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Studie der Hochschule Pforzheim: Deutschland ruft und nur Wenige fühlen sich angezogen

02.11.2010 - (idw) Hochschule Pforzheim

Integrationspolitik und Debatten über Punkte- oder Greencardsysteme bei Einwanderungswilligen sind zurzeit in aller Munde. Doch wollen qualifizierte ausländische Arbeitnehmer überhaupt zwischen Rhein und Oder arbeiten? Eine Studie zweier Professoren der Hochschule Pforzheim belegt, dass der deutsche Arbeitsmarkt nicht unbedingt hoch in der Gunst künftiger europäi-scher Akademiker steht. Gut 2.000 Studierende an europäischen Hochschulen wurden 2009 mit Hilfe anonymer Online-Befragungen interviewt. Grundsätzlich lehnte nur gut ein Viertel der Befragten Deutschland als künftiges Arbeitsland ab. Allerdings müssen sich die deutschen Unternehmen gegen attraktivere Standorte wie die USA oder Großbritannien durchsetzen. Vorhandene Deutschlanderfah-rung verbesserte die kritische Einschätzung der deutschen Soft Skills nicht. Im Gegenteil! Die Integrationsaktivitäten für Ausländer wurden in dieser Gruppe signifikant schlechter beurteilt.

Ein deutlicher Nachteil: die Sprache. Englischsprachige Länder mit einer lan-gen Einwanderungstradition sind bei den Fachkräften der kommenden Gene-ration deutlich beliebter. Doch nicht nur die fehlende Weltsprache mindert die Attraktivität Deutschlands auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Die Ein-schätzung des menschlichen Umfelds, der Arbeitsbedingungen, der Sicher-heit, der Infrastruktur und der Offenheit gegenüber anderen Kulturen sind ausschlaggebende Faktoren, ob sich künftige Fachkräfte mit einem Gastland anfreunden können. Während die rein formalen Charakteristika (z. B. allge-meine Infrastruktur oder die Sicherheit) positiv bewertet werden, konnten die Deutschen bei den Integrationsaktivitäten, dem menschlichen Umfeld oder auch bei der Offenheit gegenüber anderer Kulturen nicht wirklich überzeugen. Also Deutschland ruft und nur Wenige fühlen sich angezogen, wie die Pforzheimer Professoren Markus-Oliver Schwaab und Wolfgang Schäfer in ihrer Studie feststellten?

Im Frühjahr 2010 führten Schwaab und Schäfer eine zusätzliche Pilotstudie durch, befragt wurden türkische Studierende. Für die Repräsentanten der größten nichtdeutschen Gruppe in der Bundesrepublik sind Offenheit gegen-über anderen Kulturen, Integrationsaktivitäten und das menschliche Umfeld besonders wichtige Faktoren bei der Bewertung der Attraktivität eines künfti-gen Gastlandes. Deutschland überzeugte diese Akademiker in dieser Hin-sicht nicht. Hatten die türkischen Studierenden bereits Erfahrung in Deutsch-land gesammelt, war das Urteil noch skeptischer.

Die deutschen Unternehmen werden künftig auf ausländische Fachkräfte angewiesen sein. Die demografische Entwicklung macht die Anwerbung im Ausland nötig. Die Frage, die sich vielen Unternehmen stellen wird, ist, wie die Attraktivität des deutschen Standortes und das Image bei der Zielgruppe verbessert werden können. Die derzeitige Integrationsdebatte geht an diesem Thema vorbei. Von einem Run auf den deutschen Arbeitsmarkt kann keine Rede sein.
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