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Göttinger Wissenschaftler: Wal-Wurm frisst auch Vogelknochen

08.12.2010 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

In rund 3.000 Metern Wassertiefe lebt der Wurm Osedax. Der Tiefseewurm ernährt sich von den Knochen toter Wale. Bisher wurde angenommen, dass sich Osedax parallel zu seiner wichtigsten Nahrungsquelle, den Walen, entwickelt hätte. Doch möglicherweise hat der Tiefseewurm die Meere bevölkert, lange bevor sich Wale überhaupt entwickelt haben. Molekularbiologische Untersuchen legen nahe, dass Osedax bereits in der Kreidezeit existiert haben könnte. Eine neue Studie unter der Leitung des Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Universität Göttingen hat ergeben, dass sich Osedax auch von den Knochen Pinguin-artiger Tauchvögel ernährt hat. Pressemitteilung Nr. 258/2010

Göttinger Wissenschaftler: Wal-Wurm frisst auch Vogelknochen
Fossile Spuren liefern neue Einblicke in die Entwicklung des Tiefseewurms Osedax

(pug) In rund 3.000 Metern Wassertiefe lebt der Wurm Osedax. Der Tiefseewurm ernährt sich von den Knochen toter Wale. Bisher wurde angenommen, dass sich Osedax parallel zu seiner wichtigsten Nahrungsquelle, den Walen, entwickelt hätte. Doch möglicherweise hat der Tiefseewurm die Meere bevölkert, lange bevor sich Wale überhaupt entwickelt haben. Molekularbiologische Untersuchen legen nahe, dass Osedax bereits in der Kreidezeit existiert haben könnte. Diese Theorie wirft jedoch die Frage auf, was der Wurm nach dem Aussterben der großen Meeresreptilien am Ende der Kreidezeit vor etwa 65,5 Millionen Jahren und vor der Evolution der Wale gefressen haben soll. Eine neue Studie unter der Leitung des Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Universität Göttingen hat ergeben, dass sich Osedax auch von den Knochen Pinguin-artiger Tauchvögel ernährt hat. Die Ergebnisse sind in der Internetausgabe der Fachzeitschrift Naturwissenschaften erschienen und werden im Januar in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht.

Die Studie zeigt, dass Osedax bei der Nahrungssuche nicht auf Säugetierknochen beschränkt ist. Zudem gibt es bereits seit der Kreidezeit Meeresvögel diese könnten dem Tiefseewurm nach dem Aussterben der großen Meeresreptilien das Überleben gesichert haben. Die von den Forschern untersuchten Vogelknochen sind etwa 30 Millionen Jahre alt und zeigen auf ihrer Oberfläche kleine Bohrlöcher. Diese sind bis zu drei Millimeter tief und bilden im Inneren des Knochens ein weites Netzwerk. Diese Bohrlöcher sind identisch mit Osedax-Bohrlöchern, die wir aus heutigen und fossilen Walknochen kennen, erklärt Dr. Kiel.

Überraschend ist aus Sicht der Forscher nicht nur, dass Osedax offenbar Vogelknochen fressen konnte. Auch die Größe des Vogels, in dessen Knochen die Wissenschaftler die Bohrlöcher entdeckt haben, ist bemerkenswert. Er war nicht mehr als 80 Zentimeter groß. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass Osedax große Walknochen, die lange auf dem Tiefseeboden liegen, leicht entdecken und besiedeln kann. Die vergleichsweise kleinen Vogelknochen, so die bisherige Annahme, wurden zu schnell von Sediment bedeckt oder von Aasfressern verschleppt, um Osedax als Nahrung zu dienen. Aber offensichtlich ist dieser Wurm ein schneller und effizienter Nahrungssucher, so Dr. Kiel. Allerdings sind die Bohrlöcher in den Vogelknochen nur eine erste Spur. Noch ist unklar, ob es den Tiefseewurm wirklich bereits in der Kreidezeit gab. Die wenigen Plesiosaurier und Ichtyosaurier, die ich bisher in Museen untersucht habe, zeigten keine Bohrlöcher, erklärt Dr. Kiel. Aber eine systematische Suche nach den Spuren von Osedax steht noch aus.

Originalveröffentlichung: Steffen Kiel et al. Osedax traces in fossil marine bird bones. Naturwissenschaften, advance online publication. DOI: 10.1007/s00114-010-0740-5 (2010).

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos zum Thema haben wir unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3730 zum Download bereitgestellt.


Kontaktadresse:
Dr. Steffen Kiel
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Geowissenschaften und Geographie Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-10954, Fax (0551) 39-7918
E-Mail: skiel@uni-goettingen.de
Internet: www.geobiologie.uni-goettingen.de/people/skiel/index.shtml Weitere Informationen: http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3730
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