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Krankenpfleger töteten 326 Patienten seit 1970

17.08.2010 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Buch von Prof. Dr. Karl H. Beine erstellt Täterprofil: Die Täter sind männlich, Außenseiter und geben sich vorher zu erkennen. Die Taten wären also in vielen Fällen zu verhindern gewesen. Für Prof. Dr. Karl H. Beine, Psychiater an der Universität Witten/Herdecke, ist das Täterprofil eine Pflegers, der Patienten tötet, eindeutig: "Sie sind meist männlich, sie sind in ihrem Team meist die Außenseiter und sie geben sich vor ihrer Tat oft zu erkennen. Das Team muss die verdeckten Hinweise nur erkennen können und darf im Alltag nicht darüber hinweggehen. Denn die Täter töten wiederholt!" Beine hat in seinem jetzt erschienenen Buch "Krankentötungen in Kliniken und Heimen - Aufdecken und Verhindern" alle 35 seit 1970 weltweit bekannt gewordenen Tötungsserien mit 326 Opfern untersucht.

Dabei kommt er zu dem Schluss, dass solche Fälle in jeder Einrichtung vorkommen können, das Risiko aber vermindert werden kann: "Die Täter trugen bei ihren Arbeitskollegen schon Spitznamen wie Todesengel oder Vollstrecker. Daraus kann man doch sehr gut schließen, dass die Umgebung bereits eine gewisse Form von Aufmerksamkeit aufgebracht hat". Nur hat die nicht zur Verhinderung der Tötungen gereicht, beklagt Beine. Die Täter sehen sich in der Regel als barmherzig, weil sie Menschen von ihrem Leiden erlösen und die menschenunwürdigen Zustände beenden wollen. Nur haben die Opfer in keinem der Fälle um Sterbehilfe gebeten.

Die Täter versuchen kühl und distanziert zu wirken, zeigen oft einen auffälligen Aktivitätsdrang, inszenieren sich als "Macher" und "Anpacker". Dabei verdecken sie aus Sicht von Beine ihre tiefe Selbstunsicherheit nur. "Sie leiden daran, dass sie nicht so einfach helfen und Leid lindern können, wie sie sich das wünschen. Aber anstatt zu kündigen, wie erwachsene Menschen das tun würden, fallen sie in eine Identitätskrise, aus der es für sie nur den Ausweg gibt, Patienten, die in ihren Augen besonders leiden, zu töten. Einer der Täter fasste das mal in die Worte das war für beide eine Erlösung'. Diese Mischung aus eigenem und fremdem Leiden bildet ein festes Knäuel." Dabei hätte die Umgebung in fast jedem der Fälle mit genügend Aufmerksamkeit die Taten verhindern können. Denn die Täter zeigen oft eine sehr rohe Sprache gegenüber den Patienten. Ausdrücke wie krepieren sind ebenso an der Tagesordnung wie unverhohlene Drohungen: "Schauen Sie sich den Ex an, wenn's weiter so lästig sind, dann sind Sie der nächste." So werden die Patienten entwertet, aber auch die als sinnlos empfundene eigene Arbeit. "Die Täter töten oft mit Medikamenten, deren Fehlen nicht bemerkt wird. Die Leichenschau wird oberflächlich gehandhabt, Beschwerden von Angehörigen oder Arbeitskollegen über die Täter werden unter den Teppich gekehrt. Dadurch kommt Resignation auf", beschreibt Beine das Umfeld der Taten.

Aus diesen Frühwarnzeichen hat Beine in seinem Buch 13 Prüffragen entwickelt. Würden Auffälligkeiten bei vermehrten Todesfällen in Verbindung mit den Anwesenheitszeiten von Mitarbeitern sofort registriert? Wie gut ist unsere Medikamentenkontrolle? Gibt es bei uns die Möglichkeit einer anonymen Meldung kritischer Ereignisse? Denn in seinen Augen ist kein Krankenhaus und kein Heim vor solchen Entwicklungen geschützt. "Wenn sich ein Team diese Fragen in Ruhe regelmäßig stellt, können vielleicht in Zukunft einige dieser dramatischen Taten verhindert werden", hofft Beine.

Ihn hat das Thema vor rund 20 Jahren gepackt. Damals beging ein ihm persönlich bekannter Pfleger 10 Tötungen. "Das war für mich unfasslich, wie jemand, der wie ich angetreten ist, Leiden zu lindern und Menschen zu helfen, diese Aufgabe plötzlich so ins Gegenteil verdreht. Daraus hat sich bis heute eines meiner Forschungsfelder entwickelt."


Weitere Informationen bei Prof. Dr. med. Karl H. Beine, 02381/18-2525, karl-h.beine@marienhospital-hamm.de

Das Buch von Karl H. Beine: Krankentötungen in Kliniken und Heimen, Aufdecken und Verhindern, 350 Seiten, 27,90 ISBN 978-3-7841-1973-1 ist im Lambertus-Verlag, Freiburg erschienen. Der Verlag schickt Ihnen gerne ein kostenloses Rezensionsexemplar zu. Materialien wie Cover- und Innenabbildungen finden Sie auch auf der Homepage: www.lambertus.de
Weitere Informationen: http://www.lambertus.de
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