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Uni Rostock unterstützt Modellprojekt des Landes MV

19.11.2010 - (idw) Universität Rostock

Für Mecklenburg-Vorpommern wird nächste Woche ein rechtsmedizinisches Modellprojekt gestartet. Es soll Opfern von Gewalt helfen, die Misshandlungen gerichtsfest dokumentieren zu lassen.

Das Rostocker Institut für Rechtsmedizin der Universität zeichnet ein düsteres Bild von zunehmender Gewalt im Land. Wir erleben das ganze Spektrum von akuten Gewaltausbrüchen sowohl bei Männern als auch bei Frauen, bis hin zu langjährigen Misshandlungen in Partnerschaften und Familien, sagt Professor Andreas Büttner (49), der Direktor des Rostocker Instituts für Rechtsmedizin. Das Spektrum der Misshandlungen reicht von der einfachen Ohrfeige bis hin zum Schlag mit dem Hammer oder Stich mit Schere und Messer, schildert Professor Büttner die Palette an Grausamkeiten.
Während sich in Rostock und Schwerin im vergangenen Jahr 101 Betroffene an den rund um die Uhr tätigen gerichtsärztlichen Dienst der Rostocker Rechtsmedizin wandten, um ihre Misshandlungen hier dokumentieren zu lassen, beziehungsweise Opfer von der Polizei geschickt wurden, werde die Zahl dieses Jahr deutlich höher sein, sagt Büttner Es gibt immer mehr Opfer, die nicht gleich eine Anzeige erstatten wollen, aber ihre Misshandlungen in gerichtsfesten Gutachten dokumentieren lassen möchten.

Auch in Vorpommern steigt die Gewalt. Inzwischen schauen Ärzte, Sozialarbeiter und Nachbarn genauer hin. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Greifswalder Instituts für Rechtsmedizin wider", betont die Direktorin, Professorin Britta Bockholdt. Im Jahr 2009 wurden in Greifswald und im Einzugsbereich Vorpommern 100 Patienten auf Verletzungen und eventuelle Misshandlungen untersucht, davon 42 Kinder. Der Trend bei Misshandlungen sei inzwischen leicht steigend. Professorin Bockholdt geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Um die auszuschalten, startet das Land ein rechtsmedizinisches Modellprojekt. Justizministerin Uta-Maria Kuder(CDU), sagt: Ich begrüße das rechtsmedizinische Modellprojekt für Mecklenburg-Vorpommern sehr. Es sei ein weiterer Schritt für einen effektiveren Opferschutz! Die Erfahrungen anderer Bundesländer mit Opferschutzambulanzen wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen oder Hamburg würden deutlich zeigen, wie wichtig es sei, gerade die Rechtsmedizin in bestehende Hilfesysteme zu etablieren. Verletzungen von Gewaltstrafbetroffenen werden sofort dokumentiert und führen letztlich zu einer besser gesicherten Überführung von Gewalttätern, so die Ministerin

Weil die strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung der Täter häufig an einer mangelnden oder nicht ausreichenden Beweissicherung scheitere, sollen künftig Gewaltstraftaten mit Beweisführung für ein späteres Strafverfahren erfasst werden. So konnte in Rostock dank der Unterstützung des Ärztlichen Direktors,
Professor Peter Schuff-Werner, dieses Jahr am Universitätsklinikum Rostock eine Opferambulanz für die Rechtsmedizin eingerichtet werden.
Wir wollen durch das Modellprojekt auch niedergelassene Ärzte sensibilisieren, uns bei auffälligen Befunden zu informieren und uns hinzuzuziehen, sagt Büttner. Den Opfern werde ermöglicht, sich auch ohne Anzeige untersuchen zu lassen.

Ein weiteres Problem sei sexueller Missbrauch sowohl in der Ehe als auch bei Kindern. Dieses Thema werde gesondert auf einer Landeskinderschutzkonferenz Anfang Dezember erörtert.

Die Taten finden vielfach unter Einfluss von Alkohol statt, schildert Büttner. Frust werde dann an Angehörigen ausgelassen. Wir erleben immer wieder, dass Ehefrauen jahrelang misshandelt werden, weil sie finanziell abhängig von ihrem Mann sind, sagt der Rechtsmediziner. Durch das Vermitteln von Kontaktadressen der Hilfsnetze hätten Frauen sich aber auch aus dem Teufelskreis befreien können. Gewalt erlebe ich in allen sozialen Schichten, sagt Büttner. Vor allem aber Arbeitslosigkeit und Alkohol fördern die Frustration und Gewaltbereitschaft.

Prof. Dr. Andreas Büttner
T: 0381 494 9900
Mail: andreas.buettner@med.uni-rostock.de
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