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Gesunder Rücken in Pflegeberufen

07.12.2010 - (idw) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Rückenschmerzen gehören zu den großen Problemen im Bereich der Alten- und Krankenpflege. In Krankenhäusern und Kliniken liegen die Krankenstandszahlen über dem Durchschnitt. Verantwortlich sind in erster Linie Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Prävention ist daher zwingend notwendig. Deshalb entwickelte 1995 eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe im Auftrag des BUK (Bundesverband der Unfallkassen) das Ergonomie basierte Programm "Rückengerechter Patiententransfer in der Kranken- und Altenpflege". Das Pflegekonzept wurde unter wissenschaftlicher Begleitung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) evaluiert. Der nun vorliegende Abschlussbericht zeigt, dass Teilnehmer des Präventionsprogramms weniger Rückenbeschwerden haben als Pflegekräfte ohne präventive Kenntnisse.

Wie viele Pflegekräfte die Ergonomie-Empfehlungen wie gut umsetzen, hängt vor allem von den betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Besonders erfolgreich kann das Programm dann umgesetzt werden, wenn das Präventionsprogramm in den Arbeitsalltag des gesamten Teams integriert wird, hauseigene Experten ausgebildet werden und die Anwendung begleiten und betriebliche Leistungsfunktionsträger das Programm unterstützen. Bei maximaler Anwendungshäufigkeit aller Prinzipien des Rückengerechten Patienten-Transfers, Praxisbegleitung und Wiederauffrischung des Gelernten kann die Häufigkeit der Rückenbeschwerden um 20-25 Prozent gesenkt werden. Zudem gaben bei maximaler Anwendungshäufigkeit 67 Prozent der Befragten eine verbesserte Rückenbefindlichkeit an, 63 Prozent empfanden die Arbeitsbelastung insgesamt als geringer. Das Ausmaß der Belastungsminderung hängt von der biomechanisch und ergonomisch fehlerfreien Umsetzung der Prinzipien ab.

Frühere Ergebnisse belegten bereits, dass sich durch das Präventionsprogramm nicht nur die Rückengesundheit verbessert, sondern auch das Gesundheitsbewusstsein, die Arbeitsorganisation und die Zusammenarbeit im Team.

Der Abschlussbericht kommt außerdem zu dem Schluss, dass sich das Präventionsprogramm auch finanziell lohnt. Eine Analyse von Krankenkassendaten für eine der untersuchten Einrichtungen gibt Hinweise auf einen Rückgang des Anteils von Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen aufgrund von Muskel- und Skelett-Erkrankungen in den ersten drei Jahren seit Beginn der Intervention um etwa 30 Prozent.

Die Autoren schließen daraus, dass das Präventionsprogramm "Rückengerechter Patiententransfer in der Kranken- und Altenpflege" geeignet ist, um körperliche Belastung und Lendenwirbelsäulenbeschwerden von Pflegenden zu reduzieren.

"Evaluation des Pflegekonzepts Rückengerechter Patiententransfer in der Kranken- und Altenpflege. Langzeit-Follow-up zur Ermittlung der Nachhaltigkeit präventiver Effekte"; Dr. Martina Michaelis, Stella Hermann; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin; ISBN 978-3-88261-125-0; 154 Seiten.

Der Bericht befindet sich im PDF-Format (2,5 MB) zum Herunterladen im Bereich Publikationen auf der BAuA-Homepage http://www.baua.de.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz. Weitere Informationen: http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2196.html Direkter Link zum Bericht "Evaluation des Pflegekonzepts Rückengerechter Patiententransfer in der Kranken- und Altenpflege"

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