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Neue Publikation: Wahrheit im religiösen Kontext

16.03.2010 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Der Wahrheitsanspruch in den Religionen ist Thema einer Neuerscheinung in der Reihe "Orientwissenschaftliche Hefte" des Zentrums für Interdisziplinäre Regionalstudien (ZIRS) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Vor allem der Wahrheitsbegriff alttestamentlicher, jüdischer und islamischer Texte und Autoren wird in der Publikation von Theologen, Islamwissenschaftlern, Judaisten und Philosophiegeschichtlern untersucht und kritisch hinterfragt. Die Beiträge sind im Rahmen eines interdisziplinären Workshops entstanden, den die Graduiertenschule "Gesellschaft und Kultur in Bewegung" der MLU 2008 veranstaltete. Der Anspruch auf Wahrheit spielt insbesondere in den monotheistischen Religionen eine ganz entscheidende Rolle. Die Autoren des Bandes zeigen anhand von einzelnen Fallbeispielen, wie der Wahrheitsbegriff inhaltlich gefüllt wird, ob die jeweilige Wahrheit einer Autorität bedarf und wie sie argumentativ begründet werden kann. Dazu wählen sie zum Teil einen historischen Ansatz, der auch in aktuellen Diskursen als eines der wichtigsten Kriterien für Wahrheit gilt. Ein zweiter Ansatz nähert sich dem Thema über das Phänomen der Offenbarung, die als spezifisch religiöse Quelle für Wahrheit untersucht und in ihrem Verhältnis zum menschlichen Intellekt hinterfragt wird.

So betonen die islamwissenschaftlichen Beiträge von Asma Hilali und Heidrun Eichner entgegen anderslautenden Vorurteilen die starke Bedeutung von Historizität und Rationalität für die Begründung islamischer Dogmen. Während Elvira Wakelnig den Rückgriff auf klassisch-philosophische Konzepte zur Erklärung religiöser Offenbarungen im mittelalterlichen Islam (al-Farabi) und Judentum (Maimonides) beschreibt, diskutiert Björn Pecina, wie es dem jüdischen Aufklärer Moses Mendelssohn gelang, die Tora als spezielle Offenbarung an das Judentum in das Konzept einer allgemeinen aufgeklärten Religion zu integrieren. Johannes Thon führt in den Band ein, indem er den biblischen Sprachgebrauch für Lüge und Wahrheit deutet, und den Anspruch der Texte auf Klarheit hinterfragt. Zusammen mit Ahmed Abd-Elsalam demonstriert er, wie islamische Skepsis gegenüber der jüdisch-christlichen Bibel, Teil der kritischen Auseinandersetzung mit den Quellen der eigenen Tradition ist.

Die Orientwissenschaftlichen Hefte bieten den auf Orient und Asien bezogenen Fächern der MLU wie auch Wissenschaftlern aus anderen Bereichen, die in ihren Arbeitsgebieten Berührung mit dem Orient als geographische oder kulturelle Bezugsgröße haben, ein Medium, in dem Forschungsergebnisse vorgestellt und Erträge aus Veranstaltungen dokumentiert werden können. Der Herausgeber der Publikation, Dr. Johannes Thon, hat in Naumburg, Halle, Jerusalem und Berlin Theologie studiert und arbeitet seit seiner Promotion im Jahr 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bibelwissenschaften an der MLU.

Johannes Thon, Hrsg.:
The Claim of Truth in Religious Contexts. Results of an Interdisciplinary Workshop of the Graduate School "Society and Culture in Motion"

Orientwissenschaftliche Hefte, 27/2009. Halle (Saale), hrsg. vom Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien - Vorderer Orient, Afrika, Asien.
ISSN 1617-2469
83 Seiten, 8,50 Euro

Ansprechpartnerin:
Dr. Hanne Schönig
Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien - Vorderer Orient, Afrika, Asien (ZIRS)
Telefon: 0345 552 40 81
E-Mail: hanne.schoenig@zirs.uni-halle.de
Weitere Informationen: http://www.zirs.uni-halle.de/publikationen-owh-27.php
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