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Hochschulstadt: Städte, Hochschulen und Studentenwerke vernetzen sich

09.12.2010 - (idw) Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

- Konferenz Die Hochschulstadt: ein Modell für die Zukunft Deutschlands in Jena war ein großer Erfolg

- Deutscher Städtetag, Hochschulrektorenkonferenz und Deutsches Studentenwerk erstmals mit gemeinsamer Veranstaltung

- Mehr als 200 Teilnehmende entwickeln Ideen für die Zukunft der Hochschulstadt

- Themen: Wirtschaftliche Effekte, Wohnungsmarkt, familienfreundliche Hochschulen, Stadtmarketing, Stadtplanung, Stadtkultur und -gesellschaft

Als großen Erfolg und Start für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Städten, Hochschulen und Studentenwerken bezeichnen die Veranstalter die Konferenz Die Hochschulstadt: ein Modell für die Zukunft Deutschlands, die am Dienstag und Mittwoch in Jena stattfand.

Zum ersten Mal luden der Deutsche Städtetag, die Hochschulrektorenkonferenz und das Deutsche Studentenwerk zu einer gemeinsamen Konferenz ein. Mehr als 200 Forscherinnen und Forscher, Vertreterinnen und Vertreter von Städten, Hochschulen, Studentenwerken sowie Studierende nahmen teil.

Als wichtigstes Ergebnis der Konferenz aus der Sicht des Deutschen Studentenwerks (DSW) nennt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde: Die Städte, die Hochschulen und die Studentenwerke wollen sich stärker vernetzen, sich intensiver und regelmäßiger austauschen und sie haben ein geschärftes Bewusstsein, was sie voneinander lernen können und wie sie voneinander profitieren können.

Die Städte begreifen Hochschulen und Wissenschaft immer stärker als einen entscheidenden Standortfaktor. "Eine Hochschule ist für eine Stadt ein Jungbrunnen, erläutert Prof. Dr. Klaus Dicke, Rektor der Universität Jena und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). "Für die positiven Effekte, die durch eine zielgerichtete Kommunikation und Kooperation im Dreieck Hochschule, Studentenwerk und Stadt möglich sind, liefert Jena ein hervorragendes Beispiel.

Meyer auf der Heyde betont: Die Städte, die Hochschulen und die Studentenwerke haben auf der Konferenz gemeinsam Ideen und Handlungsempfehlungen formuliert. Ich sehe darin den Kern für neue gemeinsame Strategien, sei es zum Wohnungsmarkt, zum Stadtmarketing oder zur Familienfreundlichkeit von Hochschulen und Studium.

Sigurd Trommer, Präsident der Bundesarchitektenkammer, appellierte in seinem Eröffnungsvortrag Menschen Städte Wissen an alle Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer, Visionen für den Wandel der Städte in der globalen Wissensgesellschaft zu entwickeln. Die Identifikation mit der Stadt und die Ortstreue der Bürger könnten langfristig nur gesichert werden, wenn Städte auf die Begabungen ihrer Bürger setzten und kontinuierlich einen Wissensvorsprung generierten, so Trommer.

Einig waren sich die mehr als 200 Menschen auf der Konferenz darüber, dass Hochschulen, Studierende und Studentenwerke als Teil der Stadtgesellschaft zu begreifen sind und sie gemeinsam in der Verantwortung für den Sozialraum Stadt stehen.


Die Hochschulstadt: Gemeinsame Handlungsempfehlungen von Städten, Hochschulen und Studentenwerken

1. zur regionalwirtschaftlichen Bedeutung von Hochschulen, Studierenden und Studentenwerken

- Jede Stadt sollte erkennen, dass ihre Hochschulen ein Asset sind ebenso relevant wie Unternehmensansiedlungen.

- In manchen Städten ist das Verständnis für die Relevanz der Hochschulen in Politik und Bürgerschaft noch nicht ausreichend ausgeprägt; das gilt vor allem für Newcomer-Städte ohne lange Hochschultradition.

- Vielfach müssen die Hochschulen die Initiative ergreifen und auf die Städte zugehen.

- An Universitäten anders als an Fachhochschulen sind die Transferstellen zur Vermittlung von Wissen an die privaten Unternehmen noch unterentwickelt. Hier ist ein Ausbau erstrebenswert.

