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Patientenorientierung in der Krebsmedizin stärken

04.11.2010 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Tag der Krebs-Selbsthilfe erarbeitete Strategien zum Abbau von Vorurteilen und forderte zügige Umsetzung des Nationalen Krebsplans Bonn (ct) Selbsthilfevertreter können Krebs-Betroffene vom Zeitpunkt der Diagnose bis hin zur Wiedereingliederung in den Alltag unterstützen. Zudem tragen sie dazu bei, Defizite in der Versorgung zu beseitigen. Doch noch immer gibt es Vorurteile gegenüber Selbsthilfegruppen den Mitgliedern wird Autoritätshörigkeit oder Selbstüberschätzung nachgesagt und die Gruppen gelten als Kaffeekränzchen. Diese Vorurteile müssen dringend abgebaut und die Patientenorientierung muss auf gesundheitspolitischer Ebene gestärkt werden. Das ist das Fazit des diesjährigen Tages der Krebs-Selbsthilfe am 3. November 2010. Die Deutsche Krebshilfe hat die Veranstaltung gemeinsam mit allen von ihr geförderten Krebs-Selbsthilfeorga¬nisationen zum nunmehr sechsten Mal ausgerichtet.

120 Vertreter der Selbsthilfe, Ärzte, Experten aus der Pflege und der Sozialarbeit, der psychosozialen Onkologie sowie aus dem physiotherapeutischen Bereich diskutierten in Bonn-Bad Godesberg über Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Versorgung von Krebs-Patienten. Denn die Unterstützungsangebote der Krebs-Selbsthilfeorganisationen sind unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Versorgung. Dennoch gibt es nach wie vor viele Vorurteile gegenüber Selbsthilfegruppen. Nur Deppen, die nicht mit sich selbst klar kommen, brauchen eine solche Gruppe dies ist ein Klischee, mit dem Peter Nieland, Physiotherapeut am Malteser Krankenhaus in Bonn und Vertreter des Zentralverbandes der Physiotherapeuten Deutschland ZVK, aufräumen will. Nieland arbeitet seit vielen Jahren mit Selbsthilfegruppen zusammen und schätzt den hier stattfindenden Austausch unter Gleichbetroffenen als Ergänzung zu seiner physiotherapeutischen Arbeit mit Krebs-Patienten sehr: In den Gruppen wird Mut und Lebensfreude vermittelt.

Auch Vertreter anderer Berufsgruppen, die täglich mit Krebs-Patienten arbeiten, teilen diese Wertschätzung, erleben häufig aber auch Defizite bei Selbsthilfe-Vertretern wie Autoritätshörigkeit oder Selbstüberschätzung. Und oft ist der Ansprechpartner einer Gruppe nicht bekannt oder nicht erreichbar, so Burkhard Lebert, Pflege- und Gesundheitswissenschaftler aus Heidelberg. Um die Selbsthilfe in der Pflege besser zu etablieren, hat er sich dafür eingesetzt, die Stellenbeschreibung von spezialisierten Pflegenden in der Onkologie zu ergänzen: Die Kooperation mit Selbsthilfegruppen ist nunmehr in der Ausbildungsordnung für onkologische Fachpflegekräfte verankert, so Lebert. Ulrich Kurlemann, Sozialarbeiter und Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG), empfiehlt Selbsthilfegruppen, sich durch ein professionelles Beratungs- und Informationsangebot etwa zu sozialrechtlichen Fragen oder Supervisionen unterstützen zu lassen, um die Akzeptanz für ihre wichtige Arbeit zu verbessern.

Neben der unmittelbaren Hilfe für Betroffene sind Selbsthilfe-Vertreter auch gesundheitspolitisch aktiv. So vertreten sie beispielsweise die Patienteninteressen im Nationalen Krebsplan. Diese konzertierte Initiative des Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat das Ziel, die Onkologie in Deutschland nach vorne zu bringen. In der Onkologie ist Patientenorientierung Qualitätsindikator für eine qualitativ hochwertige, umfassende Versorgung. Der Nationale Krebsplan ist daher ein sehr guter Weg für die zukünftige onkologische Versorgung, sagte Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, in Bad Godesberg.

Zahlreiche Arbeitsgruppen im Nationalen Krebsplan, besetzt mit Experten aus allen Bereichen der Krebsmedizin und der onkologischen Versorgung, befassen sich mit den Schwerpunktthemen Krebs-Früherkennung, Qualitätssicherung, Versorgungsstrukturen sowie der Stärkung der Patientenorientierung. Obwohl seit über seit zwei Jahren intensiv am Nationalen Krebsplan gearbeitet wird, ist er in der Bevölkerung kaum bekannt und die erarbeiteten Vorschläge sind noch nicht in der Umsetzungsphase. Zum Wohle des Patienten muss dies zeitnah geschehen, forderte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Er forderte das BMG auf, die Umsetzungsprozesse zu beschleunigen. An die gesundheitspolitischen Sprecher aller Parteien appellierte Nettekoven, bei der Umsetzung des Nationalen Krebsplans mitzuwirken und insbesondere der hier thematisierten psychosozialen Versorgung von Krebs-Patienten Raum in den politischen Debatten zu geben. Die Deutsche Krebshilfe fördert derzeit in einem strategisch ausgerichteten Programm 28 Krebsberatungsstellen mit einem Gesamtvolumen von 9,4 Millionen Euro mit dem Ziel, die psychosoziale Patientenversorgung und die Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich zu verbessern. Nach einer entsprechenden Evaluation der geförderten Beratungsstellen erwarten wir von der Gesundheitspolitik die Übernahme von qualitätsgesichert arbeitenden ambulanten Krebsberatungsstellen in die Regelfinanzierung, sagte Nettekoven.


Bonn, 4. November 2010

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