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Schmerztherapie im Krankenhaus: machbar, aber mangelhaft

15.09.2010 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Über 80 Prozent der Patienten erleiden unnötig starke Schmerzen
RUB-Forscher empfehlen Kooperationen und Konzepte

Das schmerzfreie Krankenhaus ist möglich nur meistens noch nicht Realität. Zu diesem Schluss kommen Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Maier (Schmerzambulanz RUB-Klinikum Bergmannsheil). Ihre Befragung von über 4.000 Patienten ergab, dass sowohl konservative als auch operative Stationen ihren Patienten eine adäquate Schmerztherapie bieten könnten, die in den meisten Kliniken allerdings an fehlenden Absprachen und Kooperationen scheitert. So leiden mehr als 80 Prozent der Patienten in Krankenhäusern zu starke Schmerzen, besonders auf konservativen Stationen. Nach Operationen ist die Schmerzbehandlung besser, besonders nach großen Eingriffen. Die Forscher berichten über ihre Studie in der aktuellen Ausgabe des Ärzteblatts.

Mehr als die Hälfte hat unerträgliche Schmerzen

Sie werteten für das Projekt Schmerzfreies Krankenhaus Fragebögen von 4.157 Patienten aus, die zwischen 2004 und 2006 in 25 deutschen Kliniken interviewt worden waren. Erfasst worden waren der aktuelle Ruheschmerz, der aktuelle Belastungsschmerz und der maximale Schmerz in den letzten 24 Stunden. Je rund ein Drittel der Patienten auf chirurgischen und konservativen Stationen gaben an, unter mäßigen bis starken Ruheschmerzen zu leiden; je mehr als die Hälfte klagten über belastungsabhängige Schmerzen dieser Stärke. Insgesamt gaben mehr als die Hälfte aller Patienten (55 % operierte, 58 % konservativ behandelte) an, unerträgliche Schmerzen zu haben. Bei zwei Dritteln der Patienten traten die schlimmsten Schmerzen außerhalb der normalen Dienstzeiten des Personals auf, z.B. nachts. Dabei waren die Ergebnisse auf konservativen Stationen schlechter als auf chirurgischen. 85 % aller operierten Patienten erhielten ein Schmerzmittel, aber nur 57 % der konservativ behandelten. Über 55 % der Befragten gaben der Schmerztherapie eine schlechte Note.

Studie zeigt, dass es geht

Die Erhebung zeigte aber auch, dass es in einigen Kliniken durchaus gelingt, den meisten Patienten eine adäquate Schmerzbehandlung anzubieten. Nach den Erfahrungen im operativen Bereich wäre vermutlich auch in konservativ therapierenden Abteilungen der erste entscheidende Schritt, eine spezielle Betreuung von Patienten mit starken oder schwer behandelbaren Schmerzen durch einen Akutschmerzdienst sicherzustellen, schließen die Experten. Positiv bewerteten sie, dass Patienten mit Tumorerkrankungen wesentlich besser schmerztherapeutisch versorgt sind als früher. Auch die Verfahren der Fast-Track-Chirurgie lobten sie. Dabei erholen sich Patienten nach großen Eingriffen schneller, auch aufgrund einer lückenlosen Schmerzbehandlung. Für die besonders häufigen kleineren Eingriffe gibt es aber kaum fachübergreifende schmerztherapeutische Absprachen, kritisieren die Spezialisten. Diese Befragung spiegelt die Ausgangssituation des Projekts Schmerzfreies Krankenhaus, erklärt Prof. Maier, inzwischen sind wir natürlich weiter. Und unsere Erfahrungen mit über 70 Abteilungen zeigen, dass sich die Schmerzbehandlung durch Schulung, Motivation, Regeln zum Umgang mit Schmerzen und eine verbesserte Kooperation zwischen Ärzten und Pflegepersonal wesentlich verbessern lässt. Die Arbeit des Projekts Schmerzfreies Krankenhaus wurde als Zertifizierungsprogramm verstetigt.

Titelaufnahme

Maier, Christoph; Nestler, Nadja; Richter, Helmut; Hardinghaus, Winfried; Pogatzki-Zahn, Esther; Zenz, Michael; Osterbrink, Jürgen: Qualität der Schmerztherapie in deutschen Krankenhäusern/The Quality of Pain Management in German Hospitals. In: Arztebl Int 2010; 107(36): 607-14, DOI: 10.3238/arztebl.2010.0607


Weitere Informationen

Prof. Dr. Christoph Maier, Abt. f. Schmerztherapie, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-6366, E-Mail: christoph.maier@rub.de, http://www.certkom.com/

Redaktion: Meike Drießen
Weitere Informationen: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=78168
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