- Auch die Hochschulen müssten sich neu positionieren, und zwar in Richtung auf eine stärkere Kongruenz zwischen Fächerangebot und lokaler Wirtschaftsstruktur.


2. zum Einfluss von Hochschulangehörigen und Studierenden auf den städtischen Wohnungsmarkt

Es gibt nicht die Hochschulstadt, deren Probleme generalisiert werden könnten und für die es einheitliche Lösungsempfehlungen gibt, aber grundsätzlich gilt:

- Eine gute Zusammenarbeit zwischen Studentenwerk, Hochschulleitung und der Stadt ist zu institutionalisieren.

- Diese Zusammenarbeit sollte kontinuierlich von einem Monitoring begleitet werden (Federführung und Finanzierung über das Stadtplanungsamt, Jenaer Modell), das alle Akteure beteiligt, Entwicklungen beobachtet und rechtzeitig Handlungsempfehlungen geben kann.

- Auf der Führungsebene müssen Planungsstrategien/Rahmenpläne entwickelt werden.

- Die Neuansiedlung von studentischem Wohnen muss einhergehen mit der Schaffung von sozialer Infrastruktur, guter Verkehrsanbindung sowie Kulturangeboten.

- Da der private Wohnungsmarkt nicht in der Lage ist, ausländische Studierende zu versorgen, müssen die Studentenwerke hier unterstützt werden.

- Städte können viel tun, um ihre Attraktivität zu steigern; dabei sind Studierende und Hochschulangehörige ein wichtiger Faktor zur Stabilisierung von Quartieren.


3. zu Studierenden und Hochschulangehörigen mit Kind(ern)

- Erfahrung und vorhandene Konzepte nutzen Austausch über Best Practice, zum Beispiel aus Audits und Wettbewerben, fördern

- Alle an einen Tisch Institutionalisierung des regelmäßigen Austauschs von Stadt, Hochschule, Studentenwerk und Land zur Entwicklung gemeinsamer Strategien

- Neue Wege gehen mit Stadtortfaktor Familienfreundlichkeit innovative Finanzierungsmodelle suchen, zum Beispiel durch neue Partner aus Wirtschaft


4. zur Hochschulstadt als Teil des Stadtmarketings

- Stadt, Hochschule, Studentenwerk: von der Koexistenz zur strategischen Partnerschaft!

- Allianz zwischen Stadt, Hochschule und Studentenwerk als Gesamtpaket

- Ins Image einer Hochschulstadt muss investiert werden; die Hochschulstadt muss attraktiver werden bzw. attraktiv bleiben; das ist ein langer Prozess. Angebote/Services müssen neu durchdacht oder neu ausgerichtet werden.

- Es müssen Partner in der Wirtschaft gefunden werden!


5. zur Stadtentwicklung und Stadtplanung

- Die Hochschullandschaft zwischen Flensburg und Konstanz, zwischen Görlitz und Aachen ist vielfältig. Es gibt auch höchst unterschiedliche Entwicklungen. Ein allgemein gültiges Zukunftsmodell für die Entwicklung der Hochschulstädte kann es nicht geben.

- Wenn es Campus-Situationen gibt, ist es notwendig, diese Quartiere auch mit Leben zu füllen. Dies gilt für die Verkehrsanbindung, das kulturelle und soziale Leben sowie die Versorgungs- und Wohnsituation.

- Stadtentwicklung im Hochschulbereich kann sich nicht nur in Bauten manifestieren.

- Hochschulen müssen gesamtheitlich denken können und stärker ihre Zuständigkeiten wahrnehmen.

6. zu Hochschulen, Studentenwerken, Hochschulangehörigen und Studierenden als Teil der Stadtkultur und Stadtgesellschaft

- Hochschulbildung ist Kultur. In diesem Sinne sind Hochschulen und Studentenwerke städtische Kulturanbieter.


- Die Studierenden wollen und können auch in Zeiten von Bachelor/Master kulturell aktiv sein.

- Nur mit einem erweiterten, Institutionenübergreifenden Kulturbegriff können die kulturell aktiven Studierenden als Teil der Stadtkultur gefasst werden.

- Die Studierenden sind die gesellschaftlich engagierteste Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Die Städte profitieren von ihnen.

- Bürgerschaftlich engagierte Studierende brauchen Förder- und Ermutigungsstrukturen. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Städten, Hochschulen und Studentenwerken. Den Studentenwerken als Schnittstelle von Hochschule und Stad
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