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"Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst"

28.10.2010 - (idw) Universität Erfurt

Die Universität Erfurt hat in den vergangenen Jahren trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen massiv in die zur Universitätsbibliothek gehörende Forschungsbibliothek Gotha investiert. Und dies vor einem Szenario, in dem an anderer Stelle erhebliche Kürzungen in Kauf genommen werden mussten. So konnte beispielsweise die Zahl der Stellen in Gotha von 24 auf heute 28 erhöht werden hinzu kommen Drittmittelstellen. Besonders erfreulich: Neben der Einrichtung einer Junior-Professur am Forschungszentrum ist es der Universität im Jahr 2008 gelungen, mit Prof. Dr. Martin Mulsow einen international renommierten Früh-Neuzeithistoriker aus Amerika als Leiter eines Forschungszentrums nach Gotha zu holen. Wir tun dies, weil wir uns des Schatzes, mit dem wir hier betraut sind, überaus bewusst sind und versuchen, trotz schwierigster Rahmenbedingungen alles zu unternehmen, um neben unserem prioritären bildungspolitischen Auftrag auch einem kulturtouristischen Rechnung tragen zu können, erklärt Dr. Michael Hinz, Kanzler der Universität Erfurt und reagiert damit auf einen Vorwurf der Thüringer Landeszeitung, die Universität lasse die Gothaer Schätze brach liegen.

Dass die Forschungsbibliothek Gotha nicht nur im Bibliotheksgesetz des Landes Thüringen in einem Atemzug mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im benachbarten Weimar genannt wird, zeugt nicht nur von ihrem Renommee, sondern vor allem auch davon, dass das Land den Sondertatbestand Forschungsbibliothek Gotha erkannt hat. Während die HAAB jedoch als Einrichtung der Klassik Stiftung Weimar aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Kommune finanziert wird, unterhält die Universität Erfurt die Forschungsbibliothek aus eigenen Mitteln Sondermittel stehen hier bislang lediglich im Bereich der Bewirtschaftungskosten zur Verfügung. Wir werden nicht müde, auf den Sondertatbestand Forschungsbibliothek hinzuweisen, erklärt der Kanzler der Universität Erfurt. Aber so lange für die Finanzierung der Forschungsbibliothek, insbesondere für Personalkosten, keine Sondermittel zur Verfügung stehen, sind wir gezwungen, Prioritäten zu setzen. Und die liegen bei einer Universität nun einmal in ihrem Bildungs- und Forschungsauftrag und erst in zweiter Linie bei kulturtouristischen Aufgaben. Gleichwohl ist die Universität Erfurt im Dialog mit dem Land, erste Gespräche über künftige Möglichkeiten zur Mittelbereitstellung jenseits der allgemeinen Hochschulfinanzierung haben bereits stattgefunden.

Der heutige Bericht der Thüringer Landeszeitung hat ein Dilemma aufgezeigt, für das die Universität seit 1999, also seit der Angliederung der Forschungsbibliothek Gotha an die Universitätsbibliothek Erfurt, täglich Lösungen finden muss: Ein solch besonderes Kulturgut zu finanzieren und der Öffentlichkeit auch kuturtouristisch zugänglich zu machen, ohne dies auf dem Rücken von inzwischen mehr als 5000 Studierenden oder zu Lasten der Forschung in ihren beiden universitären Schwerpunkten Religion und Bildung zu tun. Das heißt für uns ganz klar, Prioritäten zu setzen, sagt Dr. Michael Hinz. Und das bedeute eben manchmal auch, dass man die Planung einer kostenintensiven Ausstellung zurückstellen muss, wenn man parallel über eine mögliche Streichung von Professuren redet. Das heißt nicht, dass uns die Gothaer Schätze nicht am Herzen liegen, sagt Hinz weiter. Im Gegenteil: In der Diskussion um die Streichung von Professuren, haben wir zwei Stellen, die in diesem Zusammenhang zur Disposition standen, besetzt gerade weil sie einen klaren Forschungsbezug zu Gotha haben.
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