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Gebaute Utopien. Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe

28.04.2010 - (idw) Franckesche Stiftungen zu Halle

Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2010
9. Mai- 03. Oktober 2010 | Di- So 10-17 Uhr
Historisches Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen

Eröffnung am 8. Mai 2010, 16.00 Uhr
"Vorwärts, wir müssen zurück - Zum Neohistorismus unserer Gegenwartsarchitektur"
Festvortrag von Dr. Dieter Bartetzko, Architekturkritiker und Publizist
Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen

Einladung zur Pressekonferenz am
6. Mai 2010, 11.00 Uhr
Historisches Waisenhaus Form und Material, Funktion und Ästhetik, Nutzung und Repräsentation, Imagination und Wirklichkeit. Architektur wird gerade im Jahr der IBA-Stadtumbau Sachsen-Anhalt heiß diskutiert. Die Franckeschen Stiftungen zu Halle geben dieser Diskussion mit ihrer Jahresausstellung Gebaute Utopien: Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe einen besonderen Impuls, indem sie das breite Spektrum dessen abschreiten, was seit dem Beginn der Frühen Neuzeit architektonische Vorstellungen beeinflusste, was bis heute Architektur bedingt, wie sie wahrgenommen wird und wie sie sich präsentiert. Zwei Jahre wurde in Archiven und Bibliotheken in ganz Deutschland, den Niederlanden, Dänemark bis hin zu Sammlungen in den USA recherchiert. Über 400 Objekte werden jetzt die Franckeschen Stiftungen inmitten der europäischen Architekturgeschichte positionieren, zeichnen die Entstehungsgeschichte des europaweit einzigartigen Baudenkmals der Schularchitektur und setzen damit im 20. Jahr ihres Wiederaufbaus einen deutlichen Akzent auf dem Weg zur Anerkennung als UNESCO-Welterbe.

Als der Theologe August Hermann Francke (1663-1727) vor den Toren der Stadt Halle den Grundstein für seine Schulstadt legte, stützte er sich die auf die Vorstellungen der pietistischen Gesellschaftsreform. Das Bauensemble umfasste bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Waisenhaus von schlossartiger Dimension, mehrere Schulen, eine Bibliothek, eine Druckerei, ein Krankenhaus sowie spezialisierte Wirtschafts- und Funktionsgebäude. Eine idealtypische Anlage, deren Modell bald europaweit ausstrahlte. Religiöse Siedlungen sowie Stadtneugründungen in Deutschland, Skandinavien, West- und Osteuropa, Südindien und an der Ostküste Nordamerikas wurden von der Gesamtanlage der heutigen Franckeschen Stiftungen beeinflusst.

Vor diesem Hintergrund lädt die Jahresausstellung mit einer spannenden Inszenierung der Leipziger Kreativen KOCMOC zu einer Zeitreise durch das Verständnis von Architektur ein. Vergessene Fotografien, unbekannte Pläne und einzigartige Modelle lassen die Ideen- und Baugeschichte der Franckeschen Stiftungen seit der Frühen Neuzeit aufleben und machen in ihrem Zusammenspiel die Verbindung von Architekturtheorie, utopischen, pietistischen und politischen Entwürfen sowie alltäglichen Lebensbedürfnissen transparent. Auf faszinierende Weise wird so die untrennbare Wechselbeziehung von Architektur, Gesellschaft und Leben beschrieben. Eben dieser Zusammenhang bestimmte auch den Umgang mit der Schulstadt in der Moderne. Über 300 Jahre war auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen gebaut worden. Die Enteignung im Jahr 1946 läutete erstmals in der Geschichte der Schulstadt einen unverantwortlichen Verfall des Gebäudeensembles ein. Wie konkret in der DDR mit dem Erbe der Stiftungen umgegangen wurde, welche Pläne es für die Hochstraße nach Halle-Neustadt gab und welchen Platz die Franckeschen Stiftungen innerhalb der Sozialistischen Rekonstruktion der Altstadt Halles in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einnehmen sollten, konnte erstmals im Vorfeld der Ausstellung detailliert recherchiert werden.

Besonderes Augenmerk legte der Kurator der Ausstellung PD Dr. Holger Zaunstöck auf den Begleitkatalog. Acht Hauptessays korrespondieren mit den Räumen in der Ausstellung und erschließen gleichzeitig darüber hinausgehende Themenfelder. Ausgehend von der Zukunft der Stadt in der Frühen Neuzeit werden Sichtfelder frühneuzeitlicher Funktion und moderner Struktur aufgedeckt: Repräsentation und Funktion, Ordnung und Perspektive, Autonomie und Autarkie und nicht zuletzt im konkreten Bezug auf die Franckeschen Stiftungen die Frage nach der Göttlichen Providenz: Singularität oder Multiplizität stehen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtungen.


Der Katalog zur Jahresausstellung erscheint im Verlag der Franckeschen Stiftungen:

Gebaute Utopien: Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe. Katalog zur Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen vom 8. Mai bis 3. Oktober 2010. Hg. v. Holger Zaunstöck. Halle 2010 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 25).
264 S., 203 Abb.; ISBN 978-3-939922-25-4

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