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Modell ermoglicht Uberlebensprognose fur HIV-Patienten in Afrika

16.07.2010 - (idw) Universität Bern

Die Uberlebenschance von HIV-Patientinnen und -Patienten in Afrika sudlich der Sahara, die eine antiretrovirale Therapie (ART) beginnen, kann nun ermittelt werden: Eine internationale Forschergruppe unter Berner Leitung hat zwei Risiko-Modelle erstellt. Diese werden heute im Journal «The Lancet» publiziert. In Industrielandern existieren mehrere prognostische Modelle, um die Uberlebenschance von HIV-Patientinnen und -Patienten beim Start einer antiretroviralen Therapie (ART) zu berechnen. Obwohl in Entwicklungslandern die Todesraten vor allem im ersten Jahr der Therapie weitaus hoher sind, gab es bisher keine entsprechenden Vorhersage-Modelle fur HIV-Infizierte in Afrika sudlich der Sahara. Prognosen fur Patienten, die eine antiretrovirale Therapie beginnen, sind wichtig fur die klinische Entscheidungsfindung, um Patienten zu beraten sowie fur die Planung von Gesundheitsversorgung und Behandlungsrichtlinien.
Die Forschergruppe um Matthias Egger vom Institut fur Sozial- und Praventivmedizin der Universitat Bern hat nun zwei neue prognostische Modelle entwickelt, um das Sterberisiko im ersten Jahr der Therapie in Afrika sudlich der Sahara abzuschatzen. Die Wissenschaftler identifizierten Risikofaktoren fur den Tod von Patienten zu Beginn der antiretroviralen Therapie in vier grossen Programmen in der Elfenbeinkuste, in Sudafrika und Malawi. Sie analysierten Daten von uber 11000 erwachsenen Patientinnen und Patienten, welche die Therapie zwischen 2004 und 2007 begonnen hatten.

Modelle mit und ohne CD4-Helferzellen
Anhand von statistischen Analysen wurde zuerst ein prognostisches Modell entwickelt, das auf funf klinischen Vorhersage-Indikatoren beruht: der Anzahl bestimmter Abwehrzellen, die vom HI-Virus infiziert und zerstort werden (CD4-Helferzellen), dem klinischen Stadium, dem Korpergewicht, dem Alter und dem Geschlecht («CD4-Modell»). Da die Anzahl CD4-Zellen in vielen afrikanischen Kliniken nicht routinemassig gemessen wird, entwickelten die Forschenden zusatzlich ein zweites Modell. Dieses ersetzt die Zahl der CD4-Zellen durch die Gesamtzahl an Abwehrzellen (Totale Lymphocytenzahl) und die Hamoglobin-Konzentration im Blut. Blutarmut hangt mit einem schnellen Fortschreiten der Krankheit und hohen Todesraten zusammen unabhangig von der Menge CD4-Zellen («Total Lymphocyten und Hamoglobin Modell»). Insgesamt lieferten beide Modelle ahnlich genaue Vorhersagen eines fruhen Todes von Patienten, welche die Therapie starteten, verglichen mit den beobachteten Todeszahlen. «Beide Modelle wiesen eine gute Trennscharfe auf», sagt Matthias Egger. «Die Anzahl CD4-Zellen prognostiziert eine HIV-1-Infektion am besten, fur Vorhersagezwecke ist sie jedoch durch die Hamoglobin- und Abwehrzellen-Werte ersetzbar, was die Kosten reduziert.»

Quellenangabe:
Margaret May, Andrew Boulle, Sam Phiri, Eugene Messou, Landon Myer, Robin Wood, Olivia Keiser, Jonathan A C Sterne, Francois Dabis, Matthias Egger: Prognosis of patients with HIV-1 infection starting antiretroviral therapy in sub-Saharan Africa: a collaborative analysis of scale-up programmes. The Lancet, 16. Juli 2010, doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60666-6

Weitere Auskunft:
Prof. Dr. Matthias Egger
Institut fur Sozial- und Praventivmedizin der Universitat Bern
Finkenhubelweg 11, 3012 Bern
Tel. +41 (0)79 239 97 17
egger@ispm.unibe.ch
Weitere Informationen: http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2010/an...
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