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Neues vom Glück: Jacobs-Forscher leisten Beitrag zum World Book of Happiness

17.03.2011 - (idw) Jacobs University Bremen

Am 16. März 2011 ist die deutsche Ausgabe des World Book of Happiness erschienen, in dem der belgische Publizist Leo Bormans erstmals 100 wissenschaftlich fundierte Thesen führender Glücksforscher aus aller Welt zusammengetragen hat. Mit dabei sind auch zwei Wissenschaftler der Jacobs University: Jan Delhey, Professor für Soziologie, und die PhD-Studentin Katja Uglanova. Sie präsentieren ihre Erkenntnisse über den messbaren Zusammenhang von Wohlstand und Glück sowie über die Bedeutung von markanten Ereignissen im Lebenslauf schlimmen ebenso wie schönen für das persönliche Glücks- oder Unglücksgefühl. Was ist Glück? Geld? Liebe? Zeit? Gesundheit? Erfolg? Eine Schale Reis? Kann man Glück lernen? Kann man Glück messen? Und sieht Glück überall auf der Welt gleich aus? Die Suche nach dem Glück ist so alt wie die Menschheit und hat schon zahllose Theologen, Philosophen, Psychologen und natürlich auch Ratgeber-Autoren jedweder Couleur beschäftigt. Glück als Gegenstand empirischer Forschung hat sich im Wesentlichen in den letzten zwei Jahrzehnten als ein wichtiger Bereich der Sozialwissenschaften und der Sozialpsychologie etabliert, für dessen sozio-ökonomische Bedeutung sich zunehmend auch Politik und Wirtschaft interessieren.

Unter dem Titel Glück. The World Book Of Happiness hat jetzt der belgische Journalist Leo Bormans das Wissen von gut 100 internationalen Experten der Glücksforschung in einem Band zu vereint. Das Buch ist ein hochspannendes, auch für Laien verständliches und oft sehr überraschendes Glückskompendium jenseits von philosophischen oder spirituellen Spekulationen, in dem neben individuellen Einflussfaktoren auch die größeren gesellschaftlichen Zusammenhänge beschrieben werden, die das Glücksempfinden des Einzelnen stärken.

Auch zwei Forscher der Jacobs University wurden eingeladen, ihre Thesen im Rahmen des Buches zu präsentieren. Die These von Jan Delhey, der seit 2006 an der Jacobs University forscht und lehrt, trägt den Titel Der Motor des Fortschritts oder Die Moderne ist besser als ihr Ruf. Sie befasst sich mit dem Zusammenhang von materiellen Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden. Im internationalen Vergleich sind Menschen glücklicher in reichen, freien, gutregierten, egalitären, und toleranten Ländern wie etwa in Dänemark oder der Schweiz. Die niedrigsten Glückswerte wurden dagegen im Irak und Zimbabwe gemessen, Länder, die nach diesen Kriterien schlecht abschneiden. Allerdings ist fraglich, ob sich in den westlichen Gesellschaften das Glücksniveau durch noch mehr Wohlstand nennenswert steigern lässt.

Besonders spannend ist aber auch folgendes Ergebnis des Bremer Soziologen: Wohlhabende und somit tendenziell glücklichere Menschen neigen nicht etwa zu Dekadenz oder Egoismus. Im Gegenteil: Ein höherer Lebensstandard und die damit verbundenen Freiheiten öffnen den kritischen Blick für die Vorteile einer modernen freiheitlichen Gesellschaft und setzten so quasi eine immaterielle Bedürfnisspirale in Gang. Diese bestimmt dann auch zunehmend das Handeln und Entscheiden der Menschen, die sich vermehrt für Selbstbestimmung und das Wohl anderer einsetzten. Der Wohlstand Vieler wird somit zum Motor für gesellschaftlichen Fortschritt ein Zusammenhang, der besonders für Schwellenländer im Nahen Osten, in Asien oder auch Südamerika von Bedeutung sein dürfte.

Die Glücksthese von Katja Uglanova trägt den Titel Nach dem Shock oder Gewohnheit: Ein Ersatz für Glück?. Die 34-Jährige Russin, die sich auf Lebenslaufforschung spezialisiert hat, befasst sich in ihrem Kurz-Essay mit der Fähigkeit des Menschen, sich an tief einschneidende Erlebnisse positive wie negative anzupassen. Sie kam zu der Erkenntnis, dass das menschliche Anpassungspotenzial offenbar fast unbegrenzt ist. Ob Heirat, Scheidung, Geburt eines Kindes, Lohnerhöhungen oder auch der Tod des Lebenspartners Umfragen zufolge setzt oft eine überraschend schnelle Gewöhnung an derartige Lebenseinschnitte ein, die das Erlebnis zur Normalität ohne spezielles Glücks- oder Unglücksgefühl werden lässt. Überraschend ist diese Erkenntnis insofern, als sie die allgemein tiefverwurzelte Vorstellungen in Frage stellt, dass es vor allem das Eintreten bestimmter Ereignisse ist, die unser Glück oder Unglück nachhaltig bestimmen.

Wie schnell und in welcher Weise der Anpassungsvorgang verläuft hängt, so Uglanova, hängt stark von Persönlichkeit und psychischer Grundveranlagung eines Menschen ab. Die Russin geht sogar noch einen Schritt weiter: Oft sei es sogar die Persönlichkeit, die mitentscheidet, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Ereignisse eintreffen. So sind glückliche, optimistische Menschen beispielweise sowohl auf dem Heirats- als auch dem Arbeitsmarkt eher gefragt als depressive Pessimisten. Werden Menschen also glücklich oder unglücklich geboren? Warum Menschen letztendlich auf bestimmte dramatische Lebenseinschnitte unterschiedlich reagieren, ist nach Ansicht der Bremer Nachwuchsforscherin in vieler Hinsicht noch unerforscht. Die Herausforderung sei nun, herauszufinden, welche Mittel und welcher Kontext Menschen besonders bei der Verarbeitung von tragischen Schicksalsschlägen helfen bzw. die Wirkung einer positiven Erfahrung verlängern können.


Das Buch Glück. The World Book of Happiness (ISBN 978-3-8321-9357-7) ist bei Dumont erschienen und kostet 25 Euro.
(http://www.dumont-buchverlag.de/sixcms/detail.php?id=8120)

Fragen zur Jacobs-Forschung im Buch beantwortet:
Jan Delhey | Professor of Sciology
(http://www.jacobs-university.de/directory/jdelhey)
j.delhey@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3300
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