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GenerationenHochschule thematisiert Kriminalitätsfurcht

21.04.2010 - (idw) Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

Am Dienstag, dem 20. April 2010, konnte Hochschul-Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann einmal mehr 250 interessierte Generationen-Studenten im vollbesetzen AudiMax auf dem Wernigeröder Campus begrüßen. Auf dem Vorlesungsplan stand ein Thema, dass sich die Teilnehmer selbst in Befragungen gewünscht hatten: "Medienkonsum und gesteigerte Kriminalitätsfurcht - Kausalität oder Korrelation?". Als Referentin konnte die Hochschule Harz (FH) Dr. Daniela Klimke, Diplom-Soziologin und Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Sicherheits- und Präventionsforschung, begrüßen.

Gesetze und Justiz repräsentieren die objektive Seite der Kriminalität, doch die Universitätsdozentin warf einen Blick auf die subjektive Komponente. Die meisten Menschen erleben Kriminalität nie am eigenen Leib, dennoch fürchten sie sich davor. Kriminalitätsfurcht beruht meist nicht auf Erfahrungen, sondern wird durch Medienberichte beeinflusst. "Die Medien dramatisieren und machen die Täter zu Negativ-Stars", stellte Dr. Klimke fest, "lediglich spektakuläre und seltene Fälle schaffen es in die Medien und prägen so das Bild der Menschen". Seit der Einführung des Privatfernsehens sei die Anzahl von kriminalitätshaltigen Sendungen stark gestiegen. Auffallend ist dabei der Umgang mit Sexualstraftaten. "Dies wird medial erheblich ausgeschlachtet", bemerkt die Referentin. Interessant ist die Tatsache, dass dieser Bereich weniger als 1 % der gesamten Straftaten ausmacht. Es sei also nicht verwunderlich, dass es zu einer Überschätzung von Kriminalität kommt, obwohl die Kriminalitätsrate seit den 90er Jahren sinkt.

Eine weitere Erklärung für das Phänomen der Kriminalitätsfurcht bietet die Viktimisierungshypothese. Diese geht davon aus, dass sich Menschen, die bereits Opfer von Kriminalität geworden sind, stärker fürchten. Forscher konnten hier jedoch keinen klaren Zusammenhang feststellen. Ähnlich verhält es sich mit der Vulnerabilitätshypothese, die die subjektive Verletzbarkeit untersucht. Besonders Frauen und ältere Menschen weisen eine erhöhte Furcht auf, obwohl sie objektiv sicherer sind. Die Wahrnehmung der Frauen wird vor allem durch Sexualkriminalität beeinflusst. Sie fühlen sich schnell bedroht und neigen dazu, sich schreckliche Szenarien auszumalen. Ein Forschungsergebnis besagt jedoch, dass die Kriminalitätsfurcht bei beiden Geschlechtern im Grunde ähnlich groß ist, bei Befragungen antworten Frauen allerdings eher wahrheitsgemäß während Männer rollenspezifisch ihre Ängste herunterspielen.

Das Fazit der zweistündigen Vorlesung war überraschend: "Im Grunde kann man sagen, dass Kriminalitätsfurcht an sich ein Artefakt der Wissenschaft ist und so gar nicht existiert sondern ein Kanal für verschiedene diffuse Ängste ist", so die Expertin. Die Kriminalitätsforschung zeigte sich bei der GenerationenHochschule als faszinierendes Wissensgebiet, das sicherlich noch viele offene Fragen bereit hält.

Die nächste GenerationenHochschule findet am 4. Mai 2010 zwischen 17 bis 19 Uhr in der "Papierfabrik" auf dem Wernigeröder Hochschulcampus statt. Prof. Dr. André Niedostadek vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften referiert über "Literatur vor Gericht". Anmeldungen sind unter http://www.generationenhochschule.de möglich.
Weitere Informationen: http://www.generationenhochschule.de
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