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Schulprojekt der Theologie: Neutestamentliche Apokryphen

26.10.2010 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Aktuelle Ergebnisse aus der Bibelforschung schneller an Schüler vermitteln: Darauf zielt die Exegese-Werkstatt ab, eine neue Kooperation des Lehrstuhls für Neutestamentliche Exegese der Universität Würzburg mit Gymnasien. Die Robert-Bosch-Stiftung fördert das Projekt. Unter Exegese verstehen Theologen die Auslegung biblischer Schriften. An der Exegese-Werkstatt beteiligen sich aus Würzburg das Matthias-Grünewald-, das Riemenschneider- und das Wirsberg-Gymnasium sowie aus Erlangen das Ohm-Gymnasium. Eingebunden ist auch das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität.

Mit einem Treffen der Direktoren und Fachlehrer am Lehrstuhl startete am 21. Oktober offiziell das Projekt, das vom Denkwerk-Programm der Robert-Bosch-Stiftung (Stuttgart) gefördert wird. Professor Bernhard Heininger hat dort Mittel für die kommenden drei Jahre eingeworben. Sein Antrag setzte sich gegen mehr als 100 Mitbewerber aus allen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern durch.

Texte aus der Frühzeit des Christentums

Das Würzburger Projekt stellt weithin unbekannte Texte aus der Frühzeit des Christentums in den Mittelpunkt, die nicht in den neutestamentlichen Kanon, die kirchlich verbindliche Zusammenstel-lung der biblischen Schriften, aufgenommen wurden. Diese als Apokryphen (verborgene Schriften) bezeichneten Texte wurden teilweise erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt, etwa das Thomas- und das Judasevangelium oder das so genannte Evangelium der Maria. Blockbuster wie Dan Browns Da Vinci-Code oder Mel Gibsons The Passion of the Christ beziehen ihr Wissen über die Geschichte Jesu oder des frühen Christentums häufig aus solchen Texten.

Hier setzt das Projekt an: War Maria Magdalena wirklich die Geliebte Jesu? War Judas gar der Freund Jesu (so das Judasevangelium)? Und wer gab in den Gruppierungen, denen jene Texte entstammen, eigentlich den Ton an: Waren es die Männer oder die Frauen? Die Apokryphen beantworten diese Fragen nicht wirklich, aber sie zeigen, was man darüber dachte. Sie öffnen ein Fenster zu einer weithin unbekannten Welt des frühen Christentums. Und sie helfen, die Bücher und die Filme eines Dan Brown oder Mel Gibson historisch besser einzuordnen.

Studientage an der Universität

Wie die Schulen von der Forschungsarbeit der Würzburger Theologen profitieren? Der Wissenstransfer erfolgt bei Studientagen an der Universität; der erste findet im Dezember für Lehrer und Referendare statt. Die Teilnehmer bekommen aktuelle Forschungsergebnisse rund um das Judasevangelium präsentiert.

Im Frühjahr folgen mehrere Studientage für die Schüler. Mit exegetischen Methoden studieren sie Quellen und interpretieren ausgewählte Texte. Zugleich gewinnen die Schüler Einblicke in die Bibel-wissenschaft, die gerade bei der Apokryphen-Forschung derzeit äußerst innovativ und produktiv sei, wie Professor Heininger sagt.

Mit ihren eigenen Forschungen an den Texten können die Schüler die Vielfalt des frühen Christen-tums entdecken. Die Texte liefern ihnen nicht nur unterschiedliche Bilder, beispielsweise von Jesus oder Judas. Sie dokumentieren zudem Lösungsstrategien und Antworten auf Fragen und Konflikte, die auch heute noch relevant sind, so Heininger.


An den Schulen wird das Projekt im Religionsunterricht durchgeführt. Angelegt ist es aber fächer-übergreifend, denn es schlägt Querverbindungen zu Literaturwissenschaften, Geschichte und den Klassischen Philologien.

Das Denkwerk-Programm der Robert-Bosch-Stiftung zielt darauf ab, Schüler, Lehrer und Geisteswissenschaftler noch besser zu vernetzen. Es will den Schülern Einblicke in die aktuelle Forschung ermöglichen und den Wissenstransfer von der Universität zur Schule beschleunigen.

Kontakt: Heinz Blatz, Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese der Universität Würzburg, T (0931) 31-82393, heinz.blatz@mail.uni-wuerzburg.de
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