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Die Zeremonien mittelalterlicher Kaiser und Päpste

18.11.2010 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Achim Hack ist neuer Professor für Mittelalterliche Geschichte der Universität Jena Jena (18.11.10) Wer küsst wem die Füße? Das ist nicht nur eine Frage für manche Verliebte, sondern auch für Kaiser und Päpste symbolisiert dieses Ritual doch Macht und Abhängigkeiten. Mit den mittelalterlichen Zeremonien und Ritualen der Herrscher kennt sich Prof. Dr. Achim Hack von der Universität Jena besonders gut aus. Der frisch ernannte Lehrstuhlinhaber für Mittelalterliche Geschichte weiß: Die Päpste küssten noch den byzantinischen Kaisern die Füße, erst im 9. Jahrhundert kam es zu einem Wechsel. Die karolingischen Kaiser küssten nun die päpstlichen Füße das Machtverhältnis zwischen Kurie und Kaisern hatte sich gewandelt.

Über Empfangszeremonielle bei mittelalterlichen Papst-Kaiser-Treffen hat Hack 1996 in Tübingen promoviert, nachdem er zuvor dort und in Rom Mittelalterliche Geschichte und Vergleichende Religionswissenschaft studiert hat. Die Details haben sich verändert, aber die Kontinuität des Grundmodells dieser Zeremonien blieb über 1.000 Jahre, hat den gebürtigen Stuttgarter dabei besonders überrascht. Zwar seien die Zeremonien oft hinterfragt worden so etwa von Kaiser Barbarossa, der im 12. Jahrhundert vor seinem Treffen mit Papst Hadrian IV. erst davon überzeugt werden musste, dass sein Halten des päpstlichen Steigbügels keine Anerkennung eines Vasallentums, sondern eine Ehre für ihn sei. Aber selbst Barbarossa hielt sich daran und den Steigbügel des Papstes wie es in etlichen Chroniken verzeichnet ist, die für Prof. Hack die wichtigsten Quellen seiner Forschung sind.

Das umfangreiche Angebot alter Dokumente in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena sowie die starken Geisteswissenschaften an der Voll-Universität waren denn auch für den heute 43-Jährigen der Grund, dem Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität zu folgen und mit seiner Frau nach Jena zu ziehen. Hier will der zurückhaltende Historiker nicht nur weiterhin die Zeremonien der mittelalterlichen Herrscher erforschen und sich mit päpstlichen Briefen beschäftigen, wie er das bereits in seiner Habilitation von 2005 in Regensburg getan hat. Er hat darüber hinaus in Jena bereits mit der Edition eines spätmittelalterlichen Reiseberichts begonnen. Kaiser Friederich III. heiratete 1452 eine portugiesische Prinzessin, die er von seinen Gesandten in Lissabon abholen ließ eine Reise, bei der allerhand passierte: So wurden sie zuerst von Wegelagerern und später von Seeräubern ausgeraubt. Der Bericht hat also neben tiefen Einblicken in das Leben am Hofe auch einen starken Unterhaltungswert.

Die Rekonstruktion der mittelalterlichen Lebenswirklichkeit an den Herrscherhöfen steht auch bei einem anderen Projekt im Mittelpunkt. Prof. Hack hat Alter, Krankheit und Tod der Herrscher im frühen Mittelalter untersucht und seine Erkenntnisse am Beispiel der Karolinger im letzten Jahr veröffentlicht. Jetzt will der Neu-Jenaer diese Forschungen und ihre Folgen für die Herrschaft auf die Päpste, die oft älter als 50, 60 Jahre wurden, ab dem 6. Jahrhundert ausdehnen. Denn bei ihnen stehe neben dem Leiden der Herrscher unter anderem auch eine theologische Problematik. Fühlt sich ein kranker Papst als Sünder, als durch eine Krankheit von Gott Bestrafter?, lautet eine der Ausgangsfragen. Das Verhältnis des mittelalterlichen Christentums zum Islam ist ein weiteres Thema, mit dem sich der drahtige Mediävist in Jena beschäftigen will und weiß, dass er auch zu diesem Thema kompetente Partner an der Friedrich-Schiller-Universität findet.


Kontakt:
Prof. Dr. Achim Hack
Historisches Institut der Universität Jena
Fürstengraben 13
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944411
E-Mail: achim.hack[at]uni-jena.de Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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