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Lungenkrebs: Kombinationstherapien auf dem Prüfstand

28.06.2003 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

(Essen) Patienten, die an Lungenkrebs erkrankt sind, profitieren von verschiedenen neuen Kombinationstherapien, bei denen Ärzte eine Strahlen-mit einer Chemotherapie kombinieren. Mehrere Arbeitsgruppen präsentieren auf dem DEGRO-Kongress in Essen neue Studienergebnisse.

Jährlich erkranken in Deutschland über 27.000 Männer an Lungenkrebs. Der Tumor ist bei Männern die zweithäufigste Tumorart - nach dem Prostatakarzinom. Bei den Frauen gehört der Lungenkrebs mit jährlich etwa 8.900 Neuerkrankungen zu den sechs häufigsten Krebsformen.Noch höher fällt der Anteil des Lungenkrebses an allen Krebstodesfällen mit 26 Prozent bei Männern beziehungsweise 9 Prozent bei Frauen aus. Das Rauchen ist in 70 bis 80 Prozent ein wesentlicher ursächlicher Faktor. Trotz aller Bemühungen der Medizin sind die Heilungschancen bei diesem Tumor noch immer sehr niedrig. Nur 10 bis 15 Prozent der Betroffenen werden dauerhaft geheilt.

In den letzten Jahren haben Ärzte deshalb verschiedene Strategien erarbeitet, um die Therapieergebnisse beim Lungenkrebs zu verbessern. Bei diesen Tumoren haben die rasanten technischen Entwicklungen der Strahlentherapie eine besondere Bedeutung, da Herz und Lunge sehr strahlenempfindlich sind. Die dreidimensionale Bestrahlungsplanung und neue Techniken wie intensitätsmodulierte Bestrahlung ermöglichen eine exakte Anpassung der Bestrahlungsfelder an die individuelle Form des Tumors bei besserer Schonung des gesunden Gewebes.

Bei Lungenkrebs unterscheidet man den sogenannten kleinzelligen Typ von der nicht-kleinzelligen Variante. Am Tumorzentrum Essen erforscht eine "Arbeitsgruppe Bronchialkarzinom" die aggressiven nicht-kleinzelligen Tumoren, um Diagnostik und Therapie zu verbessern.

Strahlentherapie liefert den Tumor ans Messer.

Auf der DEGRO-Tagung präsentieren die Ärzte dieser Arbeitsgruppe neue Studienergebnisse. Sie hatten 30 Patienten mit fortgeschrittenen Bronchialkarzinomen nicht wie früher üblich nach einer Operation sondern davor in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt. Ziel war, entweder zu großeTumoren doch noch operabel zu machen, oder das Ausmaß der Operationen zu reduzieren und damit schonendere Verfahren zu ermöglichen. Die Strahlentherapie ist umso wirksamer, je besser die Sauerstoffversorgung durch rote Blutkörperchen ist. Deshalb verordneten die Ärzte ihren Patienten zusätzlich das Medikament Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen steigert.

Bei 21 der 30 Patienten schrumpfte der Tumor auf mindestens die Hälfte seiner ursprünglichen Größe, bei drei Patienten bildete er sich vollständig zurück. Nahezu die Hälfte aller Patienten konnten nach der Vorbehandlung operiert werden, bei elf Patienten war es sogar möglich, den Tumor im Gesunden zu entfernen. Nach zwei Jahren betrug die Überlebensrate 58 Prozent. Dies werten Experten als ausgezeichnetes Ergebnis.

In einer weiteren Studie an mehreren Zentren untersuchten Radioonkologen bei 110 Patienten ob eine Intensivierung der herkömmlichen Therapie die Heilungschancen bei Lungenkrebs erhöhen kann. Dabei wurden die Patienten zunächst nur chemotherapiert, dann folgte eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie, anschließend wurde der Lungentumor operiert. Die Vergleichsgruppe wurde in üblicher Weise mit Operation und Nachbestrahlung therapiert.

Die kombinierte Vorbehandlung konnte das Risiko, nach einem Jahr an der Erkrankung zu sterben, um 20 Prozent senken. Die so behandelten Patienten blieben auch länger ohne Rückfall (16 Monate, bei herkömmlicher Behandlung nur 10 Monate). Die Forscher betonen, dass die intensivierte Behandlung darüber hinaus für die Patienten gut verträglich war und die Komplikationsrate für die Operation nicht erhöht wurde.

Länger leben mit inoperablem Lungenkrebs.

Auch bei Patienten, deren Lungenkrebs nicht mehr operabel war, konnten die Ärzte erhebliche Fortschritte erzielen. Eine Studiengruppe der Universitäten München, Leipzig, Würzburg und Frankfurt haben 300 Patienten mit hochdosierter Strahlentherapie und gleichzeitiger Chemotherapie behandelt. Alle erhielten zunächst eine alleinige Chemotherapie eine Gruppe wurde anschließend mit einer kombinierten Strahlen-Chemotherapie behandelt, während die Vergleichsgruppe ausschließlich bestrahlt wurde.
Die Ergebnisse der kombinierten Therapie waren deutlich besser: bei 16 Prozent bildete sich der Tumor vollständig zurück, während dies bei alleiniger Bestrahlung nur bei sechs Prozent erreicht werden konnte. Drei Monate nach Abschluss der Behandlung zeigte sich bei den nur Bestrahlten ein Fortschreiten der Erkrankung bei 40 Prozent, hingegen wurde beobachteten dies die Ärzte nach der Kombinationsbehandlung nur bei 25 Prozent der Patienten.

Pressekontakt:

Prof.Dr. Marie-Luise Sautter-Bihl, Klinik für Strahlentherapie, Städt. Klinikum Karlsruhe
Tel. (0721)974-4000, Fax (0721)974-4009,
Handy 0172 7326404
während des Kongresses: Congress Center Süd, Raum P
Tel. (0201)803-6013, Fax (0201)803-6014
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