger verabschieden Energie-Gutachten mit Empfehlungen an Wissenschaft und Politik

09.02.2010 - (idw) Wissenschaft im Dialog

Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland aus?

Im Jahr 2050 sind mindestens 50 Prozent der Stromversorgung durch regenerative Energien zu decken. Die Politik muss sinnvolle Anreize schaffen, damit nicht nur neu gebaut, sondern auch der Altbestand modernisiert wird. Biokraftstoffe ebenso wie alle herkömmlichen Benzin- und Dieselkraftstoffe sind für den innerstädtischen Verkehr ein Auslaufmodell. Davon sind 19 Bürgerinnen und Bürger aus Essen und Umgebung überzeugt. In einem gemeinsamen Gutachten übergaben sie am 08. Februar diese Empfehlungen zur Energieversorgung der Zukunft in Deutschland an Simone Raskob, Geschäftsbereichsvorstand Umwelt und Bauen der Stadt Essen, und an Dr. Herbert Münder, Geschäftsführer der Initiative der deutschen Wissenschaft - Wissenschaft im Dialog.

Die Essener Bürger im Alter von 29 bis 77 Jahren hatten zuvor an drei aufeinander folgenden Wochenenden die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland diskutiert. Im Rahmen dieser sogenannten Konsensus-konferenz schlüpften sie in die Rolle des Gutachters und urteilten darüber, wie Deutschland in Zukunft seine Energie gewinnen sollte. Am vergangenen Wochenende traten die Bürger in einen intensiven Austausch mit 13 Energie-Experten und entwickelten im Konsens ihre Empfehlungen an Forschung und Politik - das Bürgergutachten.

Das Gutachten enthält Empfehlungen zu den Bereichen Strom, Wärme und Kälte, Mobilität und Produkte. Dabei berücksichtigten die Bürger Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit als gängige Kriterien der Energieversorgung und fügten die Komponente der Sozialverträglichkeit hinzu.

Die Umweltdezernentin der Stadt Essen, Simone Raskob, begrüßte die Empfehlungen. Sie hob die Rolle der Ruhrmetropole in der Energiedebatte hervor: "Die Städte sind der Motor der Nachhaltigkeitsentwicklung bei der CO2-Problematik." Sie versprach, die Anregungen der Bürger in Zusammenhang mit dem Integrierten Energie- und Klimakonzept der Stadt Essen offen zu diskutieren und lud die Teilnehmer ein, das Bürgergutachten in Kürze im Rathaus nochmals persönlich vorzustellen.

Der Teilnehmer El Bachir Boutaleb ist vom Verfahren der Konsensuskonferenz fasziniert: "Konsens ist eine Herausforderung. Einige Hürden müssen beseitigt werden, und das haben wir bei vielen Themen auch geschafft."

Die Diskussion geht weiter und soll mit möglichst vielen verschiedenen Akteuren aus dem Energiesektor fortgeführt werden. Stellungnahmen und Kommentare werden unter www.wissenschaft-debattieren.de veröffentlicht. Diskutieren Sie in wenigen Tagen mit!

Die Konsensuskonferenz zur Frage "Wie soll die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland aussehen?" stand unter der Schirmherrschaft von Reinhard Paß, Oberbürgermeister der Stadt Essen, und Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen. Sie ist Teil des Forschungsprojektes "Wissenschaft debattieren!", in dem Wissenschaft im Dialog (WiD) gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern des Forschungsinstituts ZIRN der Universität Stuttgart untersucht, mit welchen Mitteln und mithilfe welcher Veranstaltungsformate sich Bürger am besten am Diskurs über Forschungsthemen beteiligen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt lädt mit dem Slogan "Mitdenken, mitreden, mitgestalten" interessierte Jugendliche und Erwachsene zu einem intensiven Austausch über wissenschaftliche Themen ein.

Zusammenfassung: Das Bürgergutachten "Die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland"

Ergebnisse, Entscheidungen und Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger
Den drei üblichen Leitkriterien der Energieversorgung: Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit fügen die Bürger das Kriterium der Sozialverträglichkeit hinzu - aus WUV wird WUVS! Sie kritisieren, dass es zu wenig objektive Informationen und Beratung gibt, wünschen sich von der Wissenschaft mehr Forschung in Richtung Visionen und von der Politik mehr Investitionen in regenerative Energien und intelligente Technologien. Sie sind empört über nicht gelöste Lagerprobleme radioaktiver Abfälle. In ihrer Utopie für 2050 skizzieren die Bürger das Bild einer nachhaltigen Energieversorgung mit vernetzten und dauerhaften Lösungen, die auf regenerative Energien und Einsparungen setzen.

Bereich Strom
Wichtiges Ziel der Bürger ist Versorgungssicherheit im Rahmen von Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit, Sozialverträglichkeit. Einsparungen könnten durch eine verstärkte Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung realisiert werden. Wichtig ist eine deutliche Erhöhung des Anteils regenerativer Energien sowie dezentraler Energieerzeugung, auch durch sinnvolle Subventionen und innovative Forschung. Bei der Frage, ob die Kernspaltung im Jahr 2050 noch einen Beitrag zur Stromversorgung leisten sollte oder nicht, konnte kein Konsens erreicht werden.

Bereich Wärme und Kälte
Auch im Bereich Wärmeversorgung setzen die Bürger auf erneuerbare Energiequellen, dezentrale Wärmeversorgung und Einsparungen, zum Beispiel durch höhere Gebäudeeffizienz und Heiztechnik. Zentrale Voraussetzungen hierfür sind mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung von intelligenten und energiesparenden Technologien, verbesserte Beratung und kluge Anreizsysteme - im Haushalt und in der Industrie.

Bereich Mobilität
Um das Grundbedürfnis Mobilität zu decken, soll nach Willen der Bürger verstärkt auf Biokraftstoffe aus Abfall, auf Wasserstoff-, Elektro- und im Übergang auch auf Hybridantriebe gesetzt werden. Hierfür müsste die Wissenschaft das Speicherproblem lösen. Energieeinsparungen sind durch ein verbessertes Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs möglich: Aus dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr solle ein Unternehmen werden und der Rhein-Ruhr-Express Realität werden.

Bereich Produkte
Bei der Herstellung von Kunststoffen und Düngemitteln sollen Kohle, Biomasse und evtl. weitere neue Stoffe Öl und Erdgas weitgehend ersetzen. Die Energieeffizienz und Wiederverwertung von allen Produkten soll drastisch erhöht werden. Verlässliche Ökobilanzen und einheitliche Gütesiegel sollen den Verbrauchern alle Informationen bezüglich des Energieverbrauchs bei ihren Entscheidungen geben.

Die Empfehlungen im Einzelnen finden Sie unter http://www.wissenschaft-debattieren.de.


Fotos der Veranstaltung finden Sie unter http://www.wissenschaft-im-dialog.de im Bereich Presse.

Fragen der Journalisten beantwortet gern:
Maria Kolbert
Projektleiterin "Wissenschaft debattieren!"
Tel.: 030 / 206 22 95 65
maria.kolbert@w-i-d.de
Weitere Informationen: http://www.wissenschaft-debattieren.de
